Bargeld vom Bankomat: Kartenoption ist quasi Pflicht

Erstellt am 03. Mai 2022 | 20:00
Lesezeit: 3 Min
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In der Schwadorfer Sparkasse-Niederlassung wurde Anfang des Jahres sogar ein weiterer Bankomat installiert, allerdings ist die Filiale seit 2021 ein reiner Foyer-Betrieb. Am Foto: Bürgermeister Jürgen Maschl (SPÖ) und Astrid Malzer von der Sparkasse Hainburg-Bruck-Neusiedl.
Foto: Max Stepan
Immer mehr Menschen im Bezirk Bruck zahlen Einkäufe oder ihren Hotelaufenthalt mit Bankomat- oder Kreditkarte. Vor allem bei kleineren Beträgen ist aber Bargeld noch der Favorit.
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„Wir beobachten schon, dass die Bezahlung mit Karte häufiger wird“, berichtet Michaela Gansterer-Zaminer, Wirtin im Gasthof „Zum goldenen Anker“ in Hainburg. Gerade bei der Buchung von Übernachtungen über Online-Plattformen sei ohnehin nur mehr Zahlung mit Karte möglich. Im Restaurant werde noch häufig bar bezahlt. „Vor allem bei kleineren Beträgen ist das sinnvoller und auch nachhaltiger, weil mit Karte mehr Zettel ausgedruckt werden müssen“, so die Wirtin.

Eine Zunahme bei Zahlungen per Bankomatkarte nimmt auch die Schwechater Buchhändlerin Elisabeth Strini wahr. „Der Großteil meiner Kunden zahlt noch bar. Aber man muss heute eine Bankomatzahlung im Repertoire haben“, ist Strini überzeugt.

Der Kunde verlange dies einfach. Und es bringt teilweise sogar Vorteile, denn: „Kurzfristige Einkäufe gehen mit Karte leichter von der Hand.“ Die Buchhändlerin weist aber auch daraufhin, dass eine Bankomatoption Betrieben etwas kostet. „Es gibt ein Fixum für das Gerät und für jede einzelne Zahlung fällt zudem eine Gebühr an“, berichtet die Schwechaterin.

Und: Kleinere Firmen müssen an die Betreiber mehr abgeben, als große Firmen mit deutlich mehr Kartenbewegungen. Sie selbst schätzt zudem die Unabhängigkeit, wenn man bar zahlt. „Das gibt man mit der Karte ein wenig auf“, ist Strini überzeugt. Denn wenn es um eine Bankomat- oder Kreditkartenzahlung geht, ist den meisten Menschen der Datenschutz plötzlich egal.

Pensionisten wollen längere Kassenzeiten

Der Zugang zu Bargeld über einen Geldausgabeautomaten ist in der 20.000-Einwohnerstadt Schwechat eher kein Problem. Bankomaten gibt es vielerorts. Außerhalb könnte der Zugang aber schwieriger sein, glaubt Johann Wicher, Vorsitzender des Pensionistenverbandes im Bezirk Schwechat.

Er sieht allerdings das weit größere Manko im Zusammenhang mit Banken und Bargeld bei den Kassenöffnungszeiten der Geldinstitute. „Viele Pensionisten wollen zur Bank gehen und an der Kassa einzahlen“, weiß Wicher. Abgesehen davon, dass dafür Gebühren anfallen, würden auch die Öffnungszeiten immer weiter reduziert. „Ich mache meine Bankgeschäfte online, da ich während meiner früheren beruflichen Tätigkeit damit zu tun hatte. Aber wie viele Pensionisten haben einen Computer?“, sieht er den Trend zu Online-Banking kritisch.

Brucks Seniorenbund-Obfrau Josefa Ecker hält es für wichtig, dass zumindest die Bankomaten erhalten bleiben. „Ich war vor drei Jahren in der Steiermark auf Kur, dort war kein einziger Bankomat in der Nähe. Das war schon sehr unangenehm.“ Die Dinge des täglichen Bedarfs zahle sie lieber mit Bargeld. Nur bei größeren Einkäufen, greife sie zur Bankomatkarte. „Brot und Milch zahle ich sicher nicht mit Karte. Und das tun auch viele ältere Menschen nicht.“

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