Corona-Massentests sind harte Probe für Gemeinden. Die Vorbereitungen für den „Kraftakt“ der Brucker Kommunen laufen. Ortschefs sehen die Aufgabe mit gemischten Gefühlen.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 10. Dezember 2020 (05:33)
Zuletzt kamen über 3.400 Neuinfektionen hinzu
APA

In den Gemeinden laufen bereits fieberhaft die Vorbereitungen für die Massentests für die gesamte Bevölkerung am kommenden Wochenende. Nachdem in den ersten Tagen nach der Bekanntgabe die Aufregung groß war, sind mittlerweile schon viele Fragen geklärt und die Tests in den meisten Gemeinden auf Schiene.

Kritik an der Vorgangsweise gibt es aber nach wie vor. Jürgen Maschl, Vorsitzender des SPÖ-Gemeindevertreterverbandes im Bezirk und Bürgermeister von Schwadorf, fühlt sich von der Bundesregierung im Stich gelassen. „Zunächst hieß es, wir müssen nur einen Raum zur Verfügung stellen und die Bevölkerung per Brief über die Testungen informieren. Später stellte sich heraus, dass wir uns um alles kümmern müssen.“

Soll heißen: Die Gemeinden müssen das Personal stellen und das technische Equipment, wie Tablets oder Handys, beschaffen. Die Vorbereitungszeit von zwei Wochen sei eine große Herausforderung. „Das Computerprogramm, das für die Registrierung, Anmeldung und Einträge der Tests nötig ist, hat noch niemand vorher gesehen. Das ist für alle absolutes Neuland.“ Maschl hätte sich eine Durchführung in „geordneten Bahnen“ gewünscht. Enorm sei auch der Zeitaufwand der Vorbereitungen. Für Maschl seien noch viele Fragen offen, unter anderem jene, ob anfallende Kosten abgegolten werden. Mit ein paar tausend Euro müsse man bei der Umsetzung der Teststraßen schon rechnen.

Das Computerprogramm, das für die Registrierung, Anmeldung und Einträge der Tests nötig ist, hat noch niemand vorher gesehen.“ Jürgen Maschl, Schwadorfer Ortschef und Obmann des SP-Gemeindevertreterverbandes

Laut Hainburgs Bürgermeister Helmut Schmid (ÖVP) stelle die Organisation der Tests einen „in der jüngeren Geschichte der Stadt einmaligen logistischen Kraftakt“ dar. So müsse beispielsweise an den drei Standorten der Massentestungen, der Kulturfabrik, dem Jugendheim und dem Kindergarten Burgenlandstraße, erst eine temporäre IT-Infrastruktur geschaffen werden. „Wir arbeiten rund um die Uhr, um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen,“ unterstreicht Schmid.

Sein Wolfsthaler Parteikollege und Landtagsabgeordneter Gerhard Schödinger sieht die Massentests positiv und ruft die Bevölkerung dazu auf, sich testen zu lassen. „Mittels Antigentests können ansteckende Personen auch symptomlos frühzeitig identifiziert werden“, betont Schödinger, dass so Infektionsketten durchbrochen werden könnten.

Dennoch dürfte die Stimmungslage bei den Bürgermeistern im Bezirk eher schlecht sein. Zumindest hat Schwechats Stadtchefin Karin Baier (SPÖ) diesen Eindruck. Auch wenn sie festhält, dass man den Auftrag zu den Massentests bekommen habe und diesen bestmöglich abwickeln werde. „Die Vorbereitungen laufen gut. Wir haben sofort nach Bekanntwerden eine eigene Taskforce im Rathaus eingerichtet“, erzählt Baier.

Die organisatorische Herausforderung ist allerdings enorm. Die Lehrertests am Wochenende seien ein guter Probelauf gewesen, wenn auch nur bedingt umlegbar. Denn alleine in Schwechat wurden 12.500 Haushalte angeschrieben – „namentlich nach Personen war uns datenschutzrechtlich zu heikel“, erzählt sie. Kommt nur die Hälfte der rund 20.000 Einwohner, sind das mehr als zehn Mal so viele wie beim Lehrertest. Für die Massentests musste die Stadt zudem extra neue Laptops ankaufen.

Gerhard Weil, SP-Bürgermeister der Bezirkshauptstadt Bruck, konnte sich am Wochenende sowohl bei den Lehrertests in Bruck als auch bei den Vorbereitungen der Bruckneudorfer Kaserne für die Tests im Bezirk Neusiedl ein Bild machen. Das Bundesheer wird Bruck auch am kommenden Wochenende unterstützen und hier die zwei Teststraßen im Stadttheater betreuen. Jene zwei im Rathaus und in Wilfleinsdorf führt die Gemeinde selbst durch. Dafür hat die Stadt auch die Vereine angeschrieben und um deren freiwillige Mitarbeit gebeten. Insgesamt hält Weil es für „in Ordnung“, dass die Gemeinden die Tests abwickeln: „Es ist in Zeiten wie diesen ein Zeichen, dass man zusammenhält.“ Am Montag liefen jedenfalls schon die Telefone im Rathaus heiß, weil die Bevölkerung viele Fragen hatte.

Kritik an den Tests am kommenden Wochenende übt Kerstin Mascher-Golla aus Maria Lanzendorf. Sie arbeitet in einem Pflegekrankenhaus und wird dem Bundesgesetz entsprechend mindestens einmal wöchentlich getestet. „Diese Massentestungen sind eine reine Momentaufnahme. Es kann nur der Sinn dahinterstecken, ‚Schläfer‘ zu entdecken, die symptomfrei herumlaufen, aber ansteckend sind“, glaubt sie. Das Problem sei aber: „Ich kann zwei Stunden nach einem negativen Ergebnis positiv sein, weil ich mich inzwischen im Supermarkt angesteckt habe.“ Laut Mascher-Golla machen Massentestungen nur dann Sinn, wenn sie regelmäßig durchgeführt werden. „Diese einmalige Testerei kostet enorm viel Geld und dient nur statistischen Zwecken“, sagt sie.