Kulturbudget auf Tiefstand

Für alle kulturellen Aktivitäten stehen heuer nur 10.000 Euro in Bruck zur Verfügung. Information an die Vereine soll schriftlich erfolgen.

Erstellt am 12. Januar 2022 | 05:54
Lesezeit: 3 Min
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Das Kulturförderbudget ist heuer drastisch gekürzt.
Foto: Shuttertock/Vitaliy Krasovskiy

Schon bei der Gemeinderatssitzung im Dezember war ÖVP-Stadtrat Christian Vymetal aufgefallen, dass es bei den Subventionsvergaben keine Förderungen für die Kulturvereine gegeben hatte.

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„Ich weiß zumindest von drei Kulturvereinen, dass sie angesucht haben“, zeigte sich Vymetal verwundert, weil die Vereine nicht einmal informiert worden seien, dass es für sie keine Subvention geben werde. Die letzte Ausschusssitzung habe zudem im September stattgefunden.

„Für 2022 beträgt die Budgetsumme für die Kultur 10.000 Euro“, so Vymetal. Gerüchteweise habe er gehört, dass der Gesamtbetrag für eine Kulturveranstaltung vorgesehen sei. Wiewohl er diese Gewichtung auch skeptisch sehe, sei es vor allem wichtig, „die Kulturvereine nicht im Regen stehen zu lassen“, forderte Vymetal, dass ein Kulturbeirat abgehalten werde, wenn nötig online, in dem die Kulturvereine informiert werden, ob es 2022 eine Chance auf Subventionen gibt.

Bürgermeister Gerhard Weil verwies in Abwesenheit von Kulturstadtrat Swen Tesarek (beide SPÖ) in der Sitzung darauf, dass es bereits eine Info an die Kulturvereine gegeben habe. „Ich war selbst dabei, als die Kulturvereine informiert wurden“, so Weil.

Vymetal kann sich an eine solche Information nicht erinnern, zumal er als Obmann der Theatermeile um 2.000 Euro angesucht, aber bislang keine Antwort erhalten habe. „Wenn es nichts gibt, soll mir das recht sein, aber das Ansuchen einfach nur nehmen und nichts damit machen, geht nicht.“

Auf Nachfrage bei mehreren Brucker Kulturvereinen kann keiner bestätigen, dass es eine Info gegeben habe. So sagt etwa Manfred Jüngling, Obmann des Vereins „Freiraum“, er habe keinerlei Information bekommen. „Ich habe auch noch keine Antwort auf mein pünktlich gestelltes Subventionsansuchen erhalten“, ergänzt Jüngling.

Mayer schlägt erneut Gesamtkonzept vor

Thomas Mayer, Obmann des Vereins „Ensemble 83“ und Veranstalter von „Kultur Bruck“ habe zwar bereits davon gehört, dass der Budgetrahmen für 2022 nur 10.000 Euro betragen soll, weil er nachgefragt habe. Er betont aber, um etwaigen Gerüchten vorzubeugen, dass das Geld keineswegs nur für sein „Kultur Bruck“ vorgesehen sei. Er spricht sich einmal mehr dafür aus, für die Brucker Kulturaktivitäten ein Gesamtkonzept zu erstellen.

„Ich bin derzeit damit beschäftigt, mein Konzept, das ich schon 2019 abgegeben habe, zu überarbeiten“, will Mayer seine Überlegungen der Gemeindeführung demnächst vorlegen. „Danach wäre ein Termin mit allen Parteien nötig, damit man überlegen kann, wie es weitergeht. Und dann braucht es möglichst rasch eine Kulturbeirat-Sitzung“, meint auch Mayer, der betont, dass sein Konzept, das vom gemeinsamen Auftritt über die Bewirtschaftung der Locations bis hin zu Marketing und Ticketverkauf reichen soll, alle kulturellen Aktivitäten der Stadt einbinden soll.

„So etwas ist wichtig, kann aber nur gemeinsam umgesetzt werden. Mit 10.000 Euro wird man das aber nicht zustande bringen“, betont Mayer, der aber auch einräumt, dass eine Finanzierung nicht allein über die Gemeinde laufen müsste.

Kulturstadtrat Swen Tesarek bestätigt auf NÖN-Anfrage: „Es stimmt, für das Jahr 2022 beträgt die Summe aller Kulturförderung nur 10.000 Euro. Ich selbst bin auch nicht zufrieden damit, aber ich muss damit haushalten.“ Das sei auch der Grund, warum in der Dezember-Sitzung des Gemeinderats noch keine Förderansuchen behandelt wurden. Es würden nämlich noch einige Ansuchen von Vereinen fehlen (Anmerkung: Die Einreichfrist endete Ende Oktober). Es sei jedenfalls keineswegs richtig, dass das Geld nur für eine Veranstaltung vorgesehen sei.

Ob es heuer eine Zusammenarbeit mit Thomas Mayer geben wird, könne er noch nicht beantworten. Das müsse mit allen Parteien besprochen werden. „Ich möchte hier keine One-Man-Show abliefern“, betont Tesarek. In Richtung von Christian Vymetals Forderung nach einer Kulturbeiratssitzung sagt Tesarek: „Christian Vymetal und ich können uns darauf einigen, dass er 2022 das Flurreinigen veranstaltet und ich einen Kulturbeirat. Fakt ist, dass in den letzten zwei Jahren ein Kulturbeirat obsolet war. Die Tagesordnung wäre nicht länger als ,Begrüßung und Allfälliges‘, weil es nämlich keine Aktivitäten gab.“

Es werde aber „selbstverständlich“ wieder einen Kulturbeirat geben, sobald die Corona-Maßnahmen so gelockert werden, dass ein unbeschwertes Veranstalten möglich ist. „Ich werde auf alle Fälle Anfang nächster Woche ein Schreiben an die Kulturvereine aussenden“, verspricht Tesarek.