"Natur im Garten" hat noch Luft nach oben

Nur fünf Gemeinden im Bezirk sind derzeit Mitglieder der Aktion.

Erstellt am 07. Oktober 2020 | 05:45
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Foto: NOEN

„Natur im Garten“ ist eine Initiative des Landes, die heuer 21 Jahre alt wird. Im Laufe der Jahre hat das Konzept Schule gemacht und wurde mittlerweile sogar auch in anderen EU-Ländern übernommen.

Wer sich „Natur im Garten“-Gemeinde nennen möchte, muss strenge Regeln erfüllen. Drei Kern-Kriterien müssen zur Gänze erfüllt werden: Verzicht auf Torf, chemisch-synthetische Mineraldünger und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Außerdem ist das Vorhandensein verschiedener Naturgartenelemente im Garten erforderlich. Wildstrauchhecken, Blumenwiesen, Laubbäume oder blühende Stauden schaffen nämlich Lebensraum und Nahrungsgrundlage für viele heimische Tiere.

Im Bereich des Friedhofes überlegen wir uns, eine neue Schmetterlingswiese anzulegen.“ SP-Bürgermeister Thomas Schwab aus Gramatneusiedl

Das Konzept bringt nicht nur im privaten Garten, sondern auch auf Gemeindeebene viele Vorteile. Nicht nur, dass es Lebensraum für nützliche Tierarten bietet, es ist häufig auch mit geringerem Pflegeaufwand verbunden.

Dennoch sind derzeit nur fünf der 33 Gemeinden im Bezirk vollwertige „Natur im Garten“-Gemeinden. Weitere neun verwenden ausschließlich biologische Pflanzenschutzmittel.

In Bruck setzt man schon lange auf das Konzept. Hier wird etwa unschöner Unkrautwuchs am Straßenrand weggeflämmt, anstatt dafür Unkrautvernichtungsmittel zu verwenden. Zuletzt wurde von Landschaftsplaner Helmut Lehner überdies ein eigenes Konzept für die Bepflanzung öffentlicher Flächen mit pflegeextensiven heimischen Stauden erarbeitet (die NÖN berichtete). Sie sind – anders als klassische Grünflächen und Blumenbeete – auch in der Lage, dem Klimawandel zu trotzen und die heißer und trockener werdenden Sommer auch ohne starke Bewässerung zu überleben.

Dass Bruck die „Natur im Garten“-Regeln einhält, wurde in den vergangenen Jahren auch mehrfach dadurch ausgezeichnet, dass die Stadt den „Goldenen Igel“ verliehen bekam.

Die Gemeinde Gramatneusiedl hat sich vor Kurzem dazu entschlossen, dem Projekt „Natur im Garten“ beizutreten. Mit vielen Grünflächen war die Gemeinde nicht zufrieden. Aus dem Anliegen, sie anders zu gestalten, sei die Entscheidung gereift, bei der Aktion mitzumachen erklärt Bürgermeister Thomas Schwab (SPÖ): „Wir wollen in Zusammenarbeit mit ‚Natur im Garten‘ unsere Grünflächen in nächster Zeit umgestalten.“ Dabei soll „Natur im Garten“-Expertin Petra Hirner bei diversen Grünprojekten als Ansprechperson fungieren und die Gemeinde beraten.

Auf chemische Pestizide verzichtet die Gemeinde bei der Grünpflege ohnehin schon, seit zwei Jahren wird kein Glyphosat mehr verwendet. Zudem gab es bereits vor dem Beitritt Neugestaltungen der Grünflächen im Ort, so wurden im Juni neue Gräser und Bäume in der Marienthaler Arbeitersiedlung gepflanzt. Das nächste Projekt steht ebenfalls in den Startlöchern. „Im Bereich des Friedhofes überlegen wir uns, eine neue Schmetterlingswiese anzulegen“, sagt Schwab.

In der Marktgemeinde Rohrau stand ein Beitritt zur Initiative „Natur im Garten“ bisher nicht auf der Tagesordnung. „Das war bei uns eigentlich noch kein Thema“, erklärt Bürgermeister Herbert Speckl (VP). „Sowohl die Gemeinde als auch die Bürgerinnen und Bürger sind ohnehin sehr umweltbewusst. In der Grünraumpflege der Gemeindeflächen sind wir schon länger zu hundert Prozent bio, wir verwenden überhaupt keine Chemie.“ Unkraut werde rein mechanisch entfernt. Die Grünflächen werden nach und nach mit heimischen Blumen und Gewächsen bepflanzt, ein Konzept wurde ausgearbeitet. „Das sieht ansprechend aus und ist pflegeleicht, auch der Wasserbedarf ist nicht so hoch“, ergänzt Speckl.

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