Ernte: 50 Prozent Einbußen. Das extrem trockene Frühjahr beschert beim Wintergetreide herbe Verluste im Bezirk Bruck an der Leitha.

Von Josef Rittler und Susanne Müller. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:45)
Landwirt Reinhard Bayer aus Deutsch Haslau auf einem seiner Getreidefelder. „Hier wird die Ernte ein großes Problem werden“, befürchtet er. 
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„Ja, das Jahr 2020 hat es in sich“, sagt Reinhard Bayer, Landwirt in Deutsch Haslau. „Nicht nur Corona macht uns Landwirten das Leben schwer. Auch die außergewöhnlichen Wetterbedingungen sind heuer eine große Herausforderung. Nach einem milden Winter war wieder ein großer Mäusebesatz auf den Feldern. Hier befürchtete ich mögliche Schäden durch die Mäuse, aber die lange Trockenheit ließ auch die Mäuse schwinden.“

Um den Schalttag, den 29. Februar, habe es den letzten größeren Regen gegeben. „Danach erst wieder um den 23. Mai, das heißt, in zwölf Wochen fiel fast kein Regen!“ Das Getreide habe sich zunächst schön entwickelt, jedoch habe der fehlende Regen die Seitentriebe beim Getreide verdorren lassen. Diese fehlten in der Entwicklung zu einem guten Bestand. Von Ende Mai bis Ende Juni sei dann genauso viel Regen wie in den restlichen Monaten davor gefallen, circa 240 Millimeter.

„Mit diesem Regen begannen die Getreide- und Rapskulturen auf den schlechten Bonitäten wieder mit dem Wachstrum, das heißt, sie setzten neue Triebe aus und diese verursachten nun eine Mischung aus reifen und frischen Trieben“, erklärt Bayer. Dies sei auf allen Getreidefeldern (Wintergerste, Roggen, Weizen) und Rapsflächen passiert. „Hier wird die Ernte des Getreides ein großes Problem werden. Auch mit dem Spätfrost hatte unser Betrieb zu kämpfen. Speziell meine Mohnflächen hatten bei dem Spätfrost Ende März und Anfang April – es hatte bis minus sieben Grad – keine Chance“, erzählt Bayer, dass knapp fünfzehn Hektar Ackerfläche wieder umgebrochen werden mussten. „Hier wurde dann Buchweizen, Mais und Sorghumhirse angebaut. Mit dem Regen wachsen diese und alle anderen Kulturen, die im Frühjahr angebaut wurden, super. Diese haben momentan ideale Bedingungen.“

Sehr unterschiedlich schätzt auch Bezirksbauernkammer-Obmann Gerhard Mörk die Entwicklung der Kulturen im Bezirk derzeit ein. „Je nach Kultur wirkt sich das trockene Frühjahr unterschiedlich auf die Ertragserwartung aus, auch der Standort und die Bodenbeschaffenheit (Bonität) sind hier ausschlaggebend“, erklärt Mörk, dass der häufige Regen ab Mitte Mai in Kombination mit den kühlen Temperaturen noch viele Bestände retten konnte. Boden mit guten Bonitäten hätten deshalb die trockene Phase gut überstanden.

„Auf den leichten und schwachen Standorten ist der Regen jedoch leider zu spät gekommen und die Auswirkungen machen sich nun in den niedrigen Erträgen bemerkbar. Bei den Winterungen (Gerste, Weizen, Dinkel) müssen wir deshalb mit Einbußen von ca. 50 Prozent im Vergleich zu einer Durchschnittsernte rechnen“, so Mörk. Die Herbstfrüchte, also Zuckerrübe, Soja, Mais und Sonnenblumen hätten den Regen hingegen zur rechten Zeit bekommen und sich dementsprechend hervorragend entwickeln können. Die Erwartungen der Landwirte seien deshalb durchwachsen. „Von glauben und hoffen bis hin zur Enttäuschung – hier ist heuer alles dabei. Glauben, dass es nicht so schlimm kommt wie erwartet; hoffen, dass es doch noch besser wird und Enttäuschung über die teilweise extrem niedrigen Ernten bei den Winterungen“, so Mörk.

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