Richterin: „Der Frau glaub ich nix“

Erstellt am 27. Mai 2022 | 05:00
Lesezeit: 3 Min
Gericht Gerichtssaal Gerichtsprozess
Symbolbild
Foto: shutterstock.com, Sergii Gnatiuk
Eine 28-Jährige aus Bruck wollte von ihrem Ex-Freund Geld für eine Abtreibung. Der soll sie deshalb bedroht haben – wurde aber freigesprochen.
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Eine Schwangerschaft verändert in jedem Leben etwas, manchmal positiv, manchmal negativ. Für einen 29-jährigen Installateur muss das Fazit wohl lauten: negativ. Denn er musste sich am Landesgericht Korneuburg vor Richterin Lydia Rada wegen gefährlicher Drohung und Nötigung verantworten.

Am 9. Jänner dieses Jahres soll er seine, schon damals Ex-Partnerin (28) in ihrer Wohnung in Bruck mit den Worten „Wenn du nicht abtreibst, schlag ich dich und werd dich umbringen“ bedroht und zum Schwangerschaftsabbruch genötigt haben.

Er wisse nicht einmal, ob das Kind von ihm ist. Sie habe ihm gesagt, sie sei im zweiten Monat schwanger und sie bräuchte 3.000 Euro für eine Abtreibung in Ungarn. Was einigermaßen abwegig klang, da Ungarn eines der strengsten Abtreibungsgesetze der EU hat. An diesem 9. Jänner habe er ihr, als letzten Akt der Beziehung, gegen 19 Uhr ein Handy zurückgebracht. Plötzlich habe sie ihn in die Wohnung gezerrt, die Tür verschlossen, ihn gegen die Wand gedrückt und das Geld für den Abort gefordert.

Die ebenfalls anwesende Mutter (48) der Ex-Partnerin sei nicht dazwischen gegangen, so die Schilderungen des 29-Jährigen. Sowohl er als auch der ältere Bruder (31) und selbst sein Chef (28) konnten von häufigen Anrufen der Frau berichten, in denen es immer wieder um das Geld gegangen sein soll. Die Einvernahme der Frau und der Mutter, die aus Angst vor dem Angeklagten lieber aus dem Bezirksgericht Bruck zugeschaltet werden wollten, verschaffte zumindest Rada Klarheit in dieser Angelegenheit.

Nicht nur, dass beide Frauen mit immenser Lautstärke in das Mikrofon schrien, verdoppelte ein bei der Einvernahme anwesendes Kleinkind diesen Effekt. Was dazwischen herauszuhören war, waren nicht die Antworten auf die konkreten Fragen der Richterin, sondern stereotype Sätze wie „Er wollte meine Tochter schlagen“. Und um Geld sei es sowieso nie gegangen.

In seltener Eindeutigkeit begründete Richterin Rada ihren Freispruch mit der Plausibilität der Version des 29-Jährigen und den Worten: „Der Frau glaub ich nix.“

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