Radfahren ist beliebter denn je. Seit der Coronakrise nutzen immer mehr Menschen den Drahtesel als Mittel zu Fortbewegung und zu gesunder Bewegung.

Von Josef Rittler, Stefanie Cajka und Raimund Novak. Erstellt am 24. Juni 2020 (05:45)
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Radfahren ist der neue Trendsport, beliebte Freizeitbeschäftigung und auch als praktisches und umweltfreundliches Verkehrsmittel erlebt der Drahtesel gerade einen Boom. „Anfangs war es unsicher, wie es in der Corona-Krise weitergeht“, berichtet Roman Spatzierer vom Fahrradshop „Raditäten“ im Kurzentrum in Bad Deutsch-Altenburg. „Dann hat das Fahrrad als Möglichkeit, sich ohne Kontakt zu bewegen und etwas für den Körper zu tun, nach Ostern einen regelrechten Boom erlebt.“ Auch die Klimaschutzdebatte fördere den Trend zum Fahrrad. Spatzierers Werkstatt ist ausgelastet, zwar bleibt für schnelle Reparaturen immer etwas Zeit, wer aber einen Servicetermin braucht, sollte einen Monat vorausplanen. „Unser Credo lautet, wir möchten Qualität bieten, dafür braucht man Zeit.“

Fischamends Wirtschaftsstadtrat Gerald Baumgartlinger (Liste RAM) ist oft mit dem Fahrrad unterwegs – und war dies auch schon vor der Coronakrise. „Gerade innerhalb von Fischamend fahre ich meistens mit dem Rad“, erklärt er im NÖN-Gespräch. Erst vor Kurzem hat Baumgartlinger sich ein E-Bike gekauft. Damit möchte er wieder öfters nach Wien ins Büro radeln. „Von Fischamend bis in den neunten Bezirk bin ich circa eine Stunde und 15 Minuten unterwegs“, berichtet der Stadtrat. Ihm gehe es beim Radfahren vor allem darum, Bewegung zu machen. Auch seine Familie zieht dabei mit: „Wir probieren, mit den Kindern kleinere Ausfahrten zu machen.“ Durch Corona habe sich daran jedenfalls für ihn nicht viel geändert.

Es wäre toll, wenn die Radwege nicht schon bei der nächsten Kreuzung enden würden.“ Extrem-Radsportler Michael Strasser

Extrem-Radsportler Michael Strasser aus Trautmannsdorf war in den ersten Wochen der Krise maximal mit seiner Freundin mit dem Rad unterwegs, erst später dann auch wieder in der Gruppe. „Ich nutze das Radfahren oft, um Stress abzubauen oder um ein Problem, das mich gerade beschäftigt, zu lösen. Bei mir muss es nicht immer auf ein Training ausgelegt sein, ich tue auch gerne was für die Gesundheit. Ich fühle mich danach ausgeglichener und kann klarer denken“, sagt Strasser.

Einig sind sich alle drei, dass bei den Radwegen im Bezirk noch viel Luft nach oben ist. „Bei den Verbindungsstrecken besteht noch Verbesserungsbedarf“, sagt Radshop-Chef Spatzierer. Ebenso sei zu bemängeln, dass Ausflügler und Radfahrtouristen über Sperren von Radwegen, wie bei Bauarbeiten im Hochwasserschutz entlang der Donau, zu wenig informiert würden.

Baumgartlinger ist vor allem mit den Radwegen in Richtung Wien vertraut. „Ich bin froh, dass es den Radweg neben der B9 gibt. Er ist vielleicht nicht so attraktiv, aber so ist es viel sicherer“, erklärt er. Er würde sich wünschen, dass es in der Umgebung noch mehr Radwege gäbe, die baulich von der Straße getrennt sind. Insbesondere bei Radtouren mit Kindern wäre so mehr Sicherheit gegeben.

Profi-Radler Strasser hält das Radwegenetz ebenfalls für stark verbesserungswürdig: „Im Vergleich zum Burgenland, wo das Radnetz komplett ausgebaut und auch toll beschildert wurde, ist in unserer Region noch viel Potenzial gegeben. Es wäre toll, wenn die Radwege nicht schon bei der nächsten Kreuzung enden würden. Ich denke, es gibt in der Region zwar Ansätze, aber es wird noch lange dauern, bis sich in diesem Bereich etwas bewegt.“

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