Ratschen: Der Osterbrauch im zweiten Corona-Jahr. Die Pfarrgemeinden im Bezirk warten noch auf neue Richtlinien für die Umsetzung vonseiten der Erzdiözese.

Von Josef Rittler und Brigitte Wimmer. Erstellt am 24. März 2021 (05:45)
Die Mannswörther Jungscharmädchen Anna, Sophie, Anja, Svenja, Lena und Laura
hoffen darauf, am Karfreitag und Karsamstag ratschen gehen zu dürfen.
Wimmer

Nur noch eineinhalb Wochen sind es, bis die Kirchenglocken nach Rom fliegen. Damit die Menschen an ihre täglichen Gebete erinnert werden, laufen normalerweise Ratschenkinder lautstark durch die Dörfer und Städte.

Allerdings ist seit dem Vorjahr alles anders: Die Mannswörther Pfarrgemeinderätin Margit Schneider und ihr Team überlegen noch, wie sie das Ratschen heuer gestalten werden. „Im Vorjahr gab es aufgrund der Covid-19-Pandemie nur Familiengruppen, die gemeinsam ratschen gegangen sind. Heuer, wo wir schon etwas mehr über den Virus wissen, können wir uns testen lassen, Masken tragen und Abstand halten“, hält Schneider fest. Doch vieles was den Ratschenkindern noch vor zwei Jahren geboten werden konnte, fällt heuer wieder aus. „Da am Karfreitag viele Eltern arbeiten, haben wir den Kindern vor der Corona-Krise auch Suppe und Palatschinken gekocht, Brot gebacken und etwas mit ihnen gebastelt“, erzählt die Pfarrgemeinderätin.

Mit dem Ratschenplakat fordert die Brucker Pfarrgemeinde zum Mitmachen auf.  
Thomas Petznek-Böhm

Wenn es die Erzdiözese erlaubt, wird die Mannswörther Ratschengruppe heuer aber mit genügend Abstand und Schutzmasken am Karfreitag und Karsamstag durch den Ort ziehen. Die Osternestsuche nach der Sonntagsmesse im Pfarrgarten fällt allerdings aus, aber der Ostergruß soll traditionell von den Kindern in Mannswörth von Haus zu Haus überbracht werden. Beim Ostergruß spenden die Besuchten als Dankeschön etwas Süßes und auch Geld für das wöchentliche Ministrieren in der Kirche. 2019 waren 20 Kinder beim Ratschen dabei. Wie viele es heuer sein werden, kann Schneider noch nicht sagen – es wären aber alle Mannswörther Kinder willkommen mitzumachen.

Auch die Ratschenkinder in Schwadorf müssen, wie schon 2020 auf viele nette Traditionen verzichten. „Besonders für die Minis war die Karwoche eine Herausforderung. Täglich gab es eine Probe für die darauffolgende Messe, für die sie am Gründonnerstag bereits eine Stunde früher eingetroffen und am Karsamstag eine Stunde länger als alle anderen Kinder in der Kirche geblieben sind“, berichtet Jungscharleiterin Julia Vidic. Die Kinder durften, laut Vidic, von Gründonnerstag bis Ostersonntag in der Pfarre übernachten, gemeinsam Frühstücken und Mittagessen. Darum war das Ratschen jedes Jahr ein Highlight für Groß und Klein.

Und wie werden die Schwadorfer Ratschenkinder heuer ihre Aufgabe lösen? „Im Prinzip soll es heuer so ablaufen, dass wir uns nur zum Ratschen treffen, ohne Übernachtung und ohne Verpflegung“, meint die Jungscharleiterin. Falls das Wetter es zulässt, ist geplant, dass die Kinder am Karfreitag zwischen den Ratschen-Einheiten im Garten spielen dürfen.

„Fensterratschen“ als Krisen-Alternative

In Bruck ist Thomas Petznek-Böhm mit den Ratschenkindern unterwegs. Im ersten Lockdown 2020 entstand die Idee des „Fensterratschens“. Vergnügt denkt der Pfarrgemeinderat  an die Vorjahres-Aktion zurück: „Mein Vater ist zu allen Ratschenstunden bei uns in der Siedlung aufs Dach geklettert und hat von dort das Kommando übernommen und auch die traditionellen Ratschensprüche hinausposaunt.“ Nach Ostern haben sich, laut Petznek-Böhm, einige Menschen bei seinen Eltern bedankt und versprochen heuer ebenfalls aus den Fenstern zu ratschen und zu rufen. Daher setzt man auch heuer auf das „Fensterratschen“.

Vermutlich komplett gestrichen wird die Ratschen-Tradition heuer in Prellenkirchen. Martina Doplik, stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderates berichtet: „Es ist noch nicht fix, aber wahrscheinlich werden unsere Kinder heuer nicht mit den Ratschen unterwegs sein.“ Auch Ersatzaktionen werde es keine geben. Die Jungscharkinder bereiten sich zuhause auf Ostern vor, indem beispielsweise ein Ostertisch geschmückt wird.

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