Festival im Park wirbelt Staub auf

Erstellt am 09. März 2022 | 05:52
Lesezeit: 4 Min
Schlosswiese im Brucker Harrachpark
Foto: Susanne Müller
Das „Paradies-Garten-Festival“ soll von 5. bis 7. August auf der Schlosswiese im Brucker Harrachpark stattfinden. Im Vorfeld werden Bedenken laut.
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Der Harrachpark ist als Naherholungsgebiet mitten in der Stadt bei vielen Bruckern beliebt. Die Pläne für ein dreitägiges Musik-Festival im August haben daher gehörig Staub aufgewirbelt.

Nach einer ersten Besprechung dazu mit Eigentümer Beppo Harrach und dem Veranstalter des geplanten „Paradies-Garten-Festivals“, Felix Mayr-Melnhof, kamen erhebliche Bedenken des Vereins „Freunde des Harrachparks“. Der Verein rund um Obmann Josef Sailer wandte sich mit seinem Schreiben an die Medien und an alle Anrainer und Vereinsmitglieder.

„Wir sind der Meinung, dass eine derartige Veranstaltung, aufgrund einer erheblichen Belastung der Natur und Belästigung der Bevölkerung (Lärm und Verkehr) vor allem auch aus naturschutzfachlicher Sicht nicht mit einem Landschaftspark in Einklang gebracht werden kann. Der Park würde nicht wiedergutzumachende Schäden erleiden“, so Obmann Josef Sailer.

Wir glauben, dass wir mit Paradies Garten neues Publikum anziehen können.“
Beppo Harrach, Harrachpark-Eigentümer

Der Verein hege massive Bedenken, inwieweit diese Veranstaltung mit der Erhaltung des Parks als Natura2000 bzw. Europaschutzgebiet verträglich sein kann. Er verweist darauf, dass sich im Harrachpark eine Vielzahl an Baumraritäten und Glatthaferwiesen und ein wertvoller Altbaumbestand mit Totholz befindet, „von der Tier- bzw. Vogelwelt mal ganz abgesehen“, nennt der Verein unter anderem Eisvogel, Graureiher, Weißstorch, Schwarzspecht, Mittelspecht und Biber. Außerdem herrsche im Park auch striktes Wegegebot.

Betont wird allerdings, dass der Verein nicht grundsätzlich gegen die Veranstaltung sei, nur eben gegen deren Abhaltung im Harrachpark.

Park-Eigentümer Beppo Harrach ist über die Aussendung des Vereins freilich wenig erfreut. „In diesem Rundschreiben werden Unwahrheiten dargestellt, um möglichst viele Leute gegen die Veranstaltung aufzubringen“, so Harrach.

1600 Camper erwartet

Ebenso wie Veranstalter Mayr-Melnhof betont Harrach, dass das Festival nicht im Park selbst, sondern auf der Schlosswiese stattfinden soll, also jenem Bereich hinter dem Schloss, der nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Lediglich für das Übernachten sei ein Teil des Parks vorgesehen, nämlich die Festwiese. „Den Besuchern wird neben lokalen Hotels auch eine Übernachtungsmöglichkeit in Form von Camping angeboten“, so Mayr-Melnhof.

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Der Harrachpark als Standort für das „Paradies-Garten-Festival“ wird nicht von allen für gut befunden.
Foto: Susanne Müller

Es stimme aber nicht, dass die erwarteten 5.000 Besucher alle dort campieren würden, sondern wohl nur etwa 1.600 – „und das in einem abgesperrten Bereich auf der Festwiese“, erklärt Harrach. Und die habe etwa bei 20 Jahren Rot Kreuz Fest schon deutlich Schlimmeres erlebt.

„Die großen Fahrgeschäfte, das Festzelt, die Besucher und die Lkw, welche alles an- und abgeliefert haben, waren für die Wiese deutlich schlimmer, als die Camper in ihren kleinen Zelten es je sein werden“, betont Harrach. Wie auch von der Bezirkshauptmannschaft auf NÖN-Anfrage bestätigt wird, liegt bereits eine naturschutzrechtliche Bewilligung für die Veranstaltung vor. Eine Stellungnahme der NÖ Umweltanwaltschaft und des ASV für Naturschutz besage laut Veranstalter Mayr-Melnhof, dass eine erhebliche Beeinträchtigung unwahrscheinlich sei.

Verkehrskonzept wird erarbeitet

„Das Verfahren nach dem NÖ Veranstaltungs-Gesetz ist noch nicht abgeschlossen“, erklärt Bezirkshauptmann-Stellvertreter Dominik Lappel. Dafür werde etwa noch an einem Verkehrskonzept gearbeitet, das den Verkehr möglichst vom Stadtzentrum fernhalten soll. „Autos sollen von der A4 Abfahrt Bruck Leitha Ost direkt auf einen Parkplatz bei der Spannweide geleitet werden“, so Harrach. Darüber hinaus will Veranstalter Mayr-Melnhof seine Gäste mit Boni dazu verleiten, möglichst mit der Bahn oder per Car-Sharing zu kommen.

„Wir sind der Überzeugung, dass Bruck an der Leitha eine wunderschöne und lebenswerte Stadt ist“, betont Harrach, dass man versuche, diese Schönheiten auch Besuchern zu zeigen. „Wir glauben, dass wir mit Paradies Garten neues Publikum anziehen, und kultivierten, kosmopolitischen Besuchern die Schönheit der Stadtgemeinde Bruck näherbringen können, sowie unseren Bürgern ein neues Angebot, Schloss Prugg zu erleben, anbieten können“, so Harrach.

Dass dies in einer Form geschehe, die dem Harrachpark keinen Schaden zufügt, sei ihm wichtig, betont Mayr-Melnhof, dass es sich um ein „grünes“ Festival handeln soll: „Es ist uns als Veranstalter ein großes Anliegen, auf unsere Bestrebungen im Sinne der Nachhaltigkeit unserer Musik-Veranstaltung und den respektvollen Umgang mit der umliegenden Natur einzugehen.“

Dazu gehöre nicht nur der respektvolle Umgang mit dem Veranstaltungsort, sondern auch die Auswirkungen darüber hinaus. „Deshalb setzen wir bei der Umsetzung dieses Events konsequent auf erneuerbare Energien, verzichten auf Einwegplastikprodukte auf dem gesamten Festivalgelände, bieten ausschließlich vegetarische Speisen an und kompensieren nach der Veranstaltung sämtliche CO2-Emissionen.“ Ein Nachhaltigkeitskonzept solle dies sicherstellen. Für das „Paradies-Garten-Festival“, das seit 2015 bei Brüssel veranstaltet wird, habe man sogar beim „Greener Festival Award“ eine Top-Bewertung erhalten.

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