300 Euro Strafe für Liebeshungrigen. Erst spendierte Hilfsarbeiter einem verwahrlosten Teenager Kaffee, dann wollte er mehr.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 15. Juni 2019 (04:50)
shuterstock.com/ Evlakhov Valeriy

„Ich habe Kinder und Enkelkinder“, beteuerte ein Arbeiter (58) aus dem Bezirk Bruck, und er präsentierte sich vor Gericht als liebevoller und verantwortungsvoller Familienvater und Samariter. Bei einem Ausflug nach Ungarn sei er bei einer Rast am Bahnhof von Sopron auf ein junges Mädchen getroffen. „Sie war in einem schlechten Zustand. Ich hatte Mitleid und spendierte der jungen Frau einen Kaffee“, schilderte er.

Plötzlich habe sie aber Geld gefordert und sei ihm ins Auto gefolgt. Verärgert, weil sie kein Geld bekommen habe, sei sie dann aus dem Auto gesprungen. Sonst sei nichts vorgefallen, erklärte der Angeklagte.

Zeugen bestätigen Aussage

„Bei der jungen Frau handelte es sich um einen 16-jährigen Teenager, der eine andere Version schildert. Sie hätten ihr Avancen gemacht und wären zudringlich geworden. Dann hätten sie die Jugendliche gewaltsam am Aussteigen gehindert. Zeugen bestätigen die Aussage des Opfers“, entgegnete Richter Manfred Hohenecker.

Er machte den Beschuldigten darauf aufmerksam, dass ein Geständnis der versuchten Nötigung der wichtigste Milderungsgrund sei. Nach den mahnenden Richterworten lenkte der 58-Jährige ein, und er gab zu, aus Ärger über das Verhalten der Ungarin einen Fehler begangen zu haben.

Der bislang unbescholtene Arbeiter kam mit einer Diversion davon: Er muss einen Geldbetrag von 300 Euro bezahlen, dann wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.