Vier Stellen wegen Ärztemangel unbesetzt

Erstellt am 06. Dezember 2022 | 20:00
Lesezeit: 3 Min
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Das Primärversorgungszentrum in Schwechat besteht seit 2019 und wird von vier praktischen Ärzten gemeinsam geführt.
Foto: Brigitte Wimmer
Im Bezirk Bruck werden seit Jahren für vier Kassenplätze Ärzte gesucht. Pensionswelle könnte Lage verschärfen.
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Insgesamt 74 Kassastellen gibt es im Bereich der Allgemeinmedizin und bei Fachärzten im Brucker Bezirk. Aufgerechnet auf eine Gesamtbevölkerungszahl von etwa 107.000 Einwohner klingt das nicht wirklich viel. So kommen etwa auf jeden der 44 praktischen Kassenärzte statistisch gesehen etwa 2.400 Patientinnen und Patienten. Erschwerend kommt nun dazu, dass die geburtenstarken Jahrgänge ins Pensionsalter kommen. Das trifft auch die medizinische Grundversorgung massiv.

Darüber hinaus wird es immer schwerer, vakante Kassenplätze nachzubesetzen, wie sich am Beispiel der Hausarztstellen in Bruck und Mannersdorf zeigt. In beiden Fällen sucht die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) seit 2019 nach Medizinern. Ebenfalls unbesetzt ist eine Hautarztstelle seit Sommer 2021 in Schwechat und die Kassenstelle für Allgemeinmedizin am Flughafen. Bewerber gibt es laut ÖGK derzeit für keine der vier offenen Stellen. Selbst eine Anschubfinanzierung hat dies bislang nicht geändert.

Weniger Ärzte aufgrund limitiertem Medizinstudium

Für den Brucker Frauenarzt Thomas Schwameis hat die immer stärker werdende Nachbesetzungsproblematik mehrere Gründe. So werden durch den „streng limitierten Zugang zum Medizinstudium“ weniger Ärztinnen und Ärzte an den öffentlichen Medizinuniversitäten ausgebildet. Ein Teil der Jung-Mediziner verlasse dann auch noch Österreich, um im Ausland zu arbeiten. „Warum sich dies der Staat Österreich gefallen lässt, verstehe ich nicht“, sagt Schwameis. Er würde Absolventen verpflichten, „für mindestens drei Jahre im öffentlichen Gesundheitssystem in Österreich zu arbeiten“.

Der Gynäkologe sieht zudem bei Fachärzten den Trend hin zur Wahlarztpraxis. Denn dort könnten Mediziner weiter nebenbei in Spitälern arbeiten, es gebe etwa bei der Honorargestaltung oder den Ordinationszeiten mehr Freiheiten und die Verpflichtung von Urlaubsvertretungen anderer Kollegen falle weg. Bei Fachärzten werde laut Schwameis „die Herausforderung immer größer, den Spagat zwischen den eigenen zunehmenden Fähigkeiten im diagnostischen und therapeutischen Bereich und den limitierten und nicht mehr ganz zeitgemäßen Honorarkatalogen der Krankenkassen noch zu bewältigen“.

Teamgedanke im Primärversorungszentrum

Er selbst müsse einen „Kompromiss zwischen meinen hohen ethischen Ansprüchen und der Realität eines Kassenarztes“ finden. Denn hohe Umsätze gebe es nur bei möglichst vielen Patientinnen. Die Entscheidung falle damit zwischen Arzt- oder Kaufmann-Dasein, mit einer „Drei-Minuten-Medizin.“ Seine Entscheidung stehe fest: „Ich bin Arzt. Ich leiste Wahlarztservice zum Kassentarif, nur zum Smalltalk habe ich wenig Zeit.“

Einen relativ neuen Ansatz verfolgt man in Schwechat mit dem Primärversorgungszentrum (PVZ), bei dem sich vier Ärzte um Robert Grubmüller und Martin Ruttner zu einer Praxis zusammengeschlossen haben. Geschäftsführer Petra Dorfstätter sieht darin mehrere Vorteile: „Einerseits für die Patienten durch längere Öffnungszeiten und die Arbeit im Team. Unsere Ärzte tauschen sich gerne untereinander aus, aber auch mit anderen Berufsgruppen im PVZ.“ Der Teamansatz könne für Jung-Ärzte im Gegensatz zu einer Einzelpraxis auch ein Anreiz sein, glaubt Dorfstätter.

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