Pflege wird dringender benötigt. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer mehr Menschen pflegen müssen, besagt der aktuelle NÖ Altersalmanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk.

Von Josef Rittler, Otto Havelka und Susanne Müller. Erstellt am 10. Juli 2019 (04:16)
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Das Ulrichsheim in Hainburg wurde als Pflegeeinrichtung des Landes NÖ im Oktober 2009 in Betrieb genommen. Bestehend aus einem älteren Vierkantgebäude und einem im Jahr 2009 errichteten Zubau verfügt das Haus über insgesamt 103 Betten. „Derzeit sind wir ausgelastet, alle Betten sind belegt“, berichtet Direktorin Wilma Deutsch. Vor allem, wenn man sich die 24-Stunden-Pflege nicht mehr leisten könne, sehe man sich nach einem Pflegeplatz um.

„Die 24-Stunden-Betreuung ist in der Region sehr gut aufgestellt, die Nachfrage nach Pflegeplätzen steigt dennoch, es gibt eine Warteliste.“ Mit intensiven Beratungsgesprächen werde in jedem Fall nach einer Lösung gesucht. „Wir sind ein offenes Haus und setzen auf Kommunikation und Transparenz, das funktioniert in der Regel gut. Es soll sich jeder, der sich an uns wendet, gut beraten und aufgehoben fühlen“, erklärt Deutsch. Meist könne bis zum Freiwerden eines Platzes eine temporäre Lösung gefunden werden.

Quelle: NÖ Altersalmanach; Illustration: Mascha Tace/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

Ähnlich sieht die Situation auch im Marienheim in Bruck aus. Das Heim wird derzeit noch von der Betriebsgesellschaft der Kongregation der Schwestern von der Schmerzhaften Mutter geführt (siehe dazu Bericht auf den Seiten 6 und 7) und verfügt über 105 Pflegebetten. Und die sind ausgelastet. „Seit dem Wegfall des Pflegeregresses 2018 sind wir ständig voll belegt“, erklärt Florian Pennauer vom Marienheim.

Er schätzt, dass sich das auch in Zukunft nicht ändern wird. „Dass die Gesellschaft immer älter wird, weiß man ja“, so Pennauer. Dementsprechend würden auch Anstrengungen unternommen, dass Menschen solange wie möglich zuhause betreut werden können. „Oft ist es ja auch gar nicht möglich, sofort einen Heimplatz zu bekommen“, erklärt Pennauer, dass die Betreuung im eigenen Zuhause dann zumindest als Übergangslösung genutzt werde.

Die 24-Stunden-Betreuung ist in der Region sehr gut aufgestellt, die Nachfrage nach Pflegeplätzen steigt dennoch, es gibt eine Warteliste.“ Direktorin Wilma Deutsch Ulrichsheim Hainburg

Im Pflege- und Betreuungszentrum Himberg, das derzeit über 150 (ausgelastete) Heimplätze verfügt, rüstet man sich für einen Um- und Ausbau in den kommenden Jahren. Zwar müssen die konkreten Pläne erst abgesegnet werden, es sei aber klar, dass man sich „auf den steigenden Pflegeplatzbedarf einstellen muss“, erklärt Direktorin Regina Haiderer.

Derzeit sei die Lage nicht akut. Es gebe praktisch „keine Warteliste“, versichert Haiderer. Im Bedarfsfall funktioniere die Zusammenarbeit mit anderen Pflegeeinrichtungen und Spitälern so gut, dass niemand auf der Strecke bleibe.

Auch bei mobilen Pflegediensten steigt die Nachfrage kontinuierlich. Zum Teil sogar so stark, dass die Einrichtungen mit ihrem Personalstand nicht mithalten können. „2050 werden wir 3,5 mal so viel Pflegepersonal brauchen wie jetzt. Es sind dringend Maßnahmen nötig, denn der Personalmangel wird sich in Zukunft weiter zuspitzen“, warnt Michaela Hinterholzer, Präsidentin des Hilfswerks in Niederösterreich. Das Hilfswerk sucht derzeit landesweit nach Verstärkung für seine Pflege- und Betreuungsteams, allein im Brucker Bezirk sind acht Stellen frei. Gleichzeitig würde es deutlich mehr Angebote am Pflegesektor und die dafür nötigen finanziellen Mittel brauchen. Darüber hinaus sei es notwendig, den Angehörigen Unterstützung zukommen zu lassen.

Ähnlich sieht man die Lage bei der Volkshilfe. Auch dort ist man im Pflegebereich auf Mitarbeiter-Suche. „Die Lebenserwartung steigt, doch das allein ist es nicht. Auch die Anzahl der Single-Haushalte wird steigen. Die Pflege durch Angehörige geht somit zurück. Auch sinkt der Anteil der jüngeren Menschen. Somit wird es insgesamt schwieriger werden, offene Stellen zu besetzen. Das wird auch die Pflege betreffen“, meint der Geschäftsführer der Volkshilfe NÖ, Gregor Tomschizek. Aus seiner Sicht liegen Lösungsansätze unter anderem in der Förderung von betreutem Wohnen.

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