Apotheken/Hausapotheken: Klima wird „immer rauer“. Der Konkurrenzkampf zwischen Ärzten und Apothekern im Bezirk spitzt sich zu.

Von Josef Rittler, Nicole Frisch und Susanne Müller. Erstellt am 04. September 2019 (04:17)
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Alexandra Frey von der Apotheke zur Hl. Dreifaltigkeit in der Brucker Kirchengasse.
Müller

Der Konkurrenzkampf zwischen Ärzten und Apotheken hat sich in den letzten Jahren im Bezirk deutlich zugespitzt. Wohl nicht zuletzt, weil es zunehmend schwieriger wird, für die kleineren Gemeinden überhaupt Ärzte zu finden. Wann immer zuletzt Gemeinden darum kämpften, einen Arzt für ihren Ort zu gewinnen, kam das Thema „Hausapotheke“ bald als Köder ins Spiel.

Norbert Brock, praktischer Arzt in Götzendorf, musste um seine Hausapotheke lange kämpfen. Immer wieder gab es Einsprüche von der Apothekerkammer. Die Konkurrenz zwischen Hausapotheke und Apotheke sieht Brock allerdings gar nicht so groß. „Wir Hausärzte haben ein viel kleineres Lager“, so Brock. Langfristig müssten sich Apotheken umorientieren, die Akutmedikamente sollte der Arzt verschreiben können. In Hausapotheken sieht er auch eine Möglichkeit, den Beruf des Landarztes wieder attraktiver zu machen. „Eine Hausapotheke ist eine deutliche finanzielle Unterstützung. Man muss nicht zittern, dass die Kosten für die Ordination nicht gedeckt sind“, hält er fest.

Eine Hausapotheke ist für jeden Landarzt, insbesondere aber für die ländliche Bevölkerung wichtig.“ Günther Math, praktischer Arzt in Prellenkirchen

Der Allgemeinmediziner Bernd Kostner, der in Höflein tätig ist, hat in seiner derzeitigen Ordination selbst (noch) keine Hausapotheke. Allerdings betont Kostner: „Aus meiner Sicht sollte ein Landarzt eine Hausapotheke haben, um vor Ort die Bevölkerung mit Medikamenten versorgen zu können. Insbesondere für ältere und nicht mobile Menschen soll die Versorgung gewährleistet werden.“ Den Konkurrenzkampf zwischen öffentlichen Apotheken und Hausapotheken sieht er durchaus als gegeben an. So könnten öffentliche Apotheken beispielsweise zur Verzögerung und Verhinderung einer Genehmigung von Hausapotheken beitragen.

Günther Math, praktischer Arzt in Prellenkirchen, verfügt selbst über eine Hausapotheke und ist von deren Wichtigkeit überzeugt: „Sie ist für jeden Landarzt, insbesondere aber für die ländliche Bevölkerung wichtig. Sie kann eine öffentliche Apotheke jedenfalls ersetzen, weil sie einer gänzlich anderen Funktion, nämlich der Grundversorgung der Bevölkerung, dient. Der Unterschied besteht darin, dass ich nur Medikamente vorrätig habe, die meine Patienten tatsächlich benötigen. Eine Beratungstätigkeit wie in Apotheken etwa zu Nahrungsergänzungsmitteln wird von mir nicht durchgeführt.“

Bei den Apotheken sieht man die Sache naturgemäß anders. „Hausapotheken sind für uns ein Problem“, macht Alexandra Frey von der Apotheke zur Hl. Dreifaltigkeit in der Brucker Kirchengasse kein Hehl daraus, dass ihr die Konkurrenz durch die Hausapotheken ein Dorn im Auge ist.

Um die nächste Hausapotheke wird seit geraumer Zeit für Höflein gekämpft. „Die Höfleiner kommen ja regelmäßig nach Bruck einkaufen und gehen hier zum Teil auch zum Arzt. Es wäre also nicht unrealistisch, dass wir durch eine Hausapotheke in Höflein Kunden verlieren würden“, befürchtet Frey. Schließlich sei in Bruck mit zwei Apotheken und jener in Bruckneudorf eine gute Versorgung gegeben. „Da ist es schon ein Streitthema, ob in Höflein überhaupt eine zusätzliche Hausapotheke nötig ist“, so Frey. Aus ihrer Sicht haben Apotheken einige Vorteile. „Alleine mit den Öffnungszeiten kann keine Hausapotheke mithalten und durch das Nachtdienstrad ist immer eine Apotheke erreichbar“, zählt Frey außerdem das größere Warenlager und Angebot auf. „Und wenn einmal etwas ausgehen sollte, können wir es innerhalb eines halben Tages hier haben“, so die Apotheken-Chefin, die außerdem die Anfertigungen im Haus anführt. Sie findet es jedenfalls „schade, dass durch die ganze Debatte das Klima zwischen Ärzten und Apothekern immer rauer wird“.

Längere Öffnungszeiten, ein deutlich größeres Sortiment sowie Nacht- und Wochenenddienste sprechen auch laut dem Ebergassinger Apotheker Norbert Meixner für Apotheken und gegen Hausapotheken bei Ärzten. „Das kann kein Arzt bieten, die Versorgung ist deutlich besser“, unterstreicht er.

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