Schlepperprozess: Dicke Luft im Gerichtssaal. Ein bisschen dicke Luft herrschte gleich zu Beginn der Schöffenverhandlung am Landesgericht Korneuburg, da das durchaus rege Medieninteresse mit dem Hinweis von Richterin Monika Zbiral auf ein Fotoverbot gedämpft wurde.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 25. März 2021 (17:02)
APA (Pfarrhofer)

Luft, beziehungsweise das Fehlen derselben, war aber auch zentraler Bestandteil des angeklagten Falls von Schlepperei. Ein 52-jähriger Türke soll am 9. September 2020 in einem präparierten Kühltransporter 43 Migranten von Rumänien über Ungarn nach Österreich geschleppt haben.

Unterstützt wurde er dabei von seiner 42-jährige Freundin, die dem Laster voraus fuhr, um ihn vor etwaigen Polizeikontrollen zu warnen. Sowohl der Fahrer des Lkw als auch die Rumänin zeigten sich von Beginn an geständig. Der Verteidiger des 52-Jährigen, Serkan Dikme, hob bei seinem Eröffnungsplädoyer bereits die große Kooperationsbereitschaft seines Mandanten hervor. Nach kurzem anfänglichen Leugnen bei seiner Verhaftung nannte er schon bald darauf Hintermänner, die er sogar identifizieren konnte.

Das ermöglichte die weitere Verfolgung dieser kriminellen Vereinigung. Denn dass das Paar zu den „kleinen Fischen“ gehört, daran bestand auch für Staatsanwalt Matthias Neunteufel kein Zweifel. Das Gericht beschäftigten vielmehr die Umstände dieser Schlepperfahrt und was sie für die „Passagiere“ bedeutete. Sehr anschaulich verglich Richterin Zbiral: „Dieser Gerichtssaal hat etwa 70 m2, ist viereinhalb Meter hoch und es befinden sich 20 Personen darin. Jetzt stellen Sie sich den Raum halb so klein vor und verdoppeln die Anzahl der Personen.“

Dass es sich bei dem Fahrzeug um einen Kühllaster handelte, verschärfte die Situation für die Syrer und Iraker, da solche Transporter darauf ausgelegt sind, möglichst wenig Luftaustausch zuzulassen, um eine möglichst optimale Kühlung zu gewährleisten. Das ließ bei einigen Beteiligten Erinnerungen an die Tragödie in Parndorf 2015 aufkommen, als 71 Migranten in einem Kühllaster starben. Im Unterschied zu damals verfügte der gegenständliche Lkw über eine 34 mal 75 Zentimeter kleine Luke, durch die die Flüchtlinge auch ins Fahrzeug gekrabbelt sind.

Knapp größerer Tragödie entgangen

Die Zustände, die vier der Geschleppten in ihren Aussagen schilderten, führten auch den Angeklagten vor Augen, dass sie nur knapp einer größeren Tragödie entgangen sind. Einigen sei ob der Luftverhältnisse schlecht geworden, einer sei in Ohnmacht gefallen und war für einige Zeit bewusstlos. Man habe ihn zu der Luke geschleift, dass er mehr Luft bekäme. Bei ihrem Aufgriff am 9. September in der Nähe der Autobahnausfahrt Bruck West, bei dem sich der Fahrer den Beamten stellte, mussten einige von der Rettung betreut werden.

Zwar argumentierte Martin Mahrer - als Verteidiger der 42-jährigen Rumänin - in seinem Schlussplädoyer, dass seine Mandantin das alles nur aus Liebe zu dem Mann gemacht habe und bat um ein mildes Urteil. Dem folgte der Schöffensenat jedoch nicht. Der 52-jährige Türke wurde zu drei Jahren Freiheitsstrafe, davon zwei Jahre bedingt, die Frau zu zwei Jahren und acht Monaten verurteilt, wobei auch bei ihr zwei Jahre bedingt nachgesehen werden. Die bedingten Strafen unterliegen einer dreijährigen Probezeit.