Überfüllte Tierheime: Tier-Vergabe muss warten. Brucker Tierheim und Bad Deutsch-Altenburger Gnadenhof „Pipiland“ kämpfen mit Einschränkungen durch den Lockdown. Vermittlung wurde ausgesetzt.

Von Josef Rittler und Susanne Müller. Erstellt am 03. Februar 2021 (04:45)
Nina Hofstädter, Obfrau des Vereins „Rette dein Huhn“, kümmert sich um die gefiederten Bewohnerinnen von „Pipiland“, Österreichs einzigem Gnadenhof für ausgemusterte Legehennen und anderes Geflügel. 
Rittler

Im Brucker Tierheim ist seit der Verhängung des erneuten Lockdowns auch erneut die Vergabe der Tiere ausgesetzt – vorerst bis 7. Februar. Wie es danach weitergeht, wird man erst sehen. „Im Moment haben wir ein volles Katzenhaus und einige ältere Hunde in der Warteschleife, die wahrscheinlich in der nächsten Zeit zu uns kommen werden“, sagt Obfrau Anna Zwettler. Zu tun gibt es also für das Tierheim-Team genug. Freilich sind die Mitarbeiter auch jetzt für Tiere in Not im Einsatz. Zuletzt hätten sich vor allem die Anfragen zu Abgaben von älteren Katzen gehäuft. Außerdem befürchtet man im Tierheim, dass die große Welle an Abgaben noch kommt. Derzeit sei nämlich ein Trend zum Haustier, vor allem zu jungen Hunden erkennbar. „Wir befürchten, dass die Welpen abgegeben werden, sobald wieder Normalität herrscht“, so Zwettler.

Die Lockdown-Zeit wird im Tierheim außerdem für einen etwas vorgezogenen Frühjahrsputz genutzt.

Neben dem „klassischen“ Tierheim, in dem vorwiegend Hunde und Katzen untergebracht sind, gibt es im Brucker Bezirk noch ein Tierheim der etwas anderen Art. Der Verein „Rette dein Huhn“ betreibt das „Pipiland“, einen österreichweit einzigartigen Gnadenhof für ausgemusterte Legehennen. Das Gelände mit den Stallungen und einem großzügigen Auslauf liegt an der Straße zwischen Petronell-Carnuntum und Bad Deutsch-Altenburg gegenüber des Amphitheaters der Militärstadt. Die meisten Legehennen kommen aus der Massentierhaltung. Nach etwa sechzehn Monaten intensiven Eierlegens müssen die Hennen pausieren. Das macht sie unrentabel und sie werden „ausgestallt“, das bedeutet in der Regel, dass sie geschlachtet und durch Junghennen ersetzt werden. 

Hier greift der Verein „Rette dein Huhn“ ein, holt die Hennen mit Einverständnis der Eigentümer ab und vermittelt sie auf neue Plätze, wo sie ihr weiteres Leben artgerecht verbringen können (die NÖN berichtete mehrfach). Die Hühner, die nicht vermittelt werden können, bleiben auf dem Gnadenhof. Obfrau Nina Hofstädter und ihre Mitstreiterinnen kümmern sich zur Zeit um rund 140 Tiere, neben den Hühnern auch anderes Geflügel, darunter Enten und Gänse und aktuell sogar ein Perlhuhn. Alle Vereinsmitglieder arbeiten ehrenamtlich, der Verein finanziert sich ausschließlich über Spenden.

„Die Vermittlung ist im Moment nicht einfach, weil der Transport von Hühnern nicht zu den Gründen zählt, die ein Verlassen der Wohnung erlauben“, berichtet Hofstädter. Die Fahrten seien nur unter strengsten Auflagen und mit Spezialbewilligung möglich und werden vom Verein bestätigt. „Während des Lockdowns vermitteln wir wesentlich weniger Hennen und verzeichnen dadurch auch viel weniger Spenden“, sagt die Obfrau. Für Futter sei aber stets ausreichend gesorgt.  Die Hennen tragen übrigens selbst zu ihrem Unterhalt bei. Nachdem sie sich nach ihrer Pause erholt haben, beginnen sie wieder eifrig zu legen. Die „fairen Eier“ sind an einem Verkaufsstand an der Straße erhältlich.

Umfrage beendet

  • Worauf legt ihr beim Lebensmittel-Kauf am meisten Wert?