Drei Männer wegen Banküberfalls vor Gericht. 233.000 Euro sollen drei Männer (zwei 29-Jährige und ein 49-Jähriger) bei einem Banküberfall im Herbst 2017 im Bezirk Bruck an der Leitha erbeutet haben.

Von Redaktion, APA. Update am 20. Februar 2018 (13:12)
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Der Angeklagte wurde zu neun Monaten bedingter Haft verurteilt.
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Sie mussten sich am Dienstag am Landesgericht Korneuburg vor einem Schöffensenat unter Richtervorsitz von Manfred Hohenecker verantworten. Der Erst- und Zweitangeklagte bekannten sich teilschuldig, der Dritte war vollinhaltlich geständig.

Nach damaligen Polizeiangaben hatte ein Maskierter am 20. Oktober den Angestellten der Filiale in Moosbrunn mit einem Gegenstand, den er unter seinem Pullover nach vorne drückte, bedroht und lautstark Geld gefordert. Er ließ sich Bargeld in ein Sackerl geben und flüchtete aus dem Geldinstitut. Eine Alarmfahndung verlief erfolglos. Das Opfer blieb unverletzt, erlitt aber einen Schock.

150.000 Euro des geraubten Geldes wurden noch nicht gefunden

Wenige Tage später wurde ein 29-jähriger, einschlägig Vorbestrafter als Tatverdächtiger ausgeforscht und in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert. Teile der Beute wurden sichergestellt. In der Folge wurden auch die Mittäter festgenommen. Einer soll damals als Lenker des Fluchtwagens agiert haben, beim zweiten wurde Geld gefunden, das von dem Coup stammte.

Im Vorverfahren hätten die Beschuldigten nur zugegeben, was ihnen sowieso nachgewiesen werden konnte, sagte der Richter und verwies darauf, dass sich angesichts ihrer Vorstrafen umfassende Geständnisse mildernd auswirken würden. Der Erstangeklagte bekannte sich in der Folge zwar schuldig, bestritt aber, eine Waffe gehabt zu haben. Der Zweitangeklagte, der laut Staatsanwältin an der Planung des Coups beteiligt war und die Beute versteckt hatte, wollte erst im Nachhinein von dem Raub erfahren haben. Laut Hohenecker sind bis dato 150.000 Euro des geraubten Geldes nicht gefunden worden.

Angeklagte hatte Öffnungszeiten der Bank gegoogelt

Die beiden 29-Jährigen waren arbeitslos, der 49-jährige Vater von drei Kindern damals im Krankenstand. Er war fünf Tage nach dem Coup selbst zur Polizei gegangen und schilderte heute, "eingewilligt" zu haben, den beiden in Geldnöten befindlichen Männern bei dem Überfall zu "helfen", indem er das Fluchtauto lenkte. Er habe wohl auch Geld gebraucht, erinnerte der Richter ihn an diverse Außenstände und zudem daran, dass er nach dem Coup täglich in Ungarn im Casino gewesen sei.

Dass sich der Erstangeklagte laut einer Zeugenaussage bereits eine Woche vor der Tat eine Gaspistole ausborgen wollte, wollte der Drittbeschuldigte nicht gewusst haben. Wenige Tage vor der Tat waren alle drei auf Lokaltour, in deren Zuge bereits das Messer im Spiel war, hielt der Richter dem Mann vor - ebenso wie die Tatsache, dass dieser die Öffnungszeiten der Bankfiliale gegoogelt hatte.

"Bin kein typischer Bankräuber"

"Ich bin kein typischer Bankräuber", beteuerte der Erstbeschuldigte, keine Waffe eingesetzt zu haben. Tatsächlich habe er aber nur sechs Monate nach seiner vorzeitigen Haftentlassung nach einem Bankraub - damals unter Verwendung einer Softgun - einen weiteren begangen, stellte Richter Manfred Hohenecker dazu fest.

Die Aufteilung der Beute sei zuvor nicht genau vereinbart worden, sagte der 29-Jährige. Als der Drittangeklagte und er die Geldpackerln aus dem Sack holten und "halbe halbe" ausgemacht hätten, habe der 49-Jährige ihn "beschissen". Ihm blieben 107.000 Euro. Der Zweitangeklagte - sein bester Freund - habe nichts gewusst. Warum dieser dann Geld - 10.000 Euro - bekommen habe? "Weil er mein Kumpel ist", meinte der 29-Jährige, den sein Freund danach 19 Mal angerufen, aber nicht erreicht hatte, weil er sein Handy verloren - oder aber, wie man vermuten könnte, weggeworfen - hatte.

An jenem Tag war - im Vorfeld des Weltspartages - überdurchschnittlich viel Geld in der Filiale, die Kriminalbeamten nannten damals die Auswahl des Tat-Tages einen "Tausend-Gulden-Schuss", erwähnte Hohenecker die Bekanntschaft des Vaters des Drittbeschuldigten mit dem Bankdirektor. Auf die Richterfrage, ob der 29-Jährige vom drittangeklagten türkischen Staatsbürger für den Überfall engagiert worden wäre, entgegnete dieser, dazu "überredet" worden zu sein.

Der Zweitangeklagte war bei dem Coup in St. Pölten mit einer bedingten Strafe davon gekommen und nahm seinen Freund nach dessen Haftentlassung bei sich auf. Er selbst war in akuten Geldnöten, hatte Zahlungen nach Privatkonkurs und für die Miete eines Fischteichs, mit dem sich die beiden gemeinsam selbstständig machen wollten. Es sei damals ausgemacht gewesen, dass sein Freund sich Geld ausborgen und ihm geben würde - auf einen Bankraub hätte er sich niemals eingelassen, beteuerte er. Als er nach Eisenstadt kam, wo der Drittbeschuldigte wohnte, traf er beide an - mit einem Sack voll Geld. 10.000 Euro wurden dann in der Wohnung des Zweitangeklagten sichergestellt, 70.000 Euro waren in einer versteckten Tischlade in einem Lager in Stockerau "gebunkert" worden. Über den Verbleib der anderen Hälfte des Geldes war in der Verhandlung nichts zu hören.

Bei einem befreundeten Taxifahrer (34) hatte sich der 49-Jährige einen Tag vor dem Überfall eine Gaspistole ausborgen wollen, "um Kohle zu machen". Ihm sei klar gewesen, dass es sich um etwas Verbotenes handeln müsste, deshalb wollte er damit nichts zu tun haben, sagte der Zeuge, Landsmann des Drittbeschuldigten. Ein weiterer Türke wurde ebenfalls befragt. Er wurde laut Hohenecker in der Causa bereits wegen Geldwäsche und Begünstigung verurteilt, nun erwartet den Mann eine neue Anklage wegen Beteiligung. Ein Zellengenosse aus der U-Haft gab an, der Erstangeklagte habe ihm erzählt, bezüglich der Bank in Moosbrunn einen Tipp bekommen zu haben - von wem, wusste der Zeuge allerdings nicht.