Aus 35.000 Euro wurden null

Ein Brucker Ehepaar vertraute einem nahezu Unbekannten einen hohen Geldbetrag an, um ihn in Kryptowährung anzulegen. Das tat er zwar, aber das Geld „verschwand“ danach.

Christian Pfeiffer Erstellt am 18. September 2021 | 05:31
Geld Banknoten Geldscheine Euro
Foto: NOEN, Symbolbild

Was Richter Martin Bodner auch nach der Verhandlung wegen Untreue ein Rätsel bleiben wird, ist, warum man jemandem, den man tatsächlich nicht kennt, 35.000 Euro in bar in die Hand drückt. Noch dazu, um den Betrag von dieser Person in einer Kryptowährung – also einem rein virtuellen Zahlungsmittel – anlegen zu lassen.

Genau dies tat ein Ehepaar aus Bruck im Jahr 2018, auf Empfehlung eines 31-Jährigen, der wegen des Vorwurfs, das Geld veruntreut zu haben, am Landesgericht Korneuburg angeklagt war. Der konkrete Vorwurf der Staatsanwaltschaft an den im indischen Delhi geborenen Österreicher lautete, er hätte am 7. Oktober 2020 den in der virtuellen Währung Xin-Coins veranlagten Betrag des 80 und 68 Jahre alten Paares vom Konto quasi verschwinden lassen. Die Sinnhaftigkeit der behaupteten Tat stellte Verteidiger Harald Redl vehement in Zweifel.

Zum Zeitpunkt des „Verschwindens“ des Geldes stellten die 35.000 ehemaligen Euro – aufgrund des tagesaktuellen Wechselkurses von 0,009 – einen Wert von gerade mal 300 dar. „Das Motiv ist widersinnig“, argumentierte Redl, „weil’s nichts wert war.“ Eine wesentliche Rolle in dieser Finanztransaktion spielte ein ehemaliger enger Freund des Angeklagten. Er meinte „das System ist total sicher“. Als Zeuge leugnete er zwar, das Bargeld des Paares übernommen zu haben. Nach Aussage der Pensionistin, einer ehemaligen Bankkauffrau, sei er aber der Empfänger des in mehreren Tranchen überreichten Betrags gewesen.

Bereits am 13. Oktober 2020 erstatteten die Investoren Anzeige gegen diesen Freund, mit dem sich das Paar inzwischen wieder ausgesöhnt hat – mit ein Grund, weshalb die Anzeige ins Leere lief. Ein wenig konnte einen der Verdacht beschleichen, dass der 31-jährige Angestellte zum Sündenbock für das, was Bodner „im Wesentlichen eine Spekulation“ nannte, gemacht werden sollte. Mangels belastbarer Beweise sprach der Richter den Angeklagten frei.

Das monetäre Fazit fällt noch ernüchternder aus: 35.000 Euro, 767.000 Krypto-Coins – Wert: annähernd null.