Lebensmittel: Soziale Hilfe statt Mistkübel. Das Rote Kreuz sorgt mit Tafeln dafür, dass unverkäufliche Produkte Bedürftigen zugutekommen.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:17)
Tafel-Ausgabestelle Moosbrunn
Otto Sauer, Gabriele Gabriel, Maria Mersich-Pfeifer, Margrit Schöf und Christine Fischer engagieren sich in der Tafel-Ausgabestelle Moosbrunn.
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„Wir leisten sicher einen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung“, ist sich Elisabeth Hafner bewusst. Die Leiterin der Gesundheits- und sozialen Dienste beim Roten Kreuz Schwechat gibt aber auch zu, dass in den Ausgabestellen der „Team Österreich Tafel“ nicht immer alles verbraucht wird. „Hartes Brot zum Beispiel geben wir dann an Landwirte ab“, will Hafner aber betont wissen, dass die wenigstens Produkte tatsächlich im Müll landen.

Geholt werden die Lebensmittel wöchentlich für die vier Tafeln im Schwechater Betreuungsgebiet – das sind Fischamend, Ebergassing, Moosbrunn und Mannersdorf – von Supermarkt-Filialen aus der Region. „Wir freuen uns auch über jeden lokalen Anbieter, der für die Tafeln spendet“, betont Hafner. In Ebergassing bekomme man etwa einmal pro Monat von einem Bauern Erdäpfel und Zwiebeln, in Fischamend spendet ein Imker seinen Honig.

Unterstützung und keine Vollversorgung

Generell sind die lukrierten Mengen an Lebensmitteln sowie Hygieneartikel ausreichend. Denn: „Die Tafel soll eine Unterstützung sein und keine Vollversorgung“, stellt die Rot-Kreuz-Mitarbeiterin klar. Anfangs habe man auch leichte Spendenrückgänge durch die Aktion „Too good to go“ oder die Lidl-Gemüsebox gespürt. Pro Ausgabestelle und Woche kommen zwischen 20 und 30 Familien, „seit Corona haben wir rund fünf Familien mehr“, sagt Hafner.

Als bezugsberechtigt gelten Personen, deren monatliches Einkommen nicht über 1.260 Euro liegt. Gibt es mehrere Personen im Haushalt, erhöht sich die Grenze. Erfüllt man die Kriterien erhält man eine Berechtigungskarte, die für ein Jahr gültig ist. „Wir bieten auch eine Sozialbegleitung an den Ausgabetagen an, für Probleme in anderen Lebensbereichen“, unterstreicht Hafner den sozialen Aspekt.

Das gleiche Ziel wie die Tafeln verfolgt auch die Initiative „Leo+“ der Caritas. In Schwechat gibt es alle 14 Tage am Mittwochvormittag eine Lebensmittelausgabe. Das Prinzip ist deckungsgleich mit jenem des Roten Kreuzes. Aktuell kommen bis zu 40 Personen, um sich ihre Lebensmittelpakete abzuholen. Vor Corona konnten sie sich die Produkte, wie bei den Tafeln, selbst aussuchen, in Pandemiezeiten bekommen sie fertig zusammengestellte Boxen. Die Lebensmittel-Verteilung koordiniert die Caritas selbst.

Kaufmann übt Kritik an Lebensmittelindustrie

An die kirchliche Hilfsorganisation spendete auch Adeg-Kaufmann Sebastian Kowalik. Er führt je eine Filiale in Enzersdorf und Margarethen.

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Adeg-Kaufmann Sebastian Kowalik spendet übergebliebene Ware an die Caritas.
Schäfer, Schäfer

Beim Thema Lebensmittelverschwendung wird Kowalik angriffig: „Hier ist eindeutig die Industrie gefragt. Die großen Konzerne müssen sich ein neues System hinsichtlich Haltbarkeitsdatum überlegen. Das Haltbarkeitsdatum, das angegeben ist, interpretieren viele als Ablaufdatum.“

Denn als Kaufmann werde er verpflichtet, jedes Produkt, das das Haltbarkeitsdatum überschritten habe, sofort aus dem Sortiment zu nehmen und wegzuschmeißen. „Das ist doch absurd. Wenn, dann müsste es auch ein zweites Datum geben mit einem Text wie ,70 Prozent Wertminderung bis...‘. Und es sollte den Kaufleuten überlassen werden, ob sie das Produkt verbilligen und noch verkaufen.“

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