Freiwillige Helfer: „Es war letztendlich keine Krise“

Erstellt am 09. September 2020 | 04:16
Lesezeit: 4 Min
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Khaled Alsayed lebt seit 2015 mit seiner Familie in Schwechat.
Foto: NOEN
Freiwillige sorgen seit 2015 dafür, dass Geflüchtete unterstützt werden. Rahmenbedingungen schwierig.
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Khaled Alsayed flüchtete 2015 mit seiner schwangeren Frau Berivan und mit zwei seiner drei Kinder und einer kleinen Nichte aus Aleppo in Syrien nach Österreich. „Wir wollten unbedingt nach Österreich, da meine älteste Tochter schon bei den Eltern meiner Frau in Wien auf uns wartete“, erinnert sich der 38-jährige Syrer. „So viele Gefahren lauerten auf unserem Weg Richtung Wien. Viele Menschen wurden überfallen, ausgeraubt und misshandelt, Gott sei Dank sind wir heil angekommen.“ 

Seit September 2015 wohnen die kurdisch-syrischen Flüchtlinge nun in Schwechat in einer Wohnung am Zirkelweg. Die Pfarrgemeinde und der Verein „Raum Schwechat hilft“ unterstützen die Familie nach wie vor. Khaled und Berivan kochen sehr gut und werden immer wieder für Stadtfeste als Caterer eingesetzt. In Aleppo hatte Khaled einen eigenen Handy-Reparatur Shop. Jetzt im September startet er ein vom AMS gestütztes Praktikum in einem Mobile-Shop. „Meine Kinder gehen hier in Schwechat zur Schule. Die große Tochter besucht schon die 2. Klasse im Gymnasium, die Kleinere geht in die 4. Klasse Volksschule, der ältere Sohn ist in der 2. Klasse Volksschule und der Jüngste (er wurde schon in Wien geboren!), kommt jetzt in den Kindergarten“, berichtet der stolze Vater. Seiner Meinung nach, hat seine Familie einfach Glück gehabt, in Schwechat gelandet zu sein.

Derzeit unterstützt der „Verein Raum Schwechat hilft“ in Zusammenarbeit mit Samariterbund und Pfarre, Personen/Familien, die noch in der Grundversorgung sind, mit Deutschkursen, Prüfungsgebühren nach Abschluss, Öffi-Tickets zu den Kursen, Sachspenden, Geld für Schulveranstaltungen wie Sportwoche, Skikurse und dergleichen. 50 Personen werden aktuell vom Samariterbund und der Pfarre Zirkelweg betreut.

Durchschnittlich 120 Asylwerber oder -berechtigte leben in Bruck. Angesichts der zahlreichen Rückblicke, die derzeit auf das Jahr 2015 angestellt werden, sagt Helga Longin vom Verein „Unser Bruck hilft“: „Wir haben nur das Selbstverständliche getan. Nicht mehr und nicht weniger.“ Sie würde nicht nur heute wieder so handeln, sie ist eine derjenigen, die nie aufgehört haben zu helfen. „Wenn Leute mit ausgehungerten Kindern kommen, wird man schauen, dass man ihnen etwas zu essen besorgt“, ist für Longin klar. Rund 15 Personen sind es derzeit noch, die im Verein tätig sind. Viele Familien, die hier leben, hätten aber natürlich mittlerweile Freunde auch abseits des Vereins gefunden, die sie unterstützen. Von den Geflüchteten, die in Bruck geblieben sind, seien die meisten auf einem guten Weg.

„Natürlich braucht man einen langen Atem, aber das liegt nicht an den geflüchteten Menschen, sondern an den Rahmenbedingungen“, betont Longin. So gebe es in Bruck etwa Menschen, die seit fünf Jahren hier sind, aber nach wie vor keinen Asylbescheid haben.

Manche warten fünf Jahre auf Asylbescheid

„Sie dürfen keine Lehre machen, keinen Beruf ausüben und es gibt keine Sprachkurse“, beklagt Longin die schwierige Situation vieler. Sie finde es „enttäuschend, dass der Staat Leute jahrelang unbetreut herumsitzen lässt. Die Zivilgesellschaft leistet nach wie vor das, was eigentlich eine öffentliche Aufgabe wäre“, so Longin. Vor fünf Jahren war es dieser Einsatz der Zivilgesellschaft, der dafür gesorgt hat, dass eine Ausnahmesituation ohne grobe Probleme bewältigt werden konnte. Viele Brucker waren damals auch in Notquartieren wie jenem in Parndorf im Einsatz. „Es war faszinierend, wie sich die Zivilgesellschaft damals innerhalb kürzester Zeit selbst organisiert hat. Es war kein Chaos und letztendlich auch keine Krise“, erinnert sich Longin.

In die selbe Kerbe schlägt auch Reinhold Wessely, Initiator des Netzwerkes „Willkommen am Leithaberg – wir helfen“. Insgesamt waren es 58 Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Iran und Afghanistan, die in dieser Zeit von der Initiative in Hof betreut wurden. „Was ich aus meiner fünfjährigen Erfahrung gelernt habe, ist, dass die Integration von Flüchtlingen zumeist auf der Arbeit der Freiwilligen ruht, die manchmal von der Politik sogar behindert wird“, sagt Wessely, der zweimal pro Woche Deutsch im Caritas-Heim Franziskus unterrichtet. Vor zwei Jahren gab Wessely ein Buch mit dem Titel „Sie kamen als Fremde und wurden Freunde“ heraus, in dem er die Entwicklung der Initiative von einer ersten Bürgerversammlung mit eher negativer Stimmung bis zur Integration der Geflüchteten schildert.

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