Nahversorger hat Zukunft: „Kunden sind meine Freunde“

Die NÖN stellt zwei erfolgreiche Kaufmänner vor und lässt sich in deren Erfolgskonzept einweihen.

Erstellt am 27. November 2019 | 03:57
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Helfried Lindner ist mit Leib und Seele Kaufmann. Er übernahm das familieneigene Kaufhaus in Wildungsmauer 1990 von seinem Vaterund führt es seither mit viel Leidenschaft und ganz nach dem Motto „Der Kunde ist König“.
Foto: Burggraf

„Ich bin seit 30 Jahren Stammkundin. Ich war schon mit meinen drei Töchtern hier und komme jetzt mit meinen Enkelkindern“, erzählt Carina Lafite. Das Kaufhaus Lindner in Wildungsmauer ist für sie „einzigartig“. „Jeder noch so ausgefallene Wunsch wird erfüllt“, weiß Lafite.

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Möglich macht das der Chef Helfried Lindner persönlich. Dafür geht er wöchentlich selbst für seinen Laden einkaufen. „Das ist aus meiner Sicht wichtig, um die Kundenwünsche erfüllen zu können“, erklärt der 56-jährige Vollblutkaufmann. Hat er etwas gerade nicht in seinem Geschäft, besorgt er es schnellstmöglich. Der Kunde ist für ihn tatsächlich König, wenn nicht sogar noch ein wenig mehr. „Ich nehme mir gerne Zeit für unsere Kunden. Viele meiner Kunden sind auch meine Freunde, man kennt ihre Lebens- oder Familiengeschichten“, erzählt der Wildungsmaurer.

Etwas anderes zu tun als Nahversorger im knapp 400-Seelen-Ort zu sein, kann sich Lindner nicht vorstellen. Seit seiner Kindheit steht er im Geschäft.

Gegründet hat es sein Vater 1949 im Alter von nur 19 Jahren. 51 Jahre später gab es dann einen „fließenden Übergang“ zu Helfried Lindner, wie er selbst sagt. Die Leidenschaft für seinen Beruf kann man förmlich spüren. „Wir Nahversorger sind ja eigentlich voll im Trend. Etwa, was die Nachhaltigkeit angeht – wir sind zu Fuß erreichbar, man kann mit dem Korb einkaufen gehen und wir verkaufen regionale Produkte“, erläutert der Kaufmann. Und man bemühe sich stets, nur beste Qualität zu bieten.

Geöffnet hat das Kaufhaus Lindner von Montag bis Sonntag. Zudem wird täglich an Kunden in der ganzen Gemeinde, und damit auch in Scharndorf und Regelsbrunn, geliefert. „Das kann ein ganzer Wocheneinkauf sein oder nur ein Frühstückskipferl. Auch unser Bürgermeister (Hubert Zwickelstorfer, ÖVP, Anm.) ist ein langjähriger Kunde“, freut sich Lindner. Zwickelstorfer war es auch, der das Lieferangebot angeleiert hat. „Als der letzte Greißler in Scharndorf zugesperrt hat, hat er uns gefragt, ob wir das nicht übernehmen wollen. Seither machen wir es“, erinnert sich der Wildungsmaurer. Beliefert wird zwischen 6 und 7 Uhr Früh.

Das Kaufhaus Lindner ist aber mehr als ein Nahversorger für Lebensmittel, WC-Papier, Heizpellets oder Grablichter. Es ist ein Ort der Begegnung. „Das Lindner ist ein sozialer Treffpunkt im Ort. Es ist eine angenehme Atmosphäre und es rennt der Schmäh“, berichtet Andrea Arocker-Aigner, während sie ihren Kaffee genießt und in der Zeitung blättert. Sie lebt seit zwölf Jahren in Wildungsmauer, „seitdem bin ich Kundin“, schmunzelt Arocker-Aigner. Laut Carina Lafite ist das Kaufhaus weit mehr als ein Nahversorger: „Früher haben meine Töchter ‚Herr und Frau Lindner‘ gespielt, heute tun das meine Enkel“, hebt sie die Bedeutung der Unternehmerfamilie hervor.

Der Nahversorger der Familie Schmutterer gehört seit mittlerweile 80 Jahren zu Trautmannsdorf. „Unmögliches wird sofort erledigt, nur Wunder dauern etwas länger“, ist das Motto von Geschäftsführer Walter Schmutterer. Neben der Adeg-Filiale in Trautmannsdorf betreibt er heute auch zwei weitere in Sommerein und Reisenberg.

Seinen Erfolg führt Schmutterer darauf zurück, dass er ein „typisches Nahversorgersortiment“ aufweist. Dabei setzt er auf Regionalität und Frische. Auch das Auftreten des Personals spielt dabei eine wichtige Rolle. Schmutterer sieht es zudem als Vorteil, keine direkte Konkurrenz im Ort zu haben. „Wegen zwei Semmeln fahrt keiner in die Nachbargemeinde und wenn sie zu mir kommen, kann ich sie auch auf weitere Angebote aufmerksam machen“, meint Schmutterer.

Wie das Kaufhaus Lindner sind auch Schmutterers Filialen ein sozialer Treffpunkt. „Es ist ein Zentrum im Ort, es ist ein Zentrum der Kommunikation“, sagte Sommereins SP-Ortschef Karl Zwierschitz bei der Feier zum 80-jährigen Jubiläum.

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