Einbrecherduo stolpert über eigene „Krähenfüße“. Über Monate hielten zwei Profi-Diebe die Polizei in Atem: Sie brannten Tatorte nieder, um Spuren zu vermeiden. Letztlich siegte die Ermittlerarbeit.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 12. März 2020 (05:44)
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Justiz Gericht Symbolbild
Der Mann wird in eine Anstalt eingewiesen
APA/Webpic

Bis man den zwei Slowaken auf die Spur kam, dauerte es Monate an harter, oft an Verzweiflung grenzender Ermittlungsarbeit des Landeskriminalamtes Niederösterreich, denn das Einbrecherduo, der 44-jährige Peter T. und Martin K. (36), hinterließ an den Tatorten keinerlei Spuren.

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Ausdauer und Hartnäckigkeit von Chefermittlerin Gudrun Bischof führten zum Erfolg.
NOEN

Und an Tatorten gab es viele in Niederösterreich. Neben Bruck etwa auch Neudorf bei Staatz, Kottingbrunn, Oberwaltersdorf, Böheimkirchen, Guntramsdorf und zweimal Wiener Neustadt. Die Täter legten sie in Schutt und Asche, um keine verräterischen Hinweise zu hinterlassen.

Das Duo hatte sich auf die Plünderung von Geldautomaten spezialisiert. Es schlug in Eingangsfoyers von Bank- und Sparfilialen zu. In Bruck war es der Bankomat im Foyer der Eurospar-Filiale im Ecoplus-Park. Dabei gingen die beiden Slowaken mit Brachialgewalt vor: Ließen sich die Eingänge mit Werkzeug nicht bezwingen, wurde das zuvor gestohlene Fahrzeug einfach als Rammbock verwendet. Anschließend schnitten sie mit einem Winkelschleifer den Geldausgabeautomaten auf, rissen die Tür weg und stahlen die Kassetten mit dem Bargeld.

Sachschaden beläuft sich auf 2,7 Millionen

In den NÖ Sparfilialen in Guntramsdorf, Kottingbrunn, Oberwaltersdorf und einer burgenländischen Zweigstelle (in Walbersdorf) schlug das Duo erfolgreich zu, und es konnte mit einer Gesamtbeute von über 188.000 Euro flüchten. Die Angriffe in Bruck, Wiener Neustadt, Neudorf bei Staatz, Böheimkirchen, einer in Oberösterreich und einer in einer Bank im Burgenland schlugen fehl. Der Zugriff auf die Geldkassetten blieb dem Einbrecherduo verwehrt und es flüchtete mit leeren Händen. Alle Tatorte wurden von dem Einbecherduo mit mitgebrachtem Benzin übergossen und angezündet.

Der Sachschaden, den die beiden Automaten-Knacker bei der Spurenvernichtung angerichtet haben, beläuft sich auf über 2,7 Millionen Euro. Damit nicht genug: Auch die gestohlenen Fahrzeuge bei den Tatausführungen wurden abgefackelt.

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Im Hintergrund der vorsitzenden Richterin Monika Zbiral die chronologische Auflistung der Straftaten der zwei abgebildeten Slowaken.
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Die Täter achteten akribisch darauf, keinerlei Spuren zu hinterlassen. Sie agierten vermummt, um den Videokameras kein Konterfei zu liefern, mit Handschuhen und entledigten sich nach den Taten auch der jeweiligen Kleidung. Sie benutzten keine Mobiltelefone und legten sogar Polizeifahrzeuge vor den Taten lahm. So zerstachen sie unter anderem in Günselsdorf und Bad Vöslau die Reifen von Streifenwagen, um eine etwaige Verfolgung zu verhindern.

„Krähenfüße“ führten Ermittler zu den Tätern

Das Duo hatte noch einen teuflischen Joker in petto: Mit Eisenkrallen, sogenannten „Krähenfüßen“, schalteten sie Verfolgerfahrzeuge aus.

Nach dem erfolgreichen Coup in Guntramsdorf am 11. April vergangenen Jahres nahmen aufgrund einer Alarmauslösung mehrere Polizeistreifen die Verfolgung auf. Das Duo streute Krähenfüße auf die Fahrbahn aus, wodurch die Reifen der nacheilenden Dienstfahrzeuge beschädigt und die Beamten an der weiteren Verfolgung und Anhaltung gehindert wurden. Gefährlich wurde es auch am 23. August 2019 auf der Autobahn A 1 Richtung Linz: Bei Tempo 250 schleuderten die Slowaken Krähenfüße auf die Fahrbahn, um Verfolger zu stoppen. Das gelang ihnen auch: Zwei Polizeistreifen und sechs weitere unbeteiligte Fahrzeuge wurden beschädigt. Zum Glück kam es zu keinen weiteren Unfällen mit Verletzten.

Duo wandert für über acht Jahre hinter Gitter

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Verteidiger Thomas Nirk legte dem Slowaken Peter T. ein Geständnis nahe, um ein milderes Urteil zu erhalten.
NOEN

Letztlich wurden die Krähenfüße aber den Tätern zum Verhängnis: Auf einer der Krallen wurde die DNA des vorbestraften Slowaken Peter T. gefunden und bald darauf klickten bereits die Handschellen. Das angeklagte Duo zeigte sich vor Gericht wortkarg. Außer den Worten „schuldig“ war den beiden Profi-Einbrechern nicht viel zu entlocken.

Der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Monika Zbiral verurteilte das Duo nach einem umfangreichen Beweisverfahren wegen gewerbsmäßigen Einbruchdiebstahls, Brandstiftung, vorsätzlicher Gemeingefährdung, schwerer Sachbeschädigung und Widerstands gegen die Staatsgewalt zu Gefängnisstrafen: acht Jahre und zehn Monate für Peter T.; acht Jahre und drei Monate unbedingt für Martin K. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.