Bahn gibt Gas bei Airport-Spange. Milliarden-Projekt soll noch heuer zur UVP eingereicht werden. Baustart wird mit 2025 anvisiert.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 10. Februar 2021 (05:55)
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„Nix ist fix“, singt Austropopper Rainhard Fendrich im gleichnamigen Song. Ähnlich verhielt es sich bei den NÖN-Recherchen zum geplanten Bahnprojekt „Flughafenspange“, die eine direkte Verbindung vom Flughafen zur Ostbahn zum Ziel hat. Im Grunde wird von allen Seiten – ÖBB, Gemeinden und dem Mediator am Verhandlungstisch Heinrich Vana – betont, dass eine Entscheidung über den tatsächlichen Verlauf der Bahnstrecke noch aussteht. Bestätigt wird lediglich, dass ein Trassenkorridor derzeit vertieft geprüft wird.

Bahnintern laufen die Planungen nach NÖN-Informationen aber bereits ziemlich geradlinig in eine Richtung: Eine adaptierte Trassenführung der 2011 auf Eis gelegten Götzendorfer Spange. Diese favorisierte „Südvariante“ würde unmittelbar nach dem Flughafen eine Rechtskurve machen und dann entlang des Airport-Zauns in Richtung B10 verlaufen.

Fischa-Querung ist die größte Herausforderung

Größte Herausforderung ist die Überquerung der Fischa, wie man bei den ÖBB auf Anfrage betont. Ist diese Hürde im Zwei-Gemeinden-Eck Enzersdorf und Schwadorf geschafft, soll die B10 gequert werden und dann im Bereich zwischen Trautmannsdorf und Sarasdorf in die Ostbahnstrecke münden.

Die Vorteile laut ÖBB: „Der Trassenkorridor ‚Bündelung Ostbahn‘ erwies sich unter Zugrundelegung ökologischer raumplanerischer und technischer Kriterien sowie für eine Wirksamkeit für den Personennahverkehr von Vorteil.“ Ergänzend nennt man die „vergleichsweise geringen Auswirkungen auf Naturschutzgebiete und eine günstigere Bilanz betreffend Aushübe und Schüttungen.“ Zudem besteht bei dieser Variante die Option einer Haltestelle für den Pendlerverkehr Richtung Flughafen und Wien im Bereich Kleinneusiedl, Enzersdorf und Schwadorf.

Gesamtkosten liegen bei ca. 1,8 Milliarden Euro

Der Zeitplan ist jedenfalls ambitioniert. Noch heuer will die Bahn mit der Einreichplanung für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) starten. Ein Baubeginn wird 2025 anvisiert, eine Inbetriebnahme dann ab 2030. Der geschätzte Kostenrahmen für das Gesamtprojekt liegt bei rund 1,8 Milliarden Euro. „Eine vertiefte Kostenschätzung der Trasse kann erst nach Abschluss des Trassenauswahlverfahrens ermittelt werden“, erklärt ÖBB-Sprecherin Julianne Pamme. Denn noch befindet man sich in der „vertieften“ Prüfung, so wie es am Verhandlungstisch vereinbart wurde.

Viele Fragen sind offen. Es braucht Expertisen aus Umwelt- und Raumplanungssicht vor allem in Bezug auf die Auswirkungen auf unsere Gemeinde.“ Werner Herbert, Enzersdorfer Vizebürgermeister (FPÖ)

An diesem „Runden Tisch“ sitzen neben den ÖBB auch die Länder NÖ und Burgenland, der Flughafen sowie vor allem neun Gemeinden. Den Projektstand bestätigt auch Heinrich Vana, Anwalt und Mediator am „Runden Tisch“, gegenüber der NÖN. Er hält zudem fest, dass derartige Gespräche normalerweise erst jetzt beginnen würden, im Fall der „Flughafenspange“ hätte man alle Beteiligten aber schon viel früher eingebunden. „Jetzt beginnt die Arbeit erst“, unterstreicht Vana mit Verweis auf die nunmehr folgende exakte Ausgestaltung der Trasse. Der Beschluss im Gremium zur vertieften Korridorprüfung erfolgte zudem einstimmig. „Ergebnisoffen“, wie der Mediator betont.

Enzersdorf pocht weiter auf eine Tunnelvariante

Auf dieses entscheidende Wort pocht man in der projekt-kritischen Gemeinde Enzersdorf. „Es sind noch viele Fragen offen. Es braucht noch Expertisen aus Umwelt- und Raumplanungssicht vor allem in Bezug auf die Auswirkungen auf unsere Gemeinden“, hält Vizebürgermeister Werner Herbert (FPÖ) dazu fest. Enzersdorf pocht nach wie vor auf eine Tunnellösung bis unmittelbar nach dem Ortsgebiet. Das würde jedoch wohl die Kosten sprengen. Gegen eine oberirdische Trasse verwehrt man sich kategorisch. Gleichzeitig ist Herbert bewusst, dass Enzersdorf nur am „Runden Tisch“ Chancen auf Erfolg hat. „Es ist besser, am Verhandlungstisch zu sitzen, als vor der Tür“, sagt er. Man sei an einer Lösung interessiert, aber „nicht zu unseren Nachteilen“.

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