Homeschooling: Für Schüler ist Struktur wichtig. Organisation in den Schulen ist A und O für sinnvolles Distance Learning. Eltern im Bezirk Bruck an der Leitha geraten aber an ihre Grenzen.

Von Otto Havelka, Josef Rittler, Gerald Burggraf und Stefanie Cajka. Erstellt am 20. Januar 2021 (05:43)
Wenn der Küchentisch zur Schulbank wird: Bereits zum dritten Mal in den letzten zehn Monaten wurde die Schule auf Distance Learning umgestellt. Derzeit sind etwa 50 Prozent der Klosterneuburg Schüler und 14 Jahre in der Betreuung in den Schulen.
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Der Satz mit x, das war wohl nix – einmal mehr wurde angekündigt, dass die Schulen ihre Türen für einen normalen Präsenzunterricht öffnen werden. Doch die Infektionszahlen sind der türkis-grünen Regierung nach wie vor zu hoch, der Lockdown wurde daher bis inklusive 7. Februar verlängert. Damit läuft auch der Unterricht zu Hause, das Homeschooling, bis dahin weiter. Denn Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hatte betont, dass sich die Schulen im Falle einer Lockdown-Verlängerung nicht ausnehmen können.

In vielen Familien wird die Lage aber zusehends schwieriger. Homeoffice und Homeschooling lassen sich oftmals nur schwer vereinbaren. Das bestätigt auch Julia Mikulecky, Obfrau des Elternvereins der Volksschule Fischamend: „Für viele ist Homeschooling mittlerweile eine sehr große Herausforderung.“

Ich bin überzeugt, dass der Erhalt der stundenplanmäßigen Struktur die wesentlichste Grundlage für ein effizientes Distance-Learning darstellt.“ Heinz Lettner, Direktor am Gymnasium Schwechat

Ihr Funktionskollege aus Himberg weiß auch von einem starken Zwiespalt in der Elternschaft zu berichten. „Ich persönlich akzeptiere die Vorgaben der Bundesregierung“, hält der Elternvereinsobmann der Volksschule Himberg im NÖN-Gespräch fest.

In der Volksschule Hainburg hält man allerdings fest, dass der Unterricht zuhause gut funktioniere. Für den Online-Unterricht werde das Programm Microsoft Teams genutzt. „In der ersten Klasse haben noch nicht alle Kinder Endgeräte, sie werden analog versorgt, es besteht die Möglichkeit, die Unterrichtsmaterialien in der Schule abzuholen“, sagt Direktorin Sabine Schodritz. Allerdings nehmen auch einige Eltern das Betreuungsangebot in der Schule an. Derzeit werden rund 60 Kinder betreut, manche durchgehend, einige tageweise. „Natürlich ist Präsenzunterricht am besten und wir freuen uns, wenn die Schule wieder für alle geöffnet wird.“ Ebenso sei es zu begrüßen, dass zwei zusätzliche Förderstunden in Aussicht gestellt worden seien.

Je jünger die Kinder, desto herausfordernder

Zentral für ein inhaltlich funktionierendes Homeschooling ist laut dem Schwechater Gymnasiumsdirektor Heinz Lettner die Organisation. „Je länger die Phase des Distance-Learning dauert, umso wichtiger ist eine klar definierte, einheitliche Vorgangsweise an einer Schule. Ich bin davon überzeugt, dass der Erhalt der stundenplanmäßigen Struktur die wesentlichste Grundlage für ein effizientes Distance-Learning darstellt“, hält er fest.

Allerdings spiele natürlich in der Umsetzung das Alter der Kinder eine wesentliche Rolle. „Je jünger die Schülerinnen und Schüler sind, umso größer sind mit Sicherheit die Herausforderungen. In den Volksschulen ist die Unterstützung des Elternhauses sicher essentiell“, ist Lettner überzeugt.

In der zweiten Schulstufe, sprich Gymnasien oder Mittelschulen, sei es dann eben mehr eine „Frage der Organisation“. In der Schwechater AHS gibt es etwa am Anfang der Stunde via Microsoft Teams eine Begrüßung des Lehrers samt Anwesenheitskontrolle und am Ende eine Verabschiedung. Wie der Unterricht dann konkret vonstattengeht, hängt vom Unterrichtsfach ab. „Essentiell ist, dass die Lehrerinnen und Lehrer permanent als Ansprechpartner präsent sind“, unterstreicht der Gym-Direktor. Kaum Auswirkungen werde der Unterricht zuhause auf die Maturaklassen haben, ist der Schulleiter überzeugt. Strukturelle Erleichterungen vonseiten des Ministeriums – etwa die Einrechnung der Jahresnote oder der adaptierte Bewertungsschlüssel bei der Mathematikreifeprüfung – reichen aus Lettners Sicht aus, um diese Phase zu kompensieren.

Von einer „verlorenen Generation“ zu sprechen, hält in diesem Zusammenhang Reinhard Ransböck für hysterisch. Der Direktor der Interessenorientierten Mittelschule (IMS) in Lanzendorf betont aber: „Die Selbstständigkeit der jungen Menschen musste ansteigen.“ Auch in der IMS setzt man auf „zeitliche Struktur“, indem jeder Schüler pro Schultag zwei bis vier echte Unterrichtseinheiten hat. In diesem Fall über die Videoplattform „Zoom“. Stoff werde aber nicht nur wiederholt, sondern „in sinnvollen Dosen Neues durchgenommen“. Dank Leihgerät erreicht man somit 100 Prozent der Schüler. Allerdings weiß Ransböck, dass gerade in der Unterstufe der zwischenmenschliche Kontakt unabdingbar sei. Problematisch sei die derzeitige Form zudem vor allem für Jugendliche mit kognitiven oder sozialen Defiziten.

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