Funktionärskrise im Sport: „Es ist ein Knochenjob“

Erstellt am 05. Juli 2022 | 20:00
Lesezeit: 3 Min
Robert Munjak legt sich für den ASK Schwadorf seit sechs Jahren ins Zeug.
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Auf seiner Visitenkarte steht: Obmann, Sektionsleiter, Jugendleiter und Reservetrainer. Die Rede ist von Robert Munjak vom ASK Schwadorf. Seit 2016 arbeitet der 60-jährige Tausendsassa bei seinem Herzensklub, der aktuell in der 1. Klasse Ost spielt. Und nicht nur einmal sah er sich in seiner Multifunktionalität beim ASK überfordert. „Es geht an die Substanz“, plaudert die personifizierte One-Man-Show aus dem Nähkästchen. „Aber dann denkst du an die ganzen Spieler und was da alles dranhängt am Verein und machst weiter.“

Bei Munjak fließt noch jenes Herzensblut durch die Adern, das einst das Vereinsleben überall im Lande am Leben hielt. Zwar besteht natürlich auch der ASK nicht nur aus Munjak selbst und er hat ein Team an der Seite. Aber: „In der heutigen Zeit ist es ganz schwierig geworden, Funktionäre zu bekommen.“

Doch was hat sich geändert? Warum ist es offenbar nicht mehr angesagt, an der Vereinsspitze zu stehen? Munjak kennt da mehrere Gründe. „Die wenigsten wollen sich die viele Arbeit antun. Zugesagt hat beim Mithelfen schon oft jemand. Aber wenn er den Berg an Arbeit sieht, ist das Interesse zumeist dahin.“

Als Vereinsfunktionär müsse man eben viel Zeit und Engagement investieren. „Freilich ist es auch eine finanzielle Schwierigkeit, einen Verein zu führen. Wir haben keinen großen Sponsor und leben von vielen kleinen Geldgebern. Wenn ein Verein viel Geld hat, findet er leichter Funktionäre“, so Munjak.

Obmann muss sich seine Funktionäre suchen

Was die Nachhut an Funktionäre betrifft, ist Munjak selbst damit beschäftigt, diese auszubilden und sucht nach möglichen Mithelfern beispielsweise im Kreis der Spieler. „Schön langsam führe ich sie ans Funktionärswesen heran.“ Besser lässt sich wohl die Funktionärskrise im Land wohl nicht beschreiben. Die Obmänner müssen sich ihren Nachwuchs suchen, in der Schlange steht keiner.

Oder etwa doch? Es gibt natürlich auch Erscheinungen der ganz anderen Art auf der Fußballlandkarte. Zum Beispiel sucht man beim SV Prellenkirchen vergeblich nach einem Funktionärsproblem. Obmann Gerald Mutzl lässt sich da ungern auf die Schulter klopfen. „Da steckt viel Arbeit von allen dahinter“, gibt er einen Einblick in seinen Klub, der in der 2. Klasse Ost spielt. Sein „Geheimrezept“ kennt viele Zutaten. „Ein Verein braucht zum einen finanzielle Sicherheiten und zum anderen fleißige Leute, die anpacken.“ Damit diese auch im Team bleiben, müsse es eine „gute Aufteilung“ geben, denn: „Wenn einer alles macht, kann das nicht funktionieren.“

Mutzl ist davon überzeugt: „Wenn das Werkl rennt, bekommt man viel leichter externe Leute, die einem helfen.“ Dass der Verein auch ein gutes Arbeitsklima mit der Gemeinde pflegt und dass Jugendarbeit mit dem Wirkungskreis der Kampfmannschaft gut ineinandergreift, seien weitere Erfolgsbausteine. „Es ist leider so: Alles muss passen. Es gibt nicht den einen Grund, warum es bei einem Verein gut läuft“, meint Mutzl.

Der Umkehrschluss hieße damit: Fängt ein Bereich zum Kränkeln an, kann ein Verein im Nu ins Wanken geraten und die Funktionärskrise würde damit ein neues, trauriges Kapitel erfahren.

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