Vorbereitet im Krisenmodus. Unternehmer im Bezirk Bruck arrangieren sich mit Lockdown. Allerdings lasten die Umsatzeinbußen schwer.

Von Nicole Frisch und Gerald Burggraf. Erstellt am 18. November 2020 (05:45)
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Wie schon im Frühjahr musste der Handel mit dem neuerlichen „harten Lockdown“ am Dienstag komplett dicht machen. Noch am Montag war daher in vielen Geschäften die Hölle los – wie unter anderem die langen Menschenschlangen vor den Kassen des Obi-Baumarktes in Schwechat beweisen.

Und dennoch kam die Maßnahme nicht überraschend, waren doch schon vor der groß angekündigten Pressekonferenz der Bundesregierung beinahe sämtliche Details durchgesickert. „Jeder hat damit gerechnet. In der Pressekonferenz wurde nur das bestätigt, was ich eh schon wusste“, bringt es Elisabeth Strini auf den Punkt. Die Buchhändlerin und Obfrau der Schwechater Wirtschaftsplattform nimmt den zweiten „harten Lockdown“ relativ gelassen.

Allerdings hält sie fest, dass die erzwungene Schließung unmittelbar vor Weihnachten ein schwerer Schlag ist. „Jammern hilft aber nichts“, weiß die Inhaberin der „Bücherei am Hauptplatz“. So wäre sie Samstag und Sonntag im Geschäft gewesen, um alles für den nun wiederbelebten Lieferservice vorzubereiten. „Viele Unternehmer sind gut aufgestellt, da es ja schon zum zweiten Mal ist“, weiß Strini. Dennoch bedeutet die Umstellung auf Lieferungen mehr Aufwand, höhere Kosten und nur ein Drittel des Umsatzes. „Lange halten wir das nicht durch“, betont die Obfrau der Wirtschaftsplattform. Dennoch erkennt sie eine große Solidarität vonseiten der Kunden. „Wenn wir für unsere Kunden da sind, sind sie für uns auch da“, unterstreicht Strini.

Als „härtesten Einschnitt“ den es geben kann bezeichnet auch Thomas Woller den Lockdown vor Weihnachten. Der Inhaber des Juweliers „Schwechater Uhren-Engel“ war mit den Umsätzen bisher zufrieden, nun werde es aber schwierig. „Die Weihnachtszeit ist unsere Hauptsaison“, erläutert er. Woller wird auch auf Lieferungen umsteigen, allerdings mit persönlicher Beratung an der Kundenadresse – natürlich unter Einhaltung aller Vorgaben. Im Gegensatz zu anderen Branchen könne er die Pakete aus Gründen der Sicherheit nicht einfach in den Postkasten werfen und es brauche auch den Austausch mit dem Kunden.

„Es ist schwierig für uns, weil wir für unsere Kunden da sein wollen. Als Händler, der auf persönliche Beratung Wert legt, haben wir auch keinen Online-Auftritt, um das in diesem Maße abzufangen“, berichtet Josef Klementovics vom Schuhhaus Matzenauer auf der Mannersdorfer Hauptstraße. Beraten wird nun über WhatsApp, die Waren geliefert und dann per Rechnung bezahlt.

Politik und Konsument in der Krise gefordert

Dass der Lockdown vor dem Weihnachtsgeschäft kommt, sei nicht optimal. Gleichzeitig betont Klementovics: „Wenn die Bevölkerung geschützt werden kann, indem der Handel schließt, tragen wir das mit.“ Er sieht sich als „Zweckoptimist“ und ist zuversichtlich, dass das Schuhhaus diese Phase übersteht. Er verweist auch darauf, dass Unterstützung vonseiten der Politik wie auch der Gesellschaft notwendig ist. „Ich als Konsument habe die Macht, mir auszusuchen, was ich wo konsumiere“, so der Mannersdorfer.

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