Musikschulen im Lockdown: Flexibilität ist gefragt. Seit einem Jahr keine Auftritte. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Nicole Frisch. Erstellt am 14. April 2021 (05:44)
Leonie Tretzmüller aus Regelsbrunn mit ihrem Lehrer Silvio Trachsel. Trotz Distance Learning war sie beim Wettbewerb Prima la musica höchst erfolgreich. 
Anton Stadler Musikschule

„Mich stört das überhaupt nicht. Ich mache das Beste draus“, ist die zehnjährige Leonie Tretzmüller froh, dass es überhaupt Musikschul-Unterricht in der Lockdown-Zeit gibt. Auch die Vorbereitung auf den „Prima la musica“-Wettbewerb musste heuer anders ablaufen als sonst, zum Teil im Distance Learning via Video-Konferenz. Aber auch das hat „super funktioniert“, erzählt Leonie.

Und ihr erster Platz mit Auszeichnung bestätigen das. Die Regelsbrunnerin besucht die Anton Stadler Musikschule in Bruck, die heuer trotz Corona und Fernunterricht im Lockdown so viele Einreichungen und Preisträger bei Prima la musica hatte, wie noch nie. Derzeit ist auch dort wieder Fernunterricht angesagt. „Ich finde es fantastisch, dass alle Kollegen auf Fernunterricht umgestiegen sind“, sagt Direktorin Serafia Myriknopoulou. Für die Lehrer sei der Online-Unterricht „viel anstrengender“ und erfordere auch mehr Vorbereitung.

„Und natürlich fehlt beim Fernunterricht die menschliche Nähe, die für unseren Beruf sehr wichtig ist“, räumt Myriknopoulou ein, dass das freilich niemand für immer so machen würde wollen. Dennoch funktioniere die neue Unterrichtsweise – und zwar besser, als manche das anfangs gedacht hätten. Vor allem dank der guten Zusammenarbeit zwischen Schülern, Eltern und Lehrern. Alle hätten dazugelernt. Die Kamera sei für die Kinder mittlerweile zum Arbeitsequipment geworden und der Umgang mit dem Computer bewusster.

„Und für die Kinder ist es super, weil es in der Zeit, in der sonst nichts möglich ist, eine zusätzliche Beschäftigung neben der Schule gibt“, so die Direktorin. Viele seien bei der Vorbereitung auf die Stunden sehr kreativ. Auf die Schülerzahlen habe sich die Situation bislang jedenfalls nicht ausgewirkt. „Wir hatten sogar Anfragen für Neuanmeldungen, sogar beim Tanz“, so Myriknopoulou, die meint: „Viele Schüler, Lehrer und Familien haben bewiesen, dass es eine Einstellungs- und Willenssache ist. Flexibilität ist das Wort der Stunde.“

In der Zwölfaxinger Südheide hat man bei der Umstellung auf Online-Unterricht festgestellt, dass dieser eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt. Lehrkräfte müssen mehr erklären, Vorausdenken ist notwendig. Gleichzeitig hätten die Schüler aber auch mehr Ehrgeiz entwickelt und würden konzentrierter arbeiten. Der Erfolg ist allerdings abhängig vom jeweiligen Lerntyp. „Wir sind bemüht, den SchülerInnen möglichst entgegenzukommen und auf die neuen Gegebenheiten einzugehen“, sagt Musikschulleiterin Martina Raab. Raab hat auch ein wachsendes Interesse an Musikunterricht bemerkt. Vor der Pandemie war es oft der Fall, dass verschiedene Freizeitangebote ausprobiert wurden. Nun sei es so, dass sich viele entscheiden, längerfristig ein Musikinstrument zu lernen.

„Nach dem ersten Lockdown im Vorjahr mussten die Musiklehrer zu IT-Technikern werden“, erinnert sich die Direktorin der Musikschule Himberg, Maja Zechner. Niemand wusste, wie Musikunterricht online funktionieren soll. Es musste auch neues technisches Equipment angeschafft werden. Dennoch ist die Nachfrage „so groß wie noch nie“, freut sich Zechner. Eltern und Kinder seien froh über die Beschäftigung für die Sprösslinge.

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