Vögel füttern im Winter – ja oder nein?

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum wir eigentlich Wildvögel im Winter füttern? Eine Streitfrage ist ja: Vogelfütterung nur im Winter oder ganzjährig? Was ist also der Grund dafür, dass so viele Menschen Vögel gerade im Winter füttern? Wissenschaftler Alexander Lukeneder liefert eine Erklärung...

Erstellt am 04. Januar 2022 | 07:00
Lesezeit: 5 Min
Vogelhaus Vogelfutter Symbolbild
Symbolbild
Foto: Lukeneder

Die Winterfütterung unserer heimischen Vögel kennt man in Europa schon über 150 Jahre. Dabei wurde in den Anfängen der Vogelfütterung aus Ermangelung anderer Futterquellen auf Sonnenblumen-Kerne zurückgegriffen. Vielfach ist es gerade bei Schnee und Eis einfach der Wunsch, den kleinen aus dem eigenen Garten über den Winter zu helfen, da die Vögel vor allem bei Schneedecke wenig Nahrung vorfinden. Dabei helfen in den ersten Monaten des Winters allein schon Wildbäume und Sträucher mit ihren Restfrüchten und Beeren.

Ich habe im eigenen Garten Wildapfelbäume, die noch wochenlang kleine Äpfel tragen, an denen sich die Vögel im Winter bei jeder Witterung bedienen. Kalte Temperaturen um oder unter dem Gefrierpunkt über längere Zeit zehren an der Substanz der heimischen Wildvögel. Bei Minusgraden steigt der Energiebedarf der zarten Geschöpfe enorm an, gespeichertes Körperfett wird verbraucht.

Eine Vielzahl der Vogelarten würde es ja ohne unsere Hilfe durch den Winter schaffen, viele aber auch nicht. Vogelfütterung hat mit Arten- oder Naturschutz im engsten Sinne nichts zu tun, greift man doch in gewisser Weise in die Natur ein. Für mich persönlich ist nach Abwägung aber der Nutzen für die Vögel wichtiger als eine Definition in einem Lehrbuch. Man sollte es natürlich nicht übertreiben, also mit Maß und Ziel füttern.

Gerade bei der Fütterung von Vögeln ist besonders darauf zu achten, dass die Vögel nicht im Futter sitzen. Futter sollte entweder hängen, wie bei Meisenknödeln oder Meisenringen, im Falle von Futtersilos nach unten rieseln, oder es sollten vor dem Futterhäuschen Sitzstangen angebracht sein. Ist dies nicht der Fall, herrscht die Gefahr der Verschmutzung des Futters durch Vogelexkremente, also Vogelkot – eine tödliche Gefahr für die Vögel, denen man eigentlich etwas Gutes tun wollte. Das Futter muss auf jeden Fall trocken sein, sonst droht Schimmelbefall. Die Futterstellen kann man gerne auch mit Fichten- oder Tannenzweigen verkleiden, das erhöht das Sicherheitsgefühl bei den Vögeln.

Sind Sie eher der Typ Meisenring und Meisenknödel oder eher der Typ gehackte Nüsse und Äpfel? Nichts von alledem ist dem Vogelfreund fremd, alles hat man schon probiert. Nichts geht doch über gehackte Erdnüsse! Aber ist das auch richtig und gesund für die kleinen Flügel-Akrobaten? Jeder Vogel benötigt andere Nahrung, sowohl in der Größe als auch in der Zusammensetzung der Bestandteile. Zeig mir deinen Schabel und ich sag dir, was du frisst! Die Schnabelform der Vögel verrät uns schon sehr viel über die bevorzugte Nahrung des Schnabelträgers.

Von spitz zu stumpf, von lang und dünn bis zu kurz und dick werden Sie dabei alle Formen beobachten können. Angepasst wurden die Formen an Nahrung und Beute, wie Körner oder Insekten. Jedem Vogel oder jeder Vogelgruppe hat die Evolution also das passende Werkzeug wachsen lassen. Spatzen, Meisen (Kohl- und Blaumeisen) und Finke haben mit ihren kleinen und kräftigen Schnäbeln die Möglichkeit, Nüsse und Körner zu knacken, sie sind also Körnerfresser.

Die feinen und spitzen Schnäbel von Kleibern, Rotkehlchen und Staren sind zum Verspeisen von Apfelstücken, Mehlwürmern und feinst gehackten Nüssen geeignet, der Schnabel fungiert hier als eine Art Pinzette. Gerade die typischen Insektenfresser wie das Rotkehlchen haben im Winter keine Möglichkeit, ihre bevorzugte Nahrung zu finden, dem Futter können dann getrocknete Mehlwürmer beigemengt werden. Bei den Mehlwürmern handelt es sich im Übrigen um die Larven des Mehlkäfers (Tenebrio molitor).

Bitte verzichten Sie auf Küchenabfälle wie Fleischreste, Nudeln und Kartoffelschalen, diese gehören in den Biomüll und nicht ins Vogel-Futterhäuschen. Auch Brot ist ungeeignet, da es lediglich für ausgewachsene Vögel als Futter taugt, für Jungvögel aber nicht ausreichend Vitamine und Proteine enthält.

Flugshow – Man darf auch Freude daran haben

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass das Betrachten von Katzen beim Schlafen, das Spazieren im Wald, aber auch das Beobachten der gefiederten Besucher an unseren Vogelhäuschen und Futterstationen positive Auswirkungen auf Körper und Seele des Menschen haben. Und ja, das ist auch messbar! Nicht immer sollte man aber alles wissenschaftlich sehen, gerade wenn es ums eigene Wohlbefinden geht.

Meiner Meinung nach darf man auch manchmal Dinge tun, die einfach „Spaß an der Freude“ machen, heute würde man wohl sagen just for fun. Setzen Sie sich einmal eine Stunde in die Nähe eines Vogelfutter-Häuschens und genießen Sie die Flugshow unserer kleinen Gartenbesucher! Sie werden sehen, man kann dabei toll abschalten und fühlt sich danach frisch und erholt.

Ich wünsche Ihnen noch ein gutes neues Jahr 2022! In diesem Sinne: Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie neugierig.