Industrieviertel: 101.836 in Kurzarbeit. Im Industrieviertel steigt die Arbeitslosigkeit weiterhin stark an.

Von Gerald Burggraf und Philipp Hacker-Walton. Erstellt am 14. Mai 2020 (05:45)
952.990 Personen waren zumindest einen Tag arbeitslos
APA (Pfarrhofer)

Nach dem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit aufgrund der Ausgangsbeschränkungen und Geschäftsschließungen ab Mitte März, hat sich die Lage am Arbeitsmarkt im April weiter verschärft. Im gesamten Industrieviertel sind im Vergleich zum Vorjahr drastische Anstiege der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen (siehe Grafik), und das, obwohl sich viele Unternehmen zur Kurzarbeit entschlossen haben, um Arbeitsplätze zu sichern (siehe Infokasten).

In der Region befinden sich 101.836 Personen in Kurzarbeit. Beihilfen wurden bis Ende April vonseiten des Arbeitsmarktservice (AMS) in Höhe von 739 Millionen Euro ausgeschüttet. „Mit einer Coronavirus-Kurzarbeit können Kosten reduziert, Einkommen gesichert, Arbeitslosigkeit verhindert und gleichzeitig Personal für die Zeit nach der Krise gehalten werden“, sagt Walter Jeitler, Geschäftsstellenleiter des AMS Neunkirchen. Im Bezirk Neunkirchen ist die Arbeitslosigkeit im April im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent angestiegen.

Tourismus und Gastro am stärksten betroffen

Mevlüt Kücükyasar, Leiter des AMS Wiener Neustadt, betont, wie dramatisch die wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie sind: „Die österreichische Wirtschaft und der Arbeitsmarkt befinden sich aktuell in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.“ In Wiener Neustadt gibt es im Jahresvergleich einen Anstieg von knapp 60 Prozent bei den Arbeitslosen zu verzeichnen.

Besonders stark sind – wie in der gesamten Region – der Tourismus, die Gastronomie und die Baubranche betroffen. Im Bezirk Wiener Neustadt bekommen aktuell vor allem Jugendliche (plus 83 Prozent bei den arbeitslosen Unter-25-Jährigen) und ausländische Staatsbürger (plus 81 Prozent) die Krise zu spüren.

NOEN

In Schwechat sind bei den Unter-25-Jährigen beziehungsweise nicht-österreichischen Staatsbürgern mit Zuwächsen von jeweils über 104 Prozent sogar noch eklatantere Anstiege zu verzeichnen. „Wir sprechen hier von 156 beziehungsweise 500 von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen“, erklärt Geschäftsstellenleiterin Eva Wienerroither. Der Anstieg an Jobsuchenden im April lag im Raum Schwechat bei fast 64 Prozent.

Dieser Wert wird nur vom Bezirk Mödling geschlagen, wo man den höchsten Zuwachs an Arbeitslosen im Industrieviertel verzeichnet. So waren mit Ende des Vormonats um mehr als 67 Prozent mehr Menschen ohne Arbeitsstelle, als noch im April des Vorjahres. Zusätzlich zu den 5.337 Arbeitslosen befanden sich in Mödling 432 Personen in einer Schulung des AMS. „Der Anstieg der Arbeitslosigkeit betrifft Frauen und Männer in etwa gleichem Ausmaß“, lässt Mödlings AMS-Chef Werner Piring wissen. Das gilt übrigens für das gesamte Industrieviertel.

Zahl der offenen Stellen steigen in Bruck wieder

In absoluten Zahlen den geringsten Anteil an Jobsuchenden hat die Geschäftsstelle in Bruck an der Leitha. Hier waren mit Ende April 2.244 Personen arbeitslos. Dort erkennt Geschäftsstellenleiter Herbert Leidenfrost mittlerweile auch eine leichte Entspannung der Situation. „Mit dem Hochfahren der Wirtschaft in den Vorwochen stiegen auch wieder die Arbeitsaufnahmen“, freut er sich.

Im April meldeten sich beim Brucker AMS 398 Personen arbeitslos, im gleichen Zeitraum gaben jedoch auch 214 Jobsuchenden an, einen neuen Arbeitsplatz gefunden zu haben. Leidenfrost hofft sogar, dass der Gipfel der Arbeitslosigkeit – zumindest momentan – erreicht sei. Darüber hinaus zeige sich in Bruck, dass die Zahl der offenen Stellen wieder steige. „Gab es in den ersten vier Aprilwochen lediglich 31 Vakanzen, schnellten sie zu Monatsschluss hoch und verdoppelten sich im Zeitraum vom 27. April bis 4. Mai auf insgesamt 75 Neuangebote“, erläutert Leidenfrost.

Von einer Entspannung kann im Bezirk Baden jedoch aktuell noch keine Rede sein, wie Geschäftsstellenleiterin Claudia Schweiger festhält. „Die Arbeitsaufnahmen sind im April im Vorjahresvergleich um 335 oder 39 Prozent gesunken. Ebenso wurden dem AMS Baden um 36,5 Prozent weniger Stellen zur Besetzung gemeldet“, weiß sie. Mit mehr als 8.600 Menschen ohne Job rangiert der Badner Bezirk an erster Stelle. Die Zahl der Beschäftigten sank hingegen um 2,7 Prozent auf 56.863.

Auswirkungen der Coronakrise sieht Schweiger auch am Lehrlingsmarkt. So wurden mit Ende April 645 Lehrstellen zur Besetzung gemeldet – ein Rückgang um fast 20 Prozent. Lehrstellensuchende ließen sich 1.288 registrieren, ein Anstieg um mehr als 62 Prozent mehr.