Warmer November: „Wetter ist ein großes Problem“

Schwierigkeiten vor allem für die Schifffahrt und die Landwirtschaft.

Erstellt am 14. November 2018 | 02:07
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Im Schaugarten von Anita Pozzobon in Schwechat kann man derzeit noch so manch blühende Pracht bewundern.
Foto: privat

Der Nebel in den vergangenen Tagen war ein erstes Anzeichen dafür, dass der November schon längst ins Land gezogen ist. Wo die Sonne durchkam, kletterten die Temperaturen rasch – und bei 20 Grad konnte man zuletzt kaum glauben, dass der Herbst uns eigentlich fest im Griff hat.

Doch nicht für alle sind die ungewöhnlich warmen Temperaturen verbunden mit der anhaltenden Trockenheit erfreulich. Die Landwirte in der Region stellen sie etwa vor große Herausforderungen. „Das warme Wetter ist wirklich ein großes Problem“, betont Otto Auer, Vizepräsident der niederösterreichischen Landwirtschaftskammer und VP-Bürgermeister von Höflein. Sowohl für Winterweizen und -gerste als auch für Zuckerrüben seien die Bedingungen schwierig. „Der Winterweizen und die Wintergerste keimen oft nicht, weil es zu trocken ist. Beides geht schlecht und nur verzögert auf“, erzählt Auer. Bei der Zuckerrübe sorge der trockene November für Verluste. 20 bis 25 Prozent bleiben bei der Ernte im Boden stecken, weil sie aufgrund der Trockenheit so fest in der harten Erde sitzen.

Temperaturstatistik Neunkirchen
Quelle: ZAMG; Foto: MNStudio/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Außerdem führt der durch die Trockenheit harte Boden auch zu einer Steigerung des Treibstoffverbrauches. „Die harte Erde erschwert das Pflügen. Der Treibstoffverbrauch ist deshalb 15 bis 20 Prozent höher“, sagt Auer. Einzig auf Früchte wie den Mais habe der warme November positive Auswirkungen. „Da er schon recht trocken ist, muss der Mais für die Lagerung nicht mehr so stark getrocknet werden“, erzählt Auer. Damit spare man sich einige Kosten, ohne Gefahr zu laufen, dass der Mais bei der Lagerung gären oder schimmeln könnte.

Besonders die Trockenheit sorgt auch auf der Donau seit Monaten für extremes Niederwasser. Am Montag wurde ein Wasserstand von nur 114 Zentimetern bei Wildungsmauer gemessen. Von einem weiteren Absinken wurde ausgegangen. Dabei sprach die Via Donau schon im August von einem Minusrekord. Transportschiffe können bei so niedrigen Wasserständen nur mit deutlich weniger Ladung fahren, um den Tiefgang zu beschränken. In extremen Situationen ist sogar ein Umladen für den Weitertransport notwendig. Eine Sperre der Donau ist allerdings bei Niedrigwasser nicht vorgesehen, sie kann nur bei Hochwasser oder Eisstößen angeordnet werden.

Sumpfschildkrötensonnen sich noch

Die Tierwelt im Nationalpark Donau-Auen reagiert auf die warmen Temperaturen unterschiedlich, wie Erika Dorn vom Nationalpark erklärt: „Zeitgeber“ der Tiere für die nahende kalte Zeit seien die Faktoren Temperatur und Tageslichtlänge. Wechselwarme Tiere wie Reptilien und Amphibien seien durch den bislang milden Herbst länger aktiv. „Nach wie vor können Schlangen und Europäische Sumpfschildkröten beim Sonnenbad entdeckt werden. In kalten Novembern wären sie bereits in winterlicher Kältestarre. Nahrung wird aber kaum mehr aufgenommen“, sagt Dorn.

Säugetiere wie das Rotwild könnten hingegen sogar davon profitieren, dass die pflanzliche Kost für sie länger verfügbar bleibt als unter einer frühen Schneedecke. Für Arten mit Winterruhe hingegen, wie etwa Eichhörnchen, könne die zu hohe Temperatur aber bedeuten, dass sie nicht in Schlaf verfallen „können“ und daher erhöhten Energieaufwand haben. „Fledermäuse, die verfehlt aufwachen, werden kaum Nahrung finden, da die sommerlichen Insekten fehlen“, sagt Dorn.

Aber auch in privaten Gärten regt sich ob der warmen Temperaturen manch Ungewöhnliches. Rosen blühen vielfach immer noch, aber auch Flieder und andere Sträucher knospen.