Baustoff-Mangel treibt Preise in die Höhe. Vor allem zukünftige Projekte im Bezirk Bruck an der Leitha könnten unter dem Baustoff-Engpass sowie den hohen Rohstoffpreisen leiden.

Von Max Stepan, Stefanie Cajka und Raimund Novak. Erstellt am 28. April 2021 (05:45)
Derzeit keine Auswirkungen hat der Baustoffmangel auf den Neubau des Pflegeheims in Fischamend.
Max Stepan

„So etwas habe ich bis jetzt noch nicht erlebt“, erzählt Christian Rückmann. Der Bauleiter beim Ziegelhaus-Experten Augsberger aus Fischamend spielt damit auf die extrem langen Wartezeiten sowie die immer weiter steigenden Preise für Baustoffe an. Probleme gibt es unter anderem mit dem Baustoff PVC sowie Dämmstoff und Holz. Normalerweise müsste Rückmann für diese Rohstoffe ungefähr zwei bis vier Tage Lieferzeit einplanen, derzeit beträgt sie zwei Monate.

Nicht nur die Pandemie sei Schuld an dem Baustoffmangel erklärt der Bauleiter des Familienbetriebs: „Die USA und China kaufen derzeit viel Stahl und Holz am europäischen Markt, exportieren aber vergleichsweise wenig. So kommt es bei uns einfach zu Engpässen.“ Große Auswirkungen für die laufenden und vor allem die zukünftigen Baustellen sind die Konsequenz.

Noch kann man bei „Augsberger“ auf lagernde Rohstoffe zurückgreifen. Bis jetzt konnte daher jede Baustelle planmäßig fortgeführt werden, Rückmann rechnet aber in Zukunft mit Schwierigkeiten: „Sollte in ein paar Monaten die Situation unverändert bleiben, so müssen wir auch damit rechnen, dass wir schlichtweg nicht mit dem Bau beginnen können.“

Auch Bauingenieur Harald Eisterer von der Firma „BME“ kann bestätigen, dass derzeit ein Baustoffmangel vorherrscht. Insbesondere bei Dämmstoffen und bei Holz sei das ein großes Thema. „Im Holzbau gibt es einen großen Mangel und große Preissteigerungen“, berichtet der Höfleiner im Gespräch mit der NÖN. Zwar keinen Mangel, aber ebenfalls steigende Preise gäbe es im Moment auch beim Baustahl. „Aufgrund steigender Rohstoffpreise sind im Moment auch die Baupreise sehr hoch“, berichtet der Bauingenieur. Auswirkungen dieser Entwicklungen seien einerseits Teuerungen für den jeweiligen Bauherren sowie Bauverzögerungen.

Kommt Regionalisierung statt Globalisierung?

Fischamends Bürgermeister Thomas Ram (Liste RAM) kennt die Problematik ebenfalls. „Wir merken es auch bei kleineren Projekten, dass zum Beispiel der Stahl teurer wird“, erzählt er. Beim aktuell größten Bauprojekt in der Stadt – die Errichtung des neuen Seniorenzentrums – rechne er trotz Baustoffmangels aber mit keinen Verzögerungen. „Meines Wissens nach sind wir zum Glück nicht betroffen. Aber ich weiß von einigen Firmen, dass das zu Problemen führt in der Bauwirtschaft. Man sieht wieder mal, wie die Wirtschaft zusammenhängt durch die Globalisierung“, berichtet er. Sein Fazit: „Wir sollten die Schlüsse ziehen, dass man mehr auf Regionalisierung anstatt auf Globalisierung setzt.“

Im Nachbarort Schwadorf steht aufgrund der aktuellen Situation sogar ein Wohnbauprojekt still. Laut Bürgermeister Jürgen Maschl (SPÖ) sind die Preiserhöhungen im Baustoffsektor mit ein Grund, weshalb die Baugenossenschaft „Neue Heimat“ ihre vor zwei Jahren geplanten Wohnhausanlagen in der Fischamenderstraße noch nicht umsetzen konnte. „20 Firmen wurden angeschrieben und lediglich eine hatte ein finanziell vernünftiges Angebot“, berichtet Maschl. Nun soll der Baustart im Sommer starten.

Generell hält der Ortschef aber fest: „Alle fluchen, weil die Rohstoffe teurer werden oder nicht verfügbar sind.“ Als Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsverbandes Schwechat (AWS) kennt er die die Probleme aus eigener Erfahrung. Als Beispiel nennt er Mistsackerl, die um vier Prozent teurer wurden. „Der Lieferant hat aber schon angekündigt, dass die Preise bis zu 30 Prozent steigen können.“

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