Wirtesterben: Die Nachfolge als Krux. Von 79 Gasthäusern sind aktuell nur 54 auch in Betrieb. Fortbestand steht und fällt mit der richtigen Nachfolge.

Von Josef Rittler, Nicole Frisch, Otto Havelka und Gerald Burggraf. Erstellt am 05. Juni 2019 (02:11)
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Das Überleben eines Wirten sei laut Leopoldsdorfs VP-Bürgermeister und Wirtschaftskammerobmann Fritz Blasnek abhängig vom Standort und der Frequenz seines Lokals. Aber auch die Nachfolge spielt dabei eine wichtige Rolle. Dass sein Sohn das eigene Wirtshaus nicht übernehmen wollte, war unter anderem ein Grund, warum der ehemalige Gastronom dieses 2015 geschlossen hat. Seither musste in seiner Gemeinde allerdings kein Wirtshaus mehr schließen. Ein „großes Wirtesterben“ sieht Blasnek daher weder in Leopoldsdorf noch in Niederösterreich.

Keine Probleme mit dem Phänomen des „Wirtesterbens“ hat man auch in Petronell-Carnuntum. Das Angebot an Gastronomie ist breit, vom Hotelrestaurant „Marc Aurel“, dem klassischen Gasthof „Heidentor“ und dem prominent gelegenen Café „Il Centro“ bis zur „Schmankerlstube“ in der Tennishalle und dem gemütlichen Lokal „Baucherl“.

Berufszweige NÖ Grafik
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„Wir haben den Vorteil, dass sich bei den Wirten, die in Pension gegangen sind, immer ein Nachfolger gefunden hat“, erklärt Bürgermeister Martin Almstädter (SP), der selbst mit der Familie und Freunden gern die Petroneller Gaststuben besucht. „Die Gastronomiebetriebe decken auch jeweils eigene Besucherschichten ab, das Angebot ist vielfältig.“ Dass sich die Römerstadt Carnuntum günstig auf die Gastronomie im Ort auswirke, sieht Almstädter so nicht. „In erster Linie sind es die Einheimischen, die die Gastbetriebe frequentieren.“

Von den Einheimischen alleine kann Manuela Schwarz jedoch nicht leben, wie sie unumwunden zugibt. Die Gastronomin betreibt seit Jahren das Restaurant „Klein & Fein“ im 1.300-Seelen-Ort Velm. Daher lädt sie regelmäßig zu Veranstaltungen von Konzerten bis zur Modeschau in ihr Lokal. Ohne solche Aktivitäten und Catering könnte sie „nicht überleben“, analysiert sie. Zwar verdiene sie bei den Veranstaltungen nichts, mache damit aber in einem größeren Einzugsgebiet auf sich aufmerksam.

Dass viele Neo-Gastronomen dennoch den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, beweisen Gerhard Gollner und seine Frau Alina Morarasu. Sie haben vor knapp einer Woche das leerstehende Lokal in Rannersdorf, als „GOMOS Rannersdorfer Stubn“ neu eröffnet. Für Gollner ging damit ein Kindheitstraum in Erfüllung, der aber mit viel Leidenschaft und Einsatz verbunden ist. „Dessen bin ich mir bewusst“, betont er. Zudem brauche es Durchhaltevermögen und natürlich Gäste – und „die ersten Reaktionen sind positiv“.