Wasserschießen: Physik trifft Freizeit und Sport

Erstellt am 21. Juni 2022 | 06:00
Lesezeit: 5 Min
Symbofoto
Symbolbild Großauer Hütte
Foto: Lukeneder
Haben Sie sich schon einmal gefragt, was man unter Wasserschießen versteht? Haben Sie schon einmal davon gehört oder ist es Ihnen, wie mir, auch neu? Wissenschaftler Alexander Lukeneder liefert eine Erklärung…

Nein, Sie haben sich nicht verlesen und es handelt sich auch nicht um einen Schreibfehler. Ich dachte bei meiner zufälligen Begegnung mit diesem Thema an einer Hinweistafel neben der B25 (Erlauftalstraße) zwischen Lunz am See und Göstling zuerst an einen Schreibfehler, also an Wasserschließen – befindet sich dieser Hinweis doch direkt neben der Ybbs, in diesem Abschnitt auch als Ois bezeichnet. Wasser wäre dort also genug vorhanden. Auf meinen geologisch-paläontologischen Forschungsreisen in diesem Raum muss auch ich natürlich vorab immer die jeweiligen Grundeigentümer um Fahrerlaubnis und Grabungsgenehmigung fragen. Meine Suche nach neuen – wenn auch nur selten guten – Aufschlüssen der Reingrabener Schiefer und Göstlinger Kalke führt mich also in das Gebiet zwischen Lunz am See und Göstling an der Ybbs.

Eben bei besagter Hinweistafel biege ich in die neue Straße ab, um bei den dortigen Besitzern um entsprechende Erlaubnis anzufragen. Nebenbei erwähnt, sind neue Forststraßen immer eine gute Möglichkeit, unter die Bodenbedeckung sehen und anstehendes Gestein zu untersuchen. Unser Land ist zwar wunderbat grün, mit Wiesen und Wäldern bedeckt, was es aber für einen Paläontologen auf der Suche nach Fossilien schwer macht, die einzelnen Gesteins-Formationen beobachten zu können. Ich fahre also vor wenigen Wochen die Straße bis zu den Gebäuden hoch und parke den Dienstwagen des Naturhistorischen Museums am Parkplatz vor dem Haus. Man muss dazu erwähnen: Der VW-Bus ist weithin erkennbar durch die großen Dinosaurier-Aufdrucke an allen Seiten des Autos. Meine Ankunft bleibt somit nicht unbemerkt und – wie ich jetzt weiß – kommt Franz Pöchhacker sen. auf mich zu und lächelt in meine Richtung.

Ich denke mir: Das ist ein gutes Zeichen, man weiß ja nie so genau, wie die Besitzer der Liegenschaften auf „Eindringlinge“ wie mich zu sprechen sind. Auf die Frage, ob man zu Forschungszwecken Privatstraßen befahren dürfe, habe ich von „nein, sicher nicht“ bis zu „ja klar, gerne, sehr interessant“ schon alles erlebt! Nach der Begrüßung durch Herrn Pöchhacker erkläre ich kurz, was mein Vorhaben wäre. Freundlich wird mir die Erlaubnis erteilt. Ich kann es aber nicht lassen: Zu sehr interessiert mich, was es mit dem Wort „Wasserschießen“ auf sich hat. Herr Pöchhacker meint lachend: „Haben‘s kurz Zeit? Dann zeig ich‘s Ihnen.“ Klar habe ich Zeit!

Großauer Hütte mit Wasserschießstand

Wir fahren nur eine Minute von Wohnhaus in einen kleinen Graben. Idyllisch versteckt und malerisch zwischen zwei kleinen Naturteichen gelegen, baut sich eine Blockhütte vor mir auf – die Großauer Hütte, wie ich jetzt weiß, hervorragend für Feiern verschiedenster Art, gemütliches Beisammensein, Seminare und Kurse oder einfach nur zum Ausspannen geeignet! Der abgelegene Standort und das besondere Ambiente neben Obstgarten, Wald und Teich laden zum Abschalten ein und bieten Ungestörtheit und Exklusivität für alle Arten von Zusammenkünften, ob Hochzeit oder Exkursion – ein idealer Ort für alle, die es urig-idyllisch mögen und ihren Freunden oder der Familie etwas Außergewöhnliches bieten wollen. Man kann dort grillen, feiern, ja gar fischen und auch wasserschießen.

Ja genau, wasserschießen! Im Bauch der Großauer Hütte verbirgt sich der Schießstand. Und drüben, am anderen Ufer des Teichs, befinden sich die Schießscheiben. Nichts Besonderes, meinen Sie? Doch, sage ich! Beim Lunzer Wasserschießen wird über eine Entfernung von 80 Metern über den Teich auf das Spiegelbild der am Ufer befindlichen Scheiben gezielt. Mit einem Kleinkaliber-Gewehr wird flach auf das Spiegelbild geschossen, das Projektil dringt dabei nicht ins Wasser ein, sondern prallt durch die hohe Geschwindigkeit und den flachen Winkel an der Wasseroberfläche ab und trifft im besten Fall die Mitte der Scheibe. Reine Physik also – was wir als Kinder schon als Platteln mit flachen Steinen gemacht hatten, wird hier gleichsam perfektioniert!

Während ich mir die ganze Sache erstaunt zeigen lasse, weil ich das zuvor wirklich noch nie gehört oder gar gesehen habe, fährt der Juniorchef des Betriebes vor, Felix Pöchhacker. Nach einer freundlichen Begrüßung zeigt er mir gleich interessiert die geologische Karte, auf der auch seine Liegenschaften zu sehen sind. Er erklärt sich bereit, mir einige interessante Aufschlüsse zu zeigen. Ich nehme dankend an und steige in sein Auto ein, mein Dienstwagen hätte diese Straßen nicht geschafft! Felix hat ja selbst an der BOKU in Wien studiert und arbeitet jetzt in einem Ingenieurbüro in Lunz am See, die Familie hat zudem noch genug Arbeit mit dem familieneigenen Forstbetrieb. Seit dieser Begebenheit bin ich jetzt schon einige Male auf den Privatstraßen der Familie Pöchhacker unterwegs gewesen und habe neue Erkenntnisse zur Geologie und Paläontologie gewonnen. Was man nicht so alles Neues lernt auf den Reisen durch die Erdgeschichte Niederösterreichs! Ich danke jedenfalls besonders Felix und Franz für ihre Unterstützung.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schöne Sommertage im Freien, schauen Sie sich das alles einmal nach Voranmeldung an, wenn Sie in der Nähe sind, und bleiben Sie neugierig.

WebTipp

https://www.grossauer-huette.at/wasserschie%C3%9Fen1

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