„Da brodelt noch Vieles“: So war das Schuljahr

Erstellt am 28. Juni 2022 | 20:00
Lesezeit: 4 Min
Corona-Pandemie und andere Krisen hinterlassen bei der Jugend Spuren: Psychische Erkrankungen und Ängste nehmen auch im Bezirk Bruck zu.
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In wenigen Tagen ist das Schuljahr zu Ende. Wiewohl weite Teile davon kaum mehr von Corona-bedingten Einschränkungen überschattet waren, sind die Auswirkungen der Krise auf die Jugendlichen deutlich zu spüren. „Die Stabilität hat gerade in den schwierigen Jahren der Pubertät gefehlt“, weiß Julia Preis, Sozialarbeiterin bei Römerland Carnuntum, dass nicht nur Corona, sondern auch Themen wie die Klimakrise, der Ukraine-Krieg und die Energiekrise die Jugendlichen beschäftigen. „Tatsächlich ist es so, dass psychiatrische Erkrankungen, Überlastungen und Ängste zunehmen. Es brodelt noch vieles und es wird auch in Zukunft noch vieles aufbrechen“, ist Preis überzeugt.

Die Sozialarbeiter von Römerland Carnuntum sind mit Erstberatungen in Bruck in der Sonderschule, im Gymnasium und in der HAK vertreten, in der Polytechnischen Schule betreiben sie Schulsozialarbeit. In den Brucker Mittelschulen war eine Betreuung seit Corona nicht mehr möglich, in Hainburg hingegen schon. „In allen anderen Gemeinden wissen die Schulen, dass sie uns bei Bedarf dazuholen können“, erklärt Preis.

Sowohl in den Schulen als auch in den Jugendzentren versuchen die Sozialarbeiter vor allem, für die Jugendlichen da zu sein und ihnen eine Konstante zu bieten. Dazu gehört etwa, positive Erlebnisse zu sammeln, mit den Jugendlichen in die Natur rauszugehen, aber auch kleine Dinge, wie gemeinsam Holundersirup zu machen. „Wir schauen aber auch auf die innere Achtsamkeit, dazu gehört etwa Bewegung und gesunde Ernährung“, so Preis. Darüber hinaus hoffe sie, dass „bald Geld fließt und bei den Jugendlichen ankommt.“ Trotz aller bisherigen Bemühungen gebe es nach wie vor zu wenige Therapieplätze.

Therapie-Bedarf hat sich verzehnfacht

Das ist auch im Fall des Hilfswerks der Fall. „Früher hatten wir bei unseren zwölf Familien- und Beratungszentren in ganz NÖ pro Standort zwei bis drei Klienten auf der Warteliste. Jetzt sind es in Schwechat und der Außenstelle in Bruck alleine 40“, weiß Karin Skop. Sie leitet das psychotherapeutische und psychologische Angebot des Hilfswerks NÖ und war zuvor lange Jahre Standortleiterin des Familien- und Beratungszentrums (FBZ) in Schwechat.

Der Bedarf für FBZ-Angebote wie Psychotherapie, Familien-Intensivberatung oder Lerntrainings habe sich in der Pandemie verzehnfacht, erklärt Skop. „Depressionen, Angststörungen oder suizidale Gedanken“ sind laut der Psychotherapeutin die häufigsten Probleme mit denen Kinder und Jugendliche zu kämpfen haben. Die Behandlung wird für Unter-18-Jährige an sich von der Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) abgedeckt und ist damit kostenlos. Allerdings nur im Ausmaß von 200 Stunden pro Monat. „Deshalb gibt es auch die Warteliste“, erklärt Skop.

Die soziale Isolation durch Corona hat die Situation enorm verschärft. „Die Pandemie war bei vielen der entscheidende Tropfen“, weiß die Expertin. Generelle Überforderung, Zukunftsängste oder Sinnkrisen stehen bei vielen an der Tagesordnung. Zudem hätte sich das Betroffenenfeld ausgedehnt: In der Vergangenheit hatten vor allem Kinder und Jugendliche mit familiären Vorgeschichten zu kämpften. „Nun kommen immer mehr Klienten aus der Mittelschicht und der Oberen Mittelschicht“, sagt Skop.

Auch die Hilfswerk-Mitarbeiterin ist überzeugt, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. „Die Situation wird uns noch viele Jahre begleiten. Aber mit ausreichend professioneller Hilfe ist es zu bewältigen“, ist sie überzeugt.

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