Arbeitsmarkt: 604 mal Kurzarbeit beantragt. Die Lage stabilisiert sich langsam. Hochbetrieb beim AMS Bruck.

Von Josef Rittler und Susanne Müller. Erstellt am 15. Juli 2020 (02:49)
Daniel Schmidt, Sabine Hinterreiter und Tochter Daniela haben die Krise mit Kurzarbeit überstanden.
Rittler

Wie viele Betriebe hat die Coronakrise den Eissalon Daniel in Hainburg voll erwischt. „Wir hätten genau an dem Wochenende Mitte März mit der Saison begonnen, an dem der Lockdown verkündet worden ist“, erzählt Daniel Schmidt. Er hat den Familienbetrieb 1992 gegründet, seit 1999 arbeitet seine Frau Sabine Hinterreiter mit, seit 2013 verstärkt Tochter Daniela, eine gelernte Konditorin, das Team. Der Betrieb stellt weit über 60 verschiedene Eissorten täglich frisch her. Seit 2016 verfügt der Eissalon auch über einen mobilen Eiswagen.

Heuer konnte jedoch erst am 1. Mai aufgesperrt werden. „Eineinhalb Monate haben wir dadurch verloren. Es war wie ein Schock für uns, man weiß ja nicht, wie man alles zahlen soll“, sagt Sabine Hinterreiter. „Noch dazu war das heuer das erste Osterwochenende seit vielen Jahren, wo es wieder so richtig schön war, und wir durften nicht aufsperren. Auch mussten viele Aufträge mit unserem Eiswagen, etwa auf Festen und in Pflegeheimen, abgesagt werden.“ Zur Überbrückung wurde ein Lieferservice eingerichtet, der wegen der guten Nachfrage jetzt weiterhin angeboten wird.

Eine große finanzielle Hilfe war daher die Möglichkeit der Kurzarbeit. „Das AMS hat mich und meinen Gatten bei den Fragen und der Antragstellung sehr gut unterstützt“, berichtet die Chefin. Leiter Herbert Leidenfrost und Mitarbeiterin Karin Wernecker hätten kompetent Auskunft gegeben und wären auch in dieser Extremsituation gelassen geblieben. Seit 1. Mai herrscht wieder Normalbetrieb.

Wie den Eissalon Daniel traf die Krise viele Betriebe in der Region. Seit Beginn der Lockdowns bearbeitete das Brucker AMS in Summe 604 Anträge für Kurzarbeitsbeihilfe. Im Vergleich dazu: Zur Zeit der Wirtschaftskrise 2009/2010 waren es niederösterreichweit 140 Anträge. 4.662 Arbeitnehmer waren im Lauf der letzten drei Monate in Kurzarbeit. Aktuell sind es noch 972 Beschäftigte. 9,2 Millionen Euro an Kurzarbeitsbeihilfen wurden bereits ausbezahlt.

Die Lockerung der Covid-19-Beschränkungen wirkt sich stimulierend auf den Arbeitsmarkt aus. Die Arbeitslosigkeit sinkt seit April Woche für Woche. Dennoch: Mit 1.900 suchen derzeit um 41,6 Prozent mehr Personen im Bezirk Arbeit als im Vorjahr. „Die Coronakrise hat die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und viele Menschen schwer getroffen. Persönliche Beratungstermine können in unserer Geschäftsstelle weiterhin nur selten stattfinden. Dennoch sind wir mehr denn je für die Menschen da, auch wenn wir einander weniger sehen“, erklärt der Brucker AMS-Chef Herbert Leidenfrost, der mit seinem Team eine Vermittlungsoffensive gestartet hat. Unter dem Motto „Zeit für eine neue Vorstellung“ machen die AMS-Berater außerdem auf die Website www.schnellestelle.info aufmerksam. 220 freie Stellen verzeichnete das AMS Bruck Ende Juni. Im Mai und Juni gab es auch einen Rekord bei den Arbeitsaufnahmen. Doch auch, wenn sich die Lage stabilisiert: „Wir müssen leider davon ausgehen, dass uns die Coronakrise und ihre Folgen noch länger am Arbeitsmarkt begleiten werden“, stellt Leidenfrost klar.

Umfrage beendet

  • Hat die Coronakrise berufliche Auswirkungen für euch?