Mit Drifts am Weg zur Autobahn

Die Hotspots sind B9, B10 oder die Leithaberg-Straßen. Die Tuning-Szene macht in Schwechat Probleme.

Erstellt am 08. September 2021 | 05:33
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Die B10 verleitet (ebenso wie die B9) durch ihre Breite und durch viele gerade Strecken manche Autofahrer, zu sehr aufs Gaspedal zu treten.
Foto: Susanne Müller

Überhöhte Geschwindigkeit ist Unfallursache Nummer 1 in Österreich. Laut Statistik Austria starben im Vorjahr 110 Personen bei Unfällen, bei denen Rasen eine Rolle gespielt hat. Das sind immerhin 32 Prozent aller Todesopfer nach Verkehrsunfällen.

Daher hat sich Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) mit ihrer Forderung nach härteren Strafen für Raser durchgesetzt. Allen voran soll der Führerschein deutlich schneller als bisher weg sein. Im Bezirk treten Raser das Gaspedal ihres Autos vor allem auf den Bundesstraßen B9 und B10 durch.

„Die Strecken verleiten dazu, weil sie gerade sind“, weiß Bezirkspolizeikommandantin Sabine Zentner. Und auch sie betont, dass schwere Unfälle meist dann passieren würden, wenn zu schnell gefahren bzw. an unübersichtlichen Stellen überholt wird. Bei den Motorradfahrern sind seit jeher Straßen im Leithagebirge beliebt, wenngleich es dort in den letzten Jahren etwas ruhiger geworden sei, so Zentner.

Vor allem in der Nacht ist es ein Problem, wenn 40 bis 50 Autos zusammenkommen und auf einem Parkplatz mit Campingsesseln zusammengesessen wird.“
Walter Schaffer, Verkehrsstadtrat in Schwechat (SPÖ)

Allerdings ist unter anderem auch der S1-Zubringer zur Anschlussstelle Rannersdorf ein beliebter Roadrunner-Treffpunkt. Mit Roadrunner sind Fahrer getunter Autos gemeint, die ihr Fahrzeug nicht nur schnell, sondern auch mit artistisch-gefährlichen Einlagen wie Drifts über den Asphalt bewegen. Generell hinterlässt die Tuning-Szene laut Schwechats Verkehrsstadtrat Walter Schaffer (SPÖ) einen ungewollten Fußabdruck in der Braustadt.

„Vor allem in der Nacht ist es ein Problem, wenn 40 bis 50 Autos zusammenkommen und auf einem Parkplatz mit Campingsesseln zusammengesessen wird“, erklärt Schaffer. Nicht nur, dass dann die Musik durch die Gegend tönt, gehören in der Szene auch fahrerische Leistungsschauen in Form von Donuts (Drehungen mit dem Auto auf einer Stelle) oder das lautstarke Beschleunigen dazu.

Parkflächen sind beliebt

Beliebte Treffpunkte sind laut dem Verkehrsstadtrat etwa der Parkplatz beim Bahnhof sowie dem Obi-Markt in Schwechat oder dem Rudolf Tonn-Stadion in Rannersdorf. „Eben überall wo es große Parkflächen gibt“, erklärt Schaffer.

Bei der Stadtgemeinde will man nun aber gemeinsam mit der Exekutive gegen die vor allem nächtliche Lärmbelästigung vorgehen. „Wir stellen der Polizei unser Lärmmessgerät zur Überprüfung der Lautstärke der Auspuffanlagen zur Verfügung“, berichtet der Verkehrsstadtrat über eine geplante Zusammenarbeit im Rahmen der Aktion „Gemeinsam sicher“. Angeschafft wurde das Messgerät vor Jahren zur Überprüfung der Lautstärke bei Veranstaltungen in Schwechat.

Nun soll es bei Schwerpunktaktionen der Polizei zum Einsatz kommen, um laute Störenfriede „aus dem Verkehr zu ziehen“, bringt es Schaffer im NÖN-Gespräch auf den Punkt.

Es wird enorm stark kontrolliert

Beim Schwechater Stadtpolizeikommando hebt man jedoch die bereits bestehende hohe Kontrolldichte im Straßenverkehr hervor. „Der Abschnitt auf der B9 zwischen Flughafen und Mannswörth gehört sicher zu den am schärfsten kontrollierten Bereichen überhaupt“, betont Stadtpolizeikommandant Leopold Holzbauer.

Dank der eigenen Verkehrsgruppe in seiner Behörde sowie der in Schwechat ansässigen Autobahnpolizei-Dienststelle werde enorm stark kontrolliert. So poche man gerade im Stadtgebiet regelmäßig mit Laser und Radar auf die Einhaltung der Tempolimits. „Wir haben es gut im Griff“, ist Holzbauer überzeugt. Ihm wären auch in der letzten Zeit keine Beschwerden über Raser bekannt.

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