Schulschluss: Schwierig, aber doch erfolgreich. Ein ungewöhnliches Schuljahr ist zu Ende. Die NÖN fragte Direktoren, Lehrer, Schüler und Eltern des Bezirks Bruck an der Leitha, wie es ihnen ergangen ist.

Von Josef Rittler, Otto Havelka, Nicole Frisch, Gerald Burggraf und Susanne Müller. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:45)
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„Rückblickend war es definitiv das anstrengendste Schuljahr“, erzählt Brucks Direktorin der Volksschule am Hauptplatz, Ulli Gaidoschik, dass die Coronakrise den Schulbetrieb alles andere als einfach gemacht habe. „Die Informationen vom Ministerium sind immer sehr kurzfristig gekommen“, so Gaidoschik. Ihr Team habe sie jedoch sehr unterstützt und sie habe auch zahlreiche berührende Mails von Eltern bekommen, die sich für die Organisation bedankten.

„Unterm Strich hat letztendlich alles sehr gut funktioniert“, ist Gaidoschik zufrieden. Die Arbeitsmaterialien seien physisch ausgegeben und abgeholt worden, ansonsten sei der Austausch über „School Fox“ und Mails erfolgt. „Ich möchte den Kindern ein großes Lob aussprechen“, betont Gaidoschik. Dennoch wünsche man sich freilich für den Herbst, dass das nächste Schuljahr „ganz normal“ starten kann. „Unser größte Ziel ist es, die Kinder gut durch diese Krise zu bekommen. Gesundheit ist das Wichtigste. Lehrstoff kann man nachholen“, so Gaidoschik.

Das Home-Schooling an der Neuen Mittelschule Mannersdorf hat laut Direktorin Ulrike Arlt ebenfalls „gut funktioniert“. Dies sei Lehrerin Isabella Hirtl zu verdanken, die Schüler und Lehrer bei der Implementierung eines E-Learning-Systems unterstützt hat. „Es ist ganz wichtig, eine sehr gute Lehrerin mit umfangreichen Kenntnissen in der Informatik an der Schule zu haben, die in schwierigen Zeiten Ansprechperson für Schüler, Lehrer und Eltern ist“, sagt Arlt.

Eines habe ich gelernt: Es geht nur miteinander.“ Reiner Wittolowitsch, Elternvereinsobmann der Volksschule Hainburg

Das Schuljahr habe dennoch alle vor Herausforderungen gestellt. „Flexibilität war gefragt“, so Arlt. Lehrer und Schüler kommunizierten über Videokonferenzen, E-Mails oder Telefonate, über eine Plattform wurden fast alle Schüler erreicht. Von Gemeinde und Bildungsdirektion wurden Tablets und Laptops bereitgestellt. Im nächsten Schuljahr werden Aufgaben und Hausübungen weiterhin ins Internet gestellt. Für die ersten Klassen steht zudem ein digitales Intensivtraining am Programm. Auch das Lehrpersonal wird sich weiterbilden.

Eine Sofort-Einschulung für die Schüler der neuen ersten Klassen sowie jene der fünften Klasse ist auch im Schwechater Gymnasium geplant. Dort verwendet man bereits seit längerem die E-Learningplattform „Moodle“ und seit dem Lockdown auch Microsoft Teams. „Mit Moodle sind keine Videokonferenzen möglich“, erklärt Direktor Heinz Lettner. Die größte Herausforderung nach der Schließung der Schule war es, zu koordinieren, auf welcher Plattform die Schüler was finden. „Wir mussten erst eine Struktur reinbekommen, das ist auch gut gelungen. Dieses Know-how nehmen wir natürlich mit“, so der Schulleiter.

In der Brucker HAK und HASCH „be bruck“ ist man durchaus stolz darauf, wie das Distance Learning funktioniert hat. „Binnen kurzer Zeit war ein System entwickelt, das neben Fernlehre auch die Kommunikation zwischen Lehrkräften und Schüler/innen enthalten hat. Die Nutzung nur einer Lernplattform für Arbeitsaufträge, Office 365 sowie Videomeetings haben für Übersichtlichkeit gesorgt. Darauf bauen wir auch bei den neu eintretenden Schüler/innen in der HAK und HAS auf“, erzählt Direktorin Ulrike Wiedersich. Somit nehme man – neben den sozial belastenden Faktoren – durchaus auch ermutigende Fakten aus der Krise mit: „Wir als ,bebruck‘ sind gut aufgestellt, was Digitalisierung anbelangt“, so Wiedersich. Von diesen Erfahrungen würden Lehrkräfte und Schüler auch in Zukunft profitieren. Verbesserungswürdig seien lediglich die Internetverbindungen mancher Schüler. Wünschen würde sie sich auch eine vorausschauende Schaffung von Regeln, die über einen längeren Zeitraum beizubehalten sind – von der Maskenpflicht bis zur Leistungsbeurteilung.

Aber auch für die Eltern war das Homeschooling eine neue Erfahrung. „Hut ab vor der Leistung der Lehrerinnen“, fasst Reiner Wittolowitsch, Elternvereins-Obmann an der Volksschule Hainburg, seinen Eindruck vom abgelaufenen Schuljahr zusammen. Seine Tochter Leonie besuchte die zweite Klasse. „Es war für uns alle ungewohnt. Aber die Lehrerinnen haben sozusagen mit Lichtgeschwindigkeit reagiert, alles Notwendige hergerichtet und das Lernen zuhause hat super funktioniert.“ Ein Problem sei die Betreuung der Kinder zuhause gewesen, da hätten die Eltern individuelle Lösungen finden müssen. Was im Falle eines erneuten Lockdowns getan werden müsse, könne Wittolowitsch nicht sagen. „Da müssen wir uns eben wieder arrangieren. Eines habe ich gelernt: Es geht nur miteinander.“

Umfrage beendet

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