Schulen im Corona-Semester: „Sind auf Chaos eingestellt“

Erstellt am 26. Januar 2022 | 05:28
Lesezeit: 4 Min
Volksschule Schwadorf
In der Volksschule Schwadorf blieb man im letzten Semester großteils von Corona verschont – es gab nur vereinzelte Fälle.
Foto: NÖN
Pannen bei den PCR-Tests, sich ständig ändernde Vorgaben – Lehrer und Schüler im Bezirk Bruck überrascht nicht mehr so schnell etwas.
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„Seit nunmehr zwei Jahren bestimmt diese Pandemie unser Leben. Wir alle müssen mit Einschränkungen unserer persönlichen Freiheit leben“, erklärt Reiner Wittolowitsch, Obmann des Elternvereins der Volksschule Hainburg. Besonders betroffen seien da natürlich die Kinder, die diese Maßnahmen der Regierung oft nicht verstünden.

Als Vorsitzender des Elternvereins sei er davon überzeugt, dass die Schule alles Menschenmögliche unternehme, um die Kinder zu schützen. „Leider lässt das Bildungsministerium in Verbindung mit der Gesundheitsbehörde die Schulen total im Stich. Ich kann von Eltern berichten, deren Kinder in Quarantäne geschickt wurden, am nächsten Tag kommt eine Meldung, dass sie sich freitesten könnten, am dritten Tag ist wieder alles revidiert und die Quarantäne bleibt doch aufrecht“, so der Elternvertreter.

Weiterhin Chaos mit PCR-Tests

So entstehe der Eindruck, dass die Schule mit dieser Situation total überfordert wäre: „Wenn Weisungen einer Behörde von einer anderen Stelle wieder aufgehoben werden, ist es einfach nur verständlich, dass die Schule keine klaren Aussagen machen kann“.

Das erschütterndste sei aber die PCR-Test Situation. „Die Schule ist natürlich verpflichtet, Tests durchzuführen. Was bringt das aber, wenn diese Tests teilweise oder sogar komplett verloren gehen?“, fragt Wittolowitsch. Oft seien Test-Sets einfach nicht lieferbar und die Direktion habe „dann Rechtfertigung gegenüber dem Bildungsministerium abzulegen, weil keine Testung stattgefunden hat.

Das ist typisch Österreich,“ findet Wittolowitsch. Seine Tochter Leonie ist zehn Jahre alt und geht in die vierte Klasse, kann also auch schon ein Lied von Unterricht in Pandemie-Zeiten singen. „Ich finde, was die meisten stört, ist die Maske am Sitzplatz zu tragen und dass wir wegen den hohen Zahlen von Corona nicht Turnen in den Turnsaal gehen können“, meint die Schülerin.

Für Samuel Plessing, Direktor der Mittelschule Mannersdorf, hat sich im vierten Semester der Pandemie schon einiges verändert: „Die Strukturen sind besser eingespielt und die Lockdowns haben nicht gegriffen.“ Während des Lockdowns seien kaum Schüler zu Hause geblieben, der Unterricht konnte großteils normal weitergehen.

Omikron versetzte Lehrern und Schülern Dämpfer

Dennoch wirke sich die Pandemie weiterhin auf die emotionale Stimmung von Lehrern und Schülern aus. Unter den Lehrkräften habe vor allem die Omikron-Variante einen psychischen Dämpfer hinterlassen. „Davor dachten wir, mit der Impfung geht es jetzt bergauf“, so Plessing. 

Kritik übt er daran, dass geimpfte Schüler nicht mehr als Kontaktpersonen gelten. Diese würden oft trotzdem erkranken. „Das fördert das Infektionsgeschehen“, gibt er zu bedenken. Für das nächste Semester wünscht er sich, dass die Durchführung der PCR-Tests wieder funktioniert. Aufgrund der Erfahrungen der letzten zwei Jahre wirft das Nichtfunktionieren in der Mittelschule aber auch niemanden mehr aus der Bahn. „Wir sind auf Chaos eingestellt“, sagt Plessing.

Für Volksschüler ist die Situation besonders schwer

Besonders für die Volksschüler, welche ohnehin erst seit kurzer Zeit die Schule besuchen, waren die letzten Semester eine Herausforderung. Der soziale Kontakt sei besonders für die Jüngsten wichtig, betont Schwadorfs Volksschullehrerin Brigitte Richter: „Wenn wir uns im Distance Learning befinden, können wir unsere Schüler nicht so gut unterstützen, wie in Präsenz. Deshalb war es uns immer ein Anliegen, dass die Schulen geöffnet bleiben, und ich denke, die Kinder sehen das genauso.“

Im letzten Semester war zur Freude von Richter die Schwadorfer Volksschule wenig von Corona betroffen. „Es gab nur vereinzelte Fälle und wir mussten kaum eine Klasse absondern. Die Hygienemaßnahmen wurden von den Lehrern, wie von den Kindern vorbildlich eingehalten.“

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