Ärztekammer NÖ mit Kritik an "Acute Community Nurses". Die Ärztekammer Niederösterreich hat am Dienstag Kritik am "Acute Community Nurses" (ACN) Projekt von Notruf NÖ geübt. Dass "Fachhochschulabsolventen zu Akut- und Notfällen geschickt" würden, löste bei Präsident Christoph Reisner Unverständnis aus: "Ich warne davor, denn Akutmedizin gehört in ärztliche Hand", teilte er per Aussendung mit.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 26. Mai 2020 (13:17)
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Am Montag vergangener Woche (18. Mai) hatte Notruf NÖ das ACN-Pilotprojekt im Bezirk Bruck a.d. Leitha gestartet. Ziel sei es, die "Gesundheitsexperten" als "Problemlöser" einzusetzen, "sowohl in der 24/7 Akutversorgung von pflegebedürftigen Personen als auch in der Notfallrettung als Unterstützung und Bindeglied zwischen dem nicht-ärztlichen und ärztlichen Rettungsdienst", hatte Notruf NÖ damals bekanntgegeben. Als weiteren Grund für die ACN war angegeben worden, dass insbesondere an Wochenenden und in der Nacht bestehende Strukturen in der häuslichen medizinischen und pflegerischen Versorgung teilweise nur eingeschränkt vorhanden seien.

Reisner wunderte sich, dass die Ärztekammer NÖ "zu keinem Zeitpunkt in dieses Projekt eingebunden war oder zumindest darüber informiert wurde". Um in Österreich ärztlich tätig werden zu dürfen, müsse man ein zumindest sechsjähriges Medizinstudium und eine entweder dreieinhalbjährige Ausbildung zum Allgemeinmediziner oder eine sechsjährige Ausbildung zum Facharzt absolviert haben, hielt er fest.

"Offensichtlich möchte das Land NÖ diese hohen Qualitätsstandards nun unterwandern, indem es Absolventen einer Fachhochschule zu Menschen mit akuten medizinischen Problemen schickt", sagte Vizepräsident Gerrit Loibl. Eine akutmedizinische Behandlung erfordere viel Erfahrung und Wissen, das man in jahrelangem Lernen und Arbeiten am Patienten erlange.

"Ärztliche Leistung kann niemals durch nichtärztliche, paramedizinische Leistung ersetzt werden", betonten auch die Vizepräsidenten Ronald Gallob und Dietmar Baumgartner. "Auch wenn es für Ökonomen auf den ersten Blick verlockend klingen mag, warnen wir davor, sich bei der Gesundheit der Bevölkerung vorrangig vom Spargedanken leiten zu lassen", teilten sie mit. Die Folgen könnten für kranke Menschen sehr schmerzlich sein. "Die Letztverantwortung im medizinischen Bereich kann nur bei Ärztinnen und Ärzten liegen und kann keinesfalls delegiert werden", fügten sie hinzu.