Vorsicht Zecken: krabbelnde Gefahr in Wald und Wiesen

Erstellt am 14. Juni 2022 | 07:00
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Zecken Symbolbild
Symbolbild
Foto: Lukeneder
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum es jährlich zu einer Vielzahl von Infektionen an Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis durch Zecken kommt? Kann man diese vermeiden oder etwas gegen diese Parasiten unternehmen? Wissenschaftler Alexander Lukeneder liefert eine Erklärung…

Wer kennt das nicht: Unangenehmer Juckreiz nach einem Spaziergang durchs hohe Gras oder nach einem Waldlauf. Nach genauerer Betrachtung entpuppt sich diese lokale Hautreizung als Zeckenbefall – ein typischer Zeckenstich! Zecken gehören zur Gruppe der achtbeinigen Spinnentiere und zur Untergruppe der Milben. Was sich so harmlos anhört, ist es in vielen Fällen leider nicht mehr, übertragen doch Zecken eine Vielzahl von Krankheitserregern, von Bakterien bis zu Viren.

Dabei sind die bekanntesten wohl die Borrelien – die Auslöser der Borreliose – und die Flaviviren – die Verursacher der Frühsommer-Meningoenzephalitis. Letztere ist auch als FSME oder Zeckenenzephalitis (Gehirnentzündung = Enzephalitis) bekannt, kann aber durch Impfungen vorab abgewendet werden. Ungeimpfte und infizierte Personen können Symptome von Fieber über Übelkeit bis hin zu Lähmungen und bleibenden Behinderungen aufweisen. Die von Bakterien ausgelöste Borreliose hingegen kann erst bei Auftreten mittels Antibiotika-Kuren beseitigt werden.

Das Tückische dabei ist aber, dass nicht jede befallene Person den typischen roten Kreis um die Einstichstelle ausbildet. Oft kann die Borreliose damit nicht sofort, sondern erst nach langwierigen gesundheitlichen Beschwerden durch Tests entdeckt werden. Betroffene Personen haben da oft schon jahrelange Leidenswege hinter sich gebracht. Gerade Menschen, die sich viel in der Natur aufhalten, sind davon betroffen: Landwirte, Jäger und auch Wissenschafter wie ich – also Berufsgruppen, die sich naturgemäß viel im Freien aufhalten müssen – sind gefährdet und sollten sehr aufmerksam sein!

Denn die Zecken lauern überall: Ob in Wiesen oder Sträuchern, ob im Wald oder im eigenen Garten, die kleinen Plagegeister tauchen überall auf und sind dabei fast nicht zu sehen. Die Gefahr kommt leise auf 8 Beinen und lauert auf vorbeilaufende Wirte, schier endlos an Geduld. Dabei sind die Halbmillimeter großen Zeckenlarven noch auf 6 Beinen unterwegs, erst über das Nymphenstadium mit rund 1 mm Größe erscheint das letzte Beinpaar, ehe das Tier im adulten – erwachsenen – Stadium einige Millimeter bis zum vollgesaugten Zustand mit 1 Zentimeter Größe aufweisen kann.

Die Zecken benötigen zum Überleben einen Wirt, um Blut abzuzapfen, sie sind also Parasiten. Wirte können dabei kleine Säugetiere wie Mäuse oder Igel sein, die größeren Opfer sind dann Rehe, unsere Haustiere wie Hund und Katze oder eben wir Menschen. Unsere Lieblinge bringen die krabbelnde Gefahr zuerst ins Haus, wo sie sich dann den Weg auf uns Menschen suchen kann. Nicht nur einmal habe ich es erlebt, wie unsere Katzen nach einem gelungenen Mäusefang ganze Horden winziger Zecken-Larven an den Pfoten ins Haus schleppten.

Sicher werden Sie Ihn alle kennen, den gemeinen Holzbock oder auch Schildzecke Ixodus ricinus. Dieser parasitische Typus ist mit etwa 95 % die am häufigsten auftretende Zecken-Art Österreichs. Weltweit gibt es über 800 Arten dieser Blutsauger, wovon rund 18 Arten in Österreich heimisch sind. Die Schildzecken und die Lederzecken sind die dominanten Vertreter. Ich muss zugeben, auch wenn es nicht sehr wissenschaftlich ist: Der Sinn und Zweck der Existenz von Zecken hat sich mir persönlich noch nicht erschlossen, diplomatisch ausgedrückt!

Aufgrund des Klimawandels sind sie mittlerweile schon fast ganzjährig bei uns vertreten, da Zecken erst unter 5°C ihr schauriges Werk einstellen. Der jahreszeitlich definierte Ausdruck Frühsommer-Meningoenzephalitis ist daher schon etwas irreführend und müsste geradezu auf Ganzjahres-Meningoenzephalitis abgeändert werden. Man muss vor diesen Blutsaugern ganzjährig auf der Hut sein!

Schnellstmögliches und richtiges Entfernen

Sollten Sie die Bekanntschaft mit einer Zecke machen, also von ihr gebissen worden sein, trachten Sie danach, diesen Parasiten schnellstmöglich wieder loszuwerden! Was logisch klingt, ist aber meist schwieriger als gedacht, sucht sich die Zecke doch oft die ungewöhnlichsten Stellen am Körper – ohne hier näher ins Detail gehen zu wollen… Ich selbst habe vor 2 Wochen nach einer Geländearbeit gleich 2 winzige Vertreter auf meiner Schulter und meinem Oberarm vorgefunden. Ich war zuvor im dichten Gebüsch mit viel Unterholz zu einem Aufschluss unterwegs gewesen.

Wichtig ist jetzt: Keine Panik! Die paar Minuten sind jetzt nicht mehr entscheidend. Ich mach das am schnellsten, wie von meiner Oma gelernt, mit 2 Fingern direkt an der Haut. Sie können aber natürlich auch eigene Zecken-Pinzetten dafür verwenden. Falls Sie sich nicht sicher sind, können Sie natürlich ebenso einen Arzt Ihres Vertrauens aufsuchen. Wichtig wäre es in jedem Fall, das gesamte Tier aus der Haut zu ziehen, also Körper und Kopf mitsamt Stechrüssel (Hypostom).

Durch diesen Stechapparat kann das Weibchen das bis zu 200-fache des eigenen Gewichtes an Blut aufsaugen und ändert dabei durch Dehnung die Farbe von rötlich zu hellgrau. Keine Angst, wenn manchmal der Kopf stecken bleibt – er wird vom Körper dann später abgestoßen. Bitte niemals, wie oft zu lesen ist, die Zecke mit Öl zu ersticken versuchen! Die Zecke würde darauf mit Abstoßung von Sekreten in die Haut reagieren, also noch mehr Bakterien in den menschlichen Wirten injizieren.

Beobachten Sie nach Entfernung des Parasiten unbedingt die Einstichstelle! Bei danach folgender Rötung suchen Sie bitten einen Arzt auf, besonders bei kreisrunden, sich vergrößernden Arealen – wobei nicht alle Rötungen sofort einen Borrelien-Befall bedeuten müssen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Sommer im Freien, im Wald oder im eigenen Garten. Seien Sie wachsam und suchen sie nach Spaziergängen oder Arbeiten im Freien nach diesen kleinen krabbeligen Parasiten. Tragen Sie am besten lange Hosen, das schützt sehr gut, wenn auch nicht zu 100 %. Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie neugierig.

WebTipp

https://www.zecken.at/

https://www.ages.at/mensch/krankheit/infos-zu-zecken-krankheiten