AMS-Halbjahresbilanz: Vermitteln hat Priorität

Im Brucker Bezirk waren durchschnittlich 1.959 Personen auf Arbeitsplatzsuche.

Josef Rittler
Josef Rittler Erstellt am 26. August 2020 | 05:45
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Foto: Victoria Labadie/shutterstock.com

Die Coronakrise und der damit verbundene Lockdown haben Österreichs Wirtschaft schwer getroffen. Das macht sich nicht zuletzt auch bei den aktuellen Arbeitsmarkt-Zahlen für NÖ bemerkbar: Demnach stieg die Anzahl jener Menschen im Industrieviertel, die auf Jobsuche waren, im ersten Halbjahr im Vergleich zu 2019 um mehr als 28 Prozent an. Waren im ersten Halbjahr 2019 etwa 21.660 Menschen auf Jobsuche, liegt die Zahl nach Ende der ersten Jahreshälfte 2020 bei rund 27.750.

Auch im Bezirk Bruck waren im Durchschnitt in den ersten sechs Monaten 1.959 Personen ohne Job – ein Plus von immerhin knapp 27 Prozent. Die Arbeitslosenquote schnellte von 7 auf 8,8 Prozent nach oben. Allerdings liegt der Bezirk im Industrieviertel damit immer noch hinter Mödling an zweitere Stelle. Eine leichte Entspannung der Situation macht aktuell AMS-Leiter Herbert Leidenfrost aus. Allerdings sei die Lage äußerst unvorhersehbar. „Wir haben derzeit rund 400 Jobsuchende mehr als im Vorjahr. Die werden wir bis zur Winterarbeitslosigkeit behalten“, gibt er sich keinen Illusionen hin. Der Anstieg der Arbeitslosen werde im Winter wie in den vergangenen Jahren kommen. Zudem könnten im Herbst Firmenschließungen anstehen, wenn etwa trotz Kurzarbeit eine Weiterführung nicht möglich ist.

Rund 100 Jobinserate weniger beim AMS

Der Fokus des AMS liegt derzeit auf dem Vermitteln, wie Leidenfrost betont. „Umso länger die Arbeitslosigkeit dauert, umso schwerer ist der Weg zurück“, ergänzt er. Daher ist es das Ziel, Jobsuchende so schnell wie möglich wieder am Arbeitsmarkt zu integrieren. Leidenfrost betont, dass sein Team stets erreichbar sei und die coronabedingt Entwicklung zu online auch Positives gebracht hätte. Offene Stellen sind aber rarer als noch im Vorjahr. Rund 100 Jobofferte verzeichnet das Brucker AMS weniger.

Arbeitslosigkeit Süden
Quelle: AMS; NÖN-Grafik: Gastegger Illustration: Golden Sikorka /Shutterstock.com

Stark betroffen war auch die Firma „Eremit Display“ in Wildungsmauer. Das auf Kunststoffverarbeitung spezilaisierte Unternehmen produziert vom Tischaufsteller bis zur Carportabdeckung. „In den ersten drei Monaten der Krise ist das normale Geschäft bis zu 90 Prozent zurückgegangen“, berichtet Geschäftsführer Bernhard Eremit. „Das erholt sich langsam“.

Stark nachgefragt seien hingegen die Schutzmaßnahmen: „Wir haben rund 12.000 Hauchschutzwände für diverse Unternehmen und Behörden wie beispielsweise das Justizministerium, die Arbeiterkammer, A1, den Hungaroring und zahlreiche Ärzte und Apotheken hergestellt. Dazu kommen rund 200.000 Gesichts-Visiere“, sagt Eremit. Um die Nachfrage zu bewältigen, brauchte es viele Überstunden: „Die Familie hat 70 Tage durchgearbeitet“. Hier sei ein Ende der Nachfrage nicht abzusehen. „So wurden für die Wiener Wahl 1.500 Schutzeinrichtungen für die Wahllokale bestellt.“

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