Hundehaltegesetz findet viel Zuspruch. Dem Vorstoß von Landesrat Waldhäusl, die Anschaffung von Hunden an gewissen Vorgaben und Pflichten zu knüpfen, können Viele im Bezirk Bruck/Leitha etwas abgewinnen.

Von Josef Rittler, Peter Gerber Plech und Susanne Müller. Erstellt am 29. Juli 2020 (05:45)
Hundetrainerin Andrea Wiesner mit ihrem Baci.
privat

Eine Reform des Hundehaltegesetzes könne Vorteile haben, meint Hundetrainerin Andrea Wiesner („Power Pets“) aus Bad Deutsch-Altenburg). „Es kommt halt auf die Auslegung an und wer dann wie diese Beratung führt. Noch hat es den Anschein, als könne man es machen, wie man möchte.“ Waldhäusl nenne selbst das Beispiel eines Dobermanns in einer 30-Quadratmeter-Wohnung.

„Die Frage ist, was ist, wenn der Mensch dann trotzdem den Dobermann will, weil er, sagen wir, jeden Tag lange Spaziergänge macht, oder eben, weil er einfach einen will? Ich finde die Einmischung in so private Dinge wie den Wohnbereich schon grenzwertig.“ Beim Wohlbefinden des Hundes komme es auf ganz andere Dinge an. „Andererseits kann diese Novelle vielleicht dazu beitragen, dass die ganz verrückten Ideen mancher Leute am Beginn gestoppt werden können.“

Eine ganz klare Ansicht dazu hat Alex Novak, ebenfalls Hundetrainer, aus Ebergassing: „Das ist längst überfällig.“ Eine ausführliche Beratung vor der Anschaffung jedes Tieres sei enorm wichtig. „Viel zu wenige Tier- und Hundebesitzer verfügen über ausreichend Know-how in Sachen Haltung, Ernährung, Verhalten und vor allem Körpersprache ihres Haustieres“, sagt Novak.

Ich bin sehr für einen Sachkundenachweis oder gar für einen Hundeführschein. Ich habe selber viel Neues gelernt.“ Martin Broesel, selbst Halter eines „Listenhundes“

Martin Broesel aus Maria Lanzendorf war selbst bereits mit dem Thema Hundeführschein konfrontiert, als er noch in Wien lebte und einen gelisteten Hund besaß. „Ich bin sehr für einen Sachkundenachweis oder gar für einen Hundeführschein. Ich habe selber viel Neues gelernt. Darunter wichtige Punkte, die ein Hundehalter wissen müsste. Zum Beispiel, dass das Wedeln mit dem Schwanz nicht zwingend ein positives Signal sein muss.“

Hundebesitzerin Nina Kliesspiess aus Margarethen ist schon auch dafür, dass man sich gründlich über die verschiedenen Hunderassen informiert, bevor man einen Hund anschafft. Den Hundepass hält sie allerdings für überflüssig, „da der Hundebesitzer selbst herausfinden muss, wie sein Hund reagiert.“ Für jemanden, der noch nie einen Hund hatte, sei es jedoch sinnvoll, einen Kurs in der Hundeschule zu absolvieren und sich auf diesen Weg mit anderen Hundehaltern austauschen zu können.

Und auch andere Hundebesitzer sehen durchaus Sinnvolles in den Vorschlägen. „Ich bin schon dafür, dass man sich vorab informiert. Viele Leute wissen im Vorhinein gar nicht, was es bedeutet, einen Hund zu haben. So wäre man besser vorbereitet“, ist Sissy Lukesch aus Maria Ellend überzeugt. Auch der Hundepass wäre ihrer Ansicht nach eine gute Idee, weil man weiß, was mit dem jeweiligen Hund auf einen zukommt. „So würden vielleicht weniger Tiere im Tierheim landen.“

Im Brucker Tierheim schickt man dazu voraus: „Die Gründe, weshalb Hunde im Tierheim abgegeben, ausgesetzt werden oder von den Behörden abgenommen werden müssen, sind mannigfaltig“, spricht Tierheim-Obfrau Anna Zwettler aus Erfahrung. Oft liege es an mangelnder Vorinformation, falschen Erwartungshaltungen oder fehlenden Beratungsgesprächen im Vorfeld. „Zukünftige Hundehalter sollten sich nicht nur mit der Rasse und Vorgeschichte des Hundes, sondern auch mit der Körpersprache des Tieres beschäftigen. Viele Vorfälle, auch Beißvorfälle, können durch das Verstehen des Hundes vermieden werden“, ist Zwettler überzeugt.

Viel abgewinnen kann man im Tierheim daher dem Vorstoß für ein Beratungsgespräch. „Das ist im Tierheim Bruck schon seit vielen Jahren üblich“, so Zwettler. Der Kategorisierung von bestimmten Rassen in Listenhunde steht sie hingegen kritisch gegenüber. Das Verhalten eines Hundes lasse sich nicht allein durch die Rasse festlegen. Mit der Einführung der Listenhunde seien die Abgaben dieser Hunde im Tierheim angestiegen. „Dass sich dieser Effekt bei einer Ausweitung wieder einstellt, ist zu befürchten“, meint Zwettler, die betont: „Dennoch finden wir eine sorgsame Auswahl an Interessenten, ein Beratungsgespräch und allgemein den Hinweis von Landesrat Waldhäusl, dass das ,Problem oft am anderen Ende der Leine‘ ist, als enorm wichtig“, so Zwettler.

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