Nach Änderung herrscht Aufregung bei Flugsportlern. Aufregung um Änderung des NÖ Nationalparkgesetzes. Beschluss im Landtag wurde für weitere Verhandlungen aufgeschoben.

Von Gerald Burggraf, Susanne Müller, Josef Rittler und Adalbert Mraz. Erstellt am 22. November 2017 (05:39)
Mraz
Wenn es nach dem Vorschlag des neuen NÖ Nationalparkgesetzes geht, soll ein Überflug über die Donau-Auen nicht mehr unter einer Höhe von 500 Metern erlaubt werden.

Bei der 56. Sitzung des NÖ Landtages war mit Punkt 9 die geplante Änderung des NÖ Nationalparkgesetzes auf der Tagesordnung. Inhaltlich war bei diesem Punkt vorgesehen, die Flughöhe über den Nationalparks Donau-Auen und Thayatal aufgrund von Tierschutzargumenten neu zu regeln. Mit der Änderung sollte das Überfliegen bestimmter Naturzonen unterhalb einer Flughöhe von 500 Metern bei Strafandrohung untersagt werden.

Das versetzte das Flugsportzentrum Spitzerberg sowie die niedergelassenen Vereine in helle Aufregung. „Die geplanten Änderungen würden einen massiven Eingriff in den Flugsport, den Schulbetrieb und den Flugbetrieb am Spitzerberg bedeuten“, erklärt Rudolf Wenighofer, Obmann des Flugsportzentrums.

Das Flugsport-Ausbildungszentrum erfülle einen gesetzlichen Auftrag; der bisherige Betrieb wäre durch die Novelle massiv gefährdet. Die „Spitzerberger“ beklagen vor allem, dass vor der beabsichtigten Novellierung weder die Interessensvertretung der Flieger (Österreichischer Aero-Club) noch die direkt mit dem Flugsport verbundenen Gruppen zur Begutachtung eingeladen wurden.

Mit dem neuen Gesetz würde der bundesgesetzliche Auftrag schwer gefährdet sein. Rudolf Wenighofer, Obmann des Flugsportzentrums Spitzerberg

Der Betrieb rund um das Flugfeld Spitzerberg ist überwiegend auf „Sichtflug“ ausgerichtet. Das bedeutet, dass die geplanten Flughöhen weder einen geordneten Flug- inklusive Schulbetrieb noch einen korrekten An- und Abflug zum Spitzerberg zulassen würden. Die besondere Lage des Flugfeldes im Fokus des internationalen Flugverkehrs (Flughafen Schwechat, Bratislava und Flugschneise Nord Ost Richtung Budapest) setze ohnehin eine besondere Sensibilität voraus.

Bei schlechten Wetterbedingungen sei ein Umfliegen der Kontrollzone Wien aus geographischen Gründen (Alpen, Wienerwald) meist unmöglich. Der Weg über das Flachland mit einem Überflug der Donau östlich von Petronell sei dann die einzige Option. Auch sämtliche grenzüberschreitende Sichtflüge seien davon betroffen.

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Helga Krismer, Grüne, kritisierte die Novelle als nicht weitreichend genug.

Die betroffenen Flieger-Gruppen am Spitzerberg wie auch der Österreichische Aero-Club intervenierten erfolgreich bei den höchsten Stellen der Landesregierung. Der strittige Punkt wurde vergangenen Donnerstag von der Tagesordnung abgesetzt und wird nun vor einer endgültigen Entscheidung und Beschlussfassung mit allen Gremien diskutiert.

Beim Nationalpark wäre man mit der nunmehr formulierten Novelle zufrieden gewesen. Nationalparkdirektor Carl Manzano: „Bisher war keine eindeutige Regelung aus dem NÖ Nationalparkgesetz abzuleiten, ob bzw. wie weit Überflüge als verbotener Eingriff zu betrachten sind. Insbesondere im zweiten niederösterreichischen Nationalpark, dem Thayatal, ist es zuletzt durch den Einsatz von privaten Drohnen zunehmend zu erheblichen Störungen der Tierwelt, unter anderem streng geschützter Arten, gekommen.“

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Rudolf Wenighofer vom Flugsportzentrum hofft auf Verhandlungserfolg.

Mit der Abänderung des Nationalparkgesetzes werde diesem Trend Rechnung getragen, eine eindeutige Mindestflughöhe von 500 Metern definiert und damit der störende Drohnenflug in den sensiblen Bereichen verboten. „Die Regelungen sind unseres Wissens mit der Austro Control akkordiert und der Flugverkehr des Flughafens Schwechat ist davon nicht betroffen“, so Manzano.

Bei den Grünen sah man dies offenbar anders. Klubchefin Helga Krismer wetterte noch wenige Tage vor der Landtagssitzung, dass das Überfliegen der Schutzzonen tabu sein müsse. Sie vermutete hinter der Novelle gar ein bestimmtes Motiv: eine „Lex 3. Piste“ im Zusammenhang mit dem Flughafenausbau. „Naturschutz ist höher zu bewerten als die Flugrouten der Austro-Control“, zeigte sich Krismer nach der Sitzung erleichtert, dass der Beschluss nicht gefasst wurde.

Bei der Austro Control zeigt man sich ob der Grünen Kritik irritiert. „Der Nationalpark liegt im unmittelbaren An- und Abflugbereich des Flughafens Wien. Aus Sicht von Austro Control ist im Hinblick auf die Flughöhen zu sagen, dass hier immer ein sicherer An- und Abflug zum und vom Flughafen gewährleistet sein muss“, erläutert Sprecher Peter Schmidt. Das bestehende Routensystem sei zudem einvernehmlich im Rahmen des Dialogforums beschlossen worden, zudem würden Umweltaspekte bei den intensiven Verhandlungen immer an oberster Stelle stehen.