Landwirtschaft: „Müssen mit der Zeit gehen“. Die Landwirtschaft steht vor Herausforderungen: Neben dem Klimawandel bereitet unter anderem der Preisdruck Sorgen.

Von Stefanie Cajka und Nicole Frisch. Erstellt am 23. Oktober 2019 (04:51)
Wimmer
Cornelia Frittum verkauft ihre Produkte beim Markt der Vielfalt in Schwechat.

Seit mittlerweile drei Jahren in Folge kämpfen die Bauern des Bezirks mit Trockenheit und Dürre, aber auch Ungeziefer wie Rüsselkäfer und Drahtwürmer. „Es ist momentan nicht lustig“, hält Bezirksbauernkammer-Obmann Gerhard Mörk fest. Darüber klagt auch Maria Ellends Ortsbauernrats-Obmann Markus Steurer: „Das Problem ist, wir haben nur mehr Wetterextreme.“

Die Produkte weisen zwar oft eine gute Qualität auf, allerdings haben die Landwirte mit Ernteausfällen zu kämpfen. „Wenn 40 Prozent fehlen, hilft einem auch die Qualität nichts“, betont Mörk. So wurden beim Mais 30 Prozent und bei den Sonnenblumen 50 Prozent weniger geerntet. Den Zuckerrüben hat der Rüsselkäfer extrem zugesetzt. Im Durchschnitt werden 60 bis 70 Tonnen pro Jahr geerntet, nun sind es 40. Im Wald wiederum sind viele Eschen von einem Pilz befallen. Die Bäume sterben ab und fallen bei Wind und Sturm um. Vergleichsweise gut steht es hingegen um den Wein. Es wurden durchschnittliche Erträge erreicht, auch die Qualität sei in Ordnung.

Aufgrund der bestehenden Schwierigkeiten setzt man zum Teil auch auf Experimente. So zählt Steurer zu jenen Versuchslandwirten, die bereits im Herbst versuchsweise Sommergerste anbauen. „Der Winter ist so mild, dass die Sommergerste das aushält“, erklärt Steurer. Dabei soll von der Feuchtigkeit im Winter profitiert werden, denn im Frühjahr ist es meistens trocken und es gibt zu wenig Niederschläge, was wiederum zu Ernteeinbußen führt. „Wir müssen mit der Zeit gehen“, stellt Steurer fest.

"Bio kann aber nur mit hohen Preisen funktionieren, weil die Erträge geringer sind"

Im Laufe des letzten Jahrzehnts sind die landwirtschaftlichen Betriebe im Bezirk jährlich um zwei bis vier Prozent weniger geworden. Diese Tendenz hat auch Steurer schon bemerkt. Ihm zufolge rechne es sich für viele einfach nicht, eine Landwirtschaft zu übernehmen. Diese nebenbei zu betreiben, zahle sich ebenfalls nur mehr selten aus.

Damit geht einher, dass die bestehenden Betriebe gleichzeitig wachsen. Vor 15 Jahren waren die Durchschnittsbetriebe noch 25 Hektar groß, nun weisen sie rund 50 Hektar auf.

Jene Betriebe, die biologisch produzieren, haben in den letzten Jahren zugenommen. Laut Mörk ist dies vor allem auf betriebswirtschaftliche Entscheidungen der jeweiligen Landwirte zurückzuführen. In diesem Bereich haben die Landwirte mit Preisdruck zu kämpfen. Dadurch, dass im Bezirk mittlerweile zu 25 Prozent bio produziert wird, sinken die Preise für diese Produkte. „Bio kann aber nur mit hohen Preisen funktionieren, weil die Erträge geringer sind“, erklärt Mörk. Österreichweit könne der Markt nur maximal zehn Prozent aus der Bioproduktion aufnehmen.

Den Preisdruck spüren aber auch jene Landwirte, die konventionell produzieren; im Bezirk sind das derzeit 75 Prozent. Mörk weist darauf hin, dass auch heimische Landwirte zu Weltmarktpreisen produzieren. Für eine Tonne Weizen erhalten die Produzenten zwischen 140 und 160 Euro.

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