1.155 Wildunfälle im Bezirk Bruck an der Leitha. Im Brucker Bezirk ist die Zahl der Wildunfälle so hoch wie sonst nirgends im Industrieviertel.

Von Otto Havelka und Josef Rittler. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:45)
APA (dpa)

Einen Trend zu mehr Wildunfällen im Bezirk kann man seitens der Polizei pauschal dennoch nicht bestätigen. „Da gibt es etliche Faktoren, die die Häufigkeit beeinflussen, darunter die Witterung oder welche Feldfrüchte auf den an die Straßen grenzenden Äckern angebaut sind. Entsprechend ist es einmal stärker, einmal schwächer“, erklärt Erich Snitily vom Bezirkspolizeikommando Bruck. Auch richtige „Hotspots“ gebe es keine, am ehesten wären noch die stark befahrenen Bundesstraßen B9 und B10 zu nennen. Um Unfälle zu vermeiden, sollten die Lenker ihr Fahrverhalten an die Situation anpassen, besonders an jenen Stellen, an denen vor Wildwechsel gewarnt wird. Dass Jäger einen Wildunfall melden, der nicht von Kfz-Lenkern angezeigt worden ist, käme selten vor. „Da sind wir im Bezirk diszipliniert“, fasst Snitily zusammen.

Bezirksjägermeister Johann Dietrich.
Rittler

Von Zusammenstößen mit Fahrzeugen sind nicht alle Wildarten gleich betroffen. „Am meisten leidet das Rehwild, gefolgt von Niederwild wie Feldhase und Fasan, zunehmend auch das Schwarzwild“, berichtet Bezirksjägermeister Johann Dietrich. „Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Brunft oder der Bewegung in der Landwirtschaft: Wenn beispielsweise ein Maisfeld abgeerntet wird, suchen sich die Rehe einen neuen Einstand.“

Warnstreifen sind bereits viele angebracht, aber akustische Wildwarngeräte sind effektiver, vor allem in der Dämmerung.“ Bezirksjägermeister Johann Dietrich

Um Unfälle mit Wild zu vermeiden, laufe seit zehn Jahren in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur und dem Landesjagdverband ein Programm mit Wildwarngeräten entlang der Landstraßen. „Warnstreifen sind bereits viele angebracht, aber akustische Wildwarngeräte sind effektiver, vor allem in der Dämmerung“, sagt der Bezirksjägermeister. Die Hilfsmittel an gefährdeten Straßenabschnitten werden von den Straßenmeistereien und der Jägerschaft montiert. Die Gefahrenstellen wurden von der Universität für Bodenkultur gemeinsam mit der Jägerschaft festgelegt und überprüft. „Die erste Projektstrecke im Bezirk war der Abschnitt der B50 zwischen Wolfsthal und Berg, eine zweite ist zwischen Göttlesbrunn und Arbesthal Richtung Maria Ellend“, schildert Dietrich. Grundsätzlich sollten die Fahrzeuglenker vor allem in der Dämmerung und in der Nacht ihre Augen ausrichten, wo das Wild wechselt.

NOEN

Das beste Mittel, um Wildunfälle zu vermeiden: „Langsamer und konzentrierter fahren. Wer zu schnell unterwegs ist, dem helfen die Wildwarner auch nichts mehr. Seit dreißig Jahren steigt der Verkehr in der Region, viele Pendler, die in den frühen Morgenstunden unterwegs sind, sind offensichtlich noch verschlafen, auch da steigt die Gefahr.“

Dass dann Wildunfälle nicht angezeigt würden, sei oft ebenfalls hauptsächlich ein Problem der Pendler: „Während Österreicher der Anzeigepflicht in der Regel nachkommen, machen das Lenker aus der Slowakei nicht immer.“

Fahrzeugbesitzer, die eine Versicherung gegen Wildschaden abgeschlossen haben, sollten sich mit der Meldung eines Wildschadens jedenfalls beeilen. Laut Bestimmungen ist die „unverzügliche Meldung bei der Polizei unabdingbar“, erklärt Gabriela Schneider vom Marktmanagement der Niederösterreichischen Versicherung AG.

Wer einen Wildschaden erst zwei Tage später meldet, schaut bei der Versicherung in der Regel durch die Finger.

Ob eine Versicherung bei einem Wildschaden die Kosten übernimmt, liegt oft an Vertragsdetails. Grundsätzlich sind Wildschäden durch eine Vollkasko-Versicherung abgedeckt. Bei einer Teilkasko-Versicherung wird es schon heikler: Da gibt es etwa Varianten mit Beschränkungen auf Rotwild oder Federvieh. Letztlich muss der Kunde entscheiden, welche Versicherungsvariante (und Tarif) er wählt.

Noch subtiler wird es bei Kollisionen mit Katzen oder Hunden. Sie gelten nicht als Wildunfall, sind aber zumeist durch die Versicherung abgedeckt – sofortige Meldung bei der Polizei vorausgesetzt. Hier springt die Versicherung zwar vorerst ein, hält sich dann aber bei (nachweislichen) Hundebesitzern schadlos. Und das kann teuer werden, wenn diese keine Hunde-Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben.

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