Hitzewelle: Ernte durch die Dürre gefährdet

Die hohen Temperaturen jenseits der 35 Grad und viel zu wenig Regen lassen im Bezirk Bruck Ausfälle bis zu 70 Prozent befürchten.

Erstellt am 14. Juli 2021 | 05:58
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Die Sonnenblumen lassen wegen Hitze und Wassermangel schon die Köpfe hängen, wie Reinhard Bayer feststellen muss.
Foto: privat

Die Region stöhnt unter der herrschenden Trockenheit. Vor allem die Landwirtschaft ist massiv vom Ausbleiben der Niederschläge betroffen. Einige Schauer in den letzten Tagen sind nur der sprichwörtliche „Tropfen auf den heißen Stein“.

Dabei sah es zunächst ganz gut aus. „Die Monate April und Mai waren nass und sehr kühl im Vergleich der letzten Jahre – hier gab es genug Niederschlag und die Kulturen wuchsen schön heran“, berichtet Reinhard Bayer, Landwirt in Deutsch Haslau. 

Für viele Betriebe in der Region ist diese Dürre existenzgefährdend“
Reinhard Bayer, Landwirt in Deutsch Haslau

Im Juni begann die Hitzewelle. „Wir hatten den letzten größeren Regen vor fast acht Wochen“, sagt Bayer. Anfang Juni stieg dann das Thermometer über die 30-Grad-Marke. „Hinzu kam des Öfteren ein starker Südostwind, welcher die Hitze noch verstärkte.

Der Höhepunkt war um den 19. und 29. Juni, wo wir viele Tage über 36 Grad hatten“, stellt Bayer fest. Der Juli habe kaum Erleichtung gebracht: „Nach einer kleinen ,Abkühlung´ auf 30 Grad, stieg das Thermometer Mitte vergangener Woche auf knappe 38 Grad – der Regen aber blieb aus“.

Großer Ernteausfall bei Raps und Getreide

Die Ackerflächen seien laut Bayer in dieser Hitze förmlich verglüht. „Wo Wintergerste noch halbwegs die Feuchtigkeit des Frühjahres nutzen konnte, waren Raps und Roggen in der Schote beziehungsweise Ähre zu einem ,Schmachkorn´ - einem Bruchteil der normalen Größe - zusammengeschrumpft“, so Bayer. Auch der Weizen sei vielerorts in der Hitze „verbrannt“ und fast nicht mehr zu ernten. Der Ernteausfall bei Raps und Getreide werde durch diese Trockenheit auf bis zu 70 Prozent geschätzt.

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Der an sich wenig tiefe Boden ist völlig ausgetrocknet.
privat

Noch viel Schlimmer stehe es jedoch um Mais, Soja und Sonnenblume und eigentlich alle Frühjahrskulturen.

Diese seien zunächst schön angewachsen und hätten sich toll entwickelt. „Der fehlende Regen verursacht momentan aber eine sehr düstere Aussicht auf die Weiterentwicklung der Kultur“, erklärt Bayer.

Trockenheit und heißer Wind führe zu eindrehendem Mais und Sonnenblumen. „Die Pflanzen können sich gegen die Hitze schützen, aber nur eine gewisse Zeit. Dann wird die Pflanze von der Wurzel her braun und stirbt ab.“

Dazu komme die Beschaffenheit des Bodens. „In unserer Gegend sind viele Böden leichte Böden, das heißt, sie sind nicht tiefgründig, sondern sandig und oft steinig. Man spricht hier von wärmeren Böden. Dies verstärkt noch die Wirkung der Trockenheit, sodass die Pflanze keine Chance auf ein Überleben hat.“

Hoffen auf Regen

„Wir hoffen inständig auf baldigen ergiebigen Regen, sonst wird es bei diesen Kulturen eine sehr schlechte Entwicklung der Pflanze und keine Ernte geben“, sagt Bayer.  Die Aussichten für die kommende Woche seien auch nicht besser, spätestens Mitte der Woche solle es wieder heiß werden. „Für viele Betriebe ist diese Dürre existenzgefährdend“, fasst Bayer zusammen.

„Normalerweise werden im 30-Jahres-Durchschnitt von 1. Juni bis 1. Juli in Hainburg 84 Milliliter gemessen, heuer waren es sechs Milliliter“, ergänzt Bernhard Scharf, Leiter der Bezirksbauernkammer Bruck. „Im ganzen Bezirk bewegen wir uns heuer bei Niederschlägen um die zehn Prozent oder weniger.“

Zudem sei das Jahr insofern besonders, als es in Niederösterreich kein typisches Ost-West-Gefälle - feuchter Westen, eher trockener Osten - gebe. „Während das Weinviertel heuer gut versorgt ist, betreffen die Niederschlagsdefizite das Industrieviertel von der Donau bis nach Neunkirchen“, so Scharf. Auch starker Regen in den nächsten Wochen könnte nur mehr einen Teil der Ernte retten. „Im Juli und August ist bei uns mit Niederschlag zu rechnen“, sagt Bernhard Scharf. Dabei sollte es sich aber um sogenannten „Landregen“, länger dauernden, gleichmäßigen Niederschlag, handeln, und keinen Wolkenbruch: „70 Liter in der Stunde kann der Boden dann nicht mehr aufnehmen.“

Um künftig derartige Hitzeperioden zu überstehen, würden Überlegungen angestellt, auch in unserer Region Flächen zu bewässern.

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