Digital statt Papier: Sparbuch droht das Aus. Die Hypo NOE wird künftig keine neuen Sparbücher mehr ausstellen. Andere Banken zögern noch.

Von Anita Kiefer, Josef Rittler und Stefanie Cajka. Erstellt am 05. Februar 2020 (04:10)
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Franz Gleiß

Die Niederösterreicher sind traditionelle Sparer, das ist bekannt. Und die traditionellste unter den Sparformen ist das Sparbuch. Den Banken aber ist das Sparbuch schon länger ein Dorn im Auge. Es braucht eigene Drucker, der Verwaltungsaufwand ist relativ hoch. Und: Sie verdienen schlicht kaum daran. Der Schritt, keine Sparbücher mehr auszugeben, sondern den Kunden Sparkonten nahezulegen, war also eine Frage der Zeit.

Jetzt ist es so weit: Bei der Hypo NOE wird es künftig definitiv keine neuen Sparbücher mehr geben. Das Kundenverhalten habe sich permanent und rasch geändert, begründet Hypo-Vertriebschef Matthias Förster gegenüber der NÖN diesen Schritt. Bereits existierende Sparbücher würden aber weiterhin verfügbar sein. „Neuabschlüsse werden in Form eines digitalen Sparbuchs – dem Sparkonto – abgebildet.“ Das bringe Vorteile für die Kunden: Die Behebung bei allen Bankomaten in ganz Österreich, Wege zum Schalter fallen weg, und das digitale Sparbuch kann nicht verloren gehen, zählt Förster auf.

Bei den anderen Banken ist man zurückhaltender, wie ein Rundruf zeigt. Volksbank, Erste Bank Österreich und Oberbank bieten weiter Sparbücher an.

Trotz Digitalisierung ist das Sparbuch aber durchaus noch im Rennen: Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien etwa wurden 2019 exakt 178.456 Sparbücher in Niederösterreich ausgegeben. Raiffeisen werde auch in Zukunft Sparbücher ausstellen, heißt es, allerdings würden sich „Kundenbedürfnisse ändern“. Alle Banken betonen unisono, dass Online-Sparformen große Zuwachsraten verzeichnen.

„Sparstrumpf hat dieselben Zinsen“

Bei der älteren Generation ist das Sparbuch jedoch nach wie vor beliebt. Magdalena Eichinger, Rauchenwarths Pensionistenortsgruppenobfrau, meint: „Das Sparbuch ist nach wie vor ein wichtiges Thema bei den Pensionisten. Sie betrachten es, im Gegensatz zu den Wertpapieren, als sichere Variante der Geldanlage. Aber auch das Zahlen mit Bargeld hat bei den älteren Personen eine große Bedeutung. Bargeld bedeutet für sie Freiheit. Am Beispiel Griechenland hat man gesehen, dass es nichts bringt, wenn das ganze Geld auf der Bank ist, das Abheben nicht mehr erlaubt wird und man plötzlich um das Überleben kämpft.“ Franz Lorenz aus Fischamend ist grundsätzlich der Meinung, dass Sparbücher gut sind. Für ihn sei es die sicherste Form des Sparens. „Aktien oder Wertpapiere haben den Nachteil, dass sie mehr versprechen, als sie halten“, hält Lorenz fest. Gleichzeitig bringt er auch den Altersaspekt ins Spiel: „Wenn man älter ist, hat es keinen Sinn, zu spekulieren, was in fünf bis zehn Jahren ist. Ab einem gewissen Alter hat man andere Zukunftserwartungen.“ Ihm zufolge sei es bedauerlich, dass der Zinssatz so niedrig sei und so der Ansporn zum Eröffnen eines Sparbuchs fehle. „Momentan hat der Sparstrumpf unter dem Kopfpolster dieselben Zinsen wie ein Sparbuch“, stellt Lorenz fest.

Ähnlich sieht dies auch Miroslava Grubmüller, Vorsitzende der Sparkassen-Stiftung Hainburg: „Wegen der niedrigen Zinsen ist ein Sparbuch nicht sinnvoll, das zahlt sich nicht aus, vielleicht noch ein Bausparer“. Zwar hätte sie selbst noch ein altes Sparbuch, für die Enkel würde aber keines angelegt.

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