Radfahren hat kräftig Rückenwind

Der Drahtesel ist als Sport- und Fortbewegungsmittel so beliebt wie selten zuvor – nicht zuletzt wegen der Pandemie.

Erstellt am 07. April 2021 | 05:45
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Klaus Minarik, Geschäftsführer der Velothek in Fischamend.
Foto: Velothek, Velothek

Das Fahrrad ist nicht nur ein immer beliebter werdendes Fortbewegungsmittel, sondern – insbesondere seit der Corona-Pandemie – auch für den Freizeitsport immer wichtiger.

Dass es einen regelrechten Radfahr-Boom gibt, kann Klaus Minarik, Geschäftsführer der Velothek in Fischamend, bestätigen. „Die Nachfrage ist extrem hoch und seit einem Jahr eigentlich ungebrochen, sogar durch den Winter hindurch“, erzählt er im Gespräch mit der NÖN. Im Erwachsenenbereich sei insbesondere die Nachfrage nach E-Bikes hoch. Diese machen rund zwei Drittel der verkauften Fahrräder aus. „Bei den Kinderrädern sind die E-Bikes ein sehr kleiner, aber wachsender Bereich“, führt Minarik aus. Doch trotz der hohen Nachfrage ist auch der Fahrrad-Handel stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. „Die Lieferzeiten sind aufgrund der Pandemie extrem nach hinten geschoben worden“, erzählt der Velothek-Geschäftsführer.

„Wir haben ein gutes Jahr Wartezeit auf die Ware, die wir bestellen.“ Dabei handle es sich Minarik zufolge um ein globales Problem, das hänge mit der Logistik und etwa der Stilllegung von Frachthäfen zusammen. „Es ist für uns im Handel schwierig. Jetzt sind die Lager leer und die Ware, die schon längst da sein sollte – die wir letztes Jahr im Sommer bestellt haben – kommt nicht“, schildert er die Problematik. „Es ist das Schlimmste, wenn die Nachfrage so hoch ist, aber nicht gestillt werden kann.“

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Wolfgang Palatinus liebt das Radfahren. Im Vorjahr bezwang er mit seinem Drahtesel sogar den Großglockner.
privat, privat

Deswegen rät Minarik allen, die sich gerne ein neues Rad zulegen möchten, Geduld zu haben und nicht aus der Not heraus einen Kompromisskauf zu tätigen – denn „auf lange Sicht wird man damit keine Freude haben“. Minarik empfiehlt, sich im Fachhandel beraten zu lassen und wenn man Glück hat, ist das gewünschte Rad beim Händler vielleicht sogar noch lagernd. Dann solle man mit dem Kauf nicht lange zögern, sondern „zuschlagen“.

Und die Radfahrer werden auch organisierter: Letztes Jahr im Sommer gründete sich in Gramatneusiedl die Radlobby Leithaebene, die sich aus einigen fahrradbegeisterten Leuten aus der Umgebung zusammensetzt. Ein großes Anliegen des Vereins ist die Verbesserung der Radinfrastruktur, erklärt Gründungsmitglied Sebastian Schirl-Winkelmaier: „Unser Hauptaugenmerk liegt derzeit auf dem Ausbau der Radwege zwischen Gramatneusiedl und Himberg.“ In der Vergangenheit lud der Verein zu Veranstaltungen ein, bei denen man sich über Ideen austauschen konnte, die die Radwege in der Umgebung betreffen. In Zukunft sollen auch weitere Veranstalten stattfinden, unter anderem auch gemeinsame Radrunden. Durch die Corona-Maßnahmen liegen die Planungen aber derzeit auf Eis.

Passionierter Radfahrer seit 50 Jahren

Doch natürlich haben nicht alle erst durch die Pandemie ihre Liebe zum Radfahren entdeckt. Seit fünfzig Jahren ist Wolfgang Palatinus, ehemaliger kaufmännischer Direktor des Landesklinikums Hainburg, begeisterter Radfahrer. „Ich fahre im Jahr zwischen 8.000 bis 12.000 Kilometer und bin eher auf der Straße unterwegs, manchmal auch auf Radwegen, da lernt man die Umgebung besser kennen“, sagt der 64-Jährige. „In der Pension habe ich jetzt mehr Zeit und fahre jeden Tag, wenn es die Witterung zulässt. Nur im Winter lege ich eine Pause ein.“ Zwar fährt der Hainburger meist in der Region, unternimmt aber auch längere Touren in Niederösterreich. „Mit einer kleinen Gruppe von Freunden fahre ich hin und wieder weiter weg, 2020 sind wir auf den Großglockner gefahren, im Jahr davor waren wir auf Mallorca.“ Die Pandemie konnte seinen Elan nicht bremsen: „Einzelsport ist ja Gott sei dank erlaubt.“

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