Flughafen-Spange: Studie für neue Trasse gestartet. Bahnprojekt soll Ostbahn und S7-Strecke verbinden. Nun auserwählte Süd-Variante macht nicht alle glücklich.

Von Susanne Müller, Stefanie Cajka, Nicole Frisch und Gerald Burggraf. Erstellt am 10. Juni 2020 (05:55)
NOEN, Foto: CI&M

Nach dem Flughafen eine Rechtskurve, dann entlang des Airportzauns bis zum Friedhof Kleinneusiedl, von dort weiter über die L156 und die Fischa, Querung der Bundesstraßen im Bereich Kreisverkehr B10/B60, über die Batthyány-Straße drüber und dann bis zur Ostbahn zwischen Trautmannsdorf und Sarasdorf – ungefähr so könnte die neue Trasse der Flughafen-Spange aussehen.

Einen exakten Streckenverlauf gibt es aber noch nicht. Allerdings handelt es sich bei der oben angedeuteten Trasse um die südlichste Variante in den Planungen der ÖBB. Und diese wird nun – so wie am Runden Tisch zwischen Bahn, den Vertretern der betroffenen Gemeinden sowie der Länder NÖ und Burgenland beschlossen – einer tiefergehenden Untersuchung seitens der ÖBB unterzogen. „Im Herbst werden die Plänen dann vorliegen“, erklärt Rechtsanwalt Heinrich Vana, der als Mediator am Runden Tisch sitzt. Seit zwei Jahren laufen die Verhandlungen für das kolportiert 1,2 Milliarden Euro schwere Bahnprojekt bereits.

Wir sind jetzt von der A4-Variante ganz woanders gelandet. Es gab Bewegung von allen Seiten.“ Heinrich Vana, Anwalt und Meditator am Runden Tisch

Ursprünglich war ein Streckenverlauf entlang der A4 mit der Einmündung im Bereich Bruck in die Ostbahn favorisiert worden. Einerseits legte sich die Gemeinde Göttlesbrunn quer, die bei dieser Variante neben Fischamend am meisten betroffen gewesen wäre. Andererseits ist bei dieser Variante eben die Fischastadt ein Nadelöhr, das man entweder um die Donau herum umfahren oder untertunneln müsste.

„Wir sind jetzt von der A4-Variante ganz woanders gelandet“, hält Vana fest. Es habe bei den teils monatlichen Sitzungen Bewegung auf allen Seiten gegeben. Letztlich handle es sich bei der Flughafen-Spange neben der Umfahrungsstraße B260 um das „wichtigste infrastrukturelle Projekt der Region“, so Vana. Ziel des Bahnvorhabens ist es, eine direkte Personenzug-Verbindung aus dem Burgenland und dem Osten Niederösterreichs zum Flughafen und nach Wien zu schaffen. Im Fall des nun favorisierten Trassenkorridors sind die Gemeinden Kleinneusiedl, Schwadorf, Trautmannsdorf und vor allem Enzersdorf am stärksten betroffen. „Alle haben die Entscheidung am Runden Tisch mitgetragen“, betont Mediator Vana. In gewisser Weise erinnert der anfangs beschriebene Verlauf an die in die ÖBB-Schublade gewanderte Götzendorfer Spange. Zumindest bis zum Friedhof Kleinneusiedl ist sie sogar ident.

In Enzersdorf sieht man die nun näher zu betrachtende Variante daher besonders skeptisch, wäre doch die Reisenbachsiedlung besonders lärmbetroffen. „Für uns ist die Studie ergebnisoffen, wir haben keine fixe Zustimmung gegeben“, betont Bürgermeister Markus Plöchl (ÖVP) im Gespräch mit der NÖN. Sein Favorit wäre übrigens die A4-Variante.

Dass man acht Jahre nach dem Aus der Götzendorfer Spange wieder an diesem Diskussionspunkt angekommen sei, findet Plöchl irritierend. Immerhin hätten alle Kommunen, auch Enzersdorf, das Verhandlungsergebnis der Spange Götzendorf mitgetragen. „Wir könnten auch mit der Umfahrung schon viel weiter sein“, merkt er kritisch an. Für Enzersdorf sitzt Vizebürgermeister Werner Herbert (FP) am Runden Tisch. Auch er steht der Detailuntersuchung „ergebnisoffen“ gegenüber. „Nur weil ich mich damit beschäftige, heißt es noch lange nicht, dass es auch das Richtige ist. Das werden wir erst im Herbst objektiv beurteilen können“, betont er. In Summe müsse das Projekt in die Landschaft passen sowie der Lärmschutz für die Bürger gewährleistet sein.

Nur weil ich mich damit beschäftige, heißt es noch lange nicht, dass es auch das Richtige ist.“ Werner Herbert, Vizeortschef in Enzersdorf (FPÖ)

Um das Beste für ihre Bevölkerung zu erreichen wollen die Gemeinden akkordiert vorgehen. Das betonen vor allem die Bürgermeister von Göttlesbrunn, Franz Glock (ÖVP), und Fischamend, Thomas Ram (Liste RAM). Letzterer bezeichnet die Flughafenspange generell als „zweischneidiges Schwert“. Einerseits soll das Projekt positive Effekte auf die Region und die Verlegung der Pendlerströme von der Straße auf die Schiene haben, andererseits dürfe die Bevölkerung nicht durch Lärm und Landschaftszerschneidung darunter leiden. Auch ein neuer Regionalbahnhof ist im Gespräch. Vor allem beim Mehrwert für die Region ist Enzersdorfs Vize Werner Herbert betont vorsichtig:

„Bei einer positiven Sache für die Region, dürfen die betroffenen Gemeinden nicht unter die Räder kommen.“ Auch in Trautmannsdorf ist man zurückhaltend. Zwar habe man sich darauf geeinigt, die südlichste Variante näher anzusehen, fixiert sei aber noch nichts, so VP-Vizebürgermeister und Trautmannsdorfs Vertreter am Runden Tisch, Thomas Steurer. Die Gemeinde wäre bei allen vier Varianten betroffen, jene, die nun untersucht wird, würde aber die geringste Landschaftszerschneidung bedeuten. VP-Ortschef Johann Laa will auf jeden Fall darauf schauen, das „Beste für Gemeinde und Region herauszuholen“.