"Vorzeigeprojekt": Jugendarbeit überschreitet erstmals Ländergrenze

Bruck und Bruckneudorf, Niederösterreich und das Burgenland arbeiten in der Jugendbetreuung zusammen: Ein Jugendzentrum für zwei Gemeinden

Erstellt am 13. Oktober 2021 | 14:39
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Der Startschuss für die grenzüberschreitende Jugendarbeit erfolgte passender Weise beim Grenzfluss, der Leitha.
Foto: Susanne Müller

Der Regionalentwicklungsverein Römerland Carnuntum hat sich in der Region von Anfang an auch die Jugendbetreuung zur Aufgabe gemacht. In Bruck gibt es dadurch schon lange einen Stützpunkt für die niederschwellige Jugendbetreuung und die mobile Jugendarbeit.

Doch Bruck ist quasi mit der Nachbargemeinde Bruckneudorf zusammengewachsen, Bruckneudorfer besuchen zu einem großen Teil die Brucker Schulen. Der Freundeskreis der Jugendlichen mischt sich also aus Bewohnern beider Gemeinden. Nur befindet sich Bruck in Niederösterreich, Bruckneudorf im Burgenland. Die Betreuung der Jugendlichen hätte also bisher eigentlich an der Gemeinde- und Landesgrenze enden sollen. "Man kann einem Drittel der Jugendlichen nicht die Tür vor der Nase zumachen", betont Gerti Taferner, Leiterin der Jugendarbeit im Römerland Carnuntum.

Nicht zuletzt, weil sich der Bahnhof, ein Hotspot für die mobile Jugendbetreuung, in Bruckneudorf befindet. Die Lösung des Problems bildet nun die erste grenzüberschreitende Jugendarbeit. Will heißen, die Länder Niederösterreich und Burgenland und die Gemeinden Bruck und Bruckneudorf teilen sich die Kosten. Aus Niederösterreich fließen pro Jahr zwei Drittel, also rund 110.000 Euro (für die Betreuung im ganzen Römerland Carnuntum), aus dem Burgenland das restliche Drittel, in etwa 61.000 Euro. Denn, die Jugendbetreuung sei so notwendig wie selten zuvor. "Die Coronakrise wirkt sich jetzt erst so richtig aus", sieht Taferner die Folgen in der täglichen Arbeit. 

Freude über Kooperation ist groß

Die Freude darüber, dass die Kooperation gelungen ist, ist also bei allen Beteiligten groß. "Die Jugend ist uns ganz besonders wichtig. Es freut mich, dass es gelungen ist, das Projekt nachhaltig zu finanzieren", betonte Brucks Bürgermeister Gerhard Weil (SPÖ) bei der Präsentation. Niederösterreichs Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) hob die Einzigartigkeit einer solchen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit hervor, sah darin aber auch ein "Vorzeigeprojekt für andere Grenzregionen".

Ziel sei es, die Jugendlichen "direkt in ihren Lebenswelten zu erreichen, sie dort aufzufangen und zu begleiten", bedankte sich Königsberger-Ludwig beim Team von Römerland Carnuntum für seinen "unglaublichen Einsatz". Dem stimmte auch ihre Kollegin aus dem Burgenland, Daniela Winkler (SPÖ) zu: Es sei wichtig, die jungen Menschen nicht an der Hand zu nehmen, sondern sie ihre eigenen Entscheidungen treffen zu lassen, aber dabei "eine gute Begleitung" anzubieten. Dabei gehe es auch um Bereiche, die nicht immer einfach anzusprechen sind, verwies Winkler etwa auf die Drogen-Thematik: "Umso wichtiger ist diese Zusammenarbeit."

Bruckneudorfs Bürgermeister Gerhard Dreiszker (SPÖ) erzählte eine Anekdote aus dem Sommer. Er habe beim Hort eine Rauchsäule aufsteigen gesehen und sei sofort hingefahren. Vor Ort stellte sich heraus, dass es kein Rauch, sondern Staub war, weil zwei Jugendliche mit ihren Autos am Schotter ihre Runden drehten. "Die Leute haben gesagt, ich soll sie anzeigen, aber beim Heimfahren hab ich mir gedacht, vor 30 Jahren hab ich auch so etwas gemacht." In dem Alter sei aber auch die Gefahr groß, in die falschen Kreise zu geraten, gefährliche Dinge auszuprobieren. "Deshalb bin ich dankbar, dass wir dieses Projekt gemeinsam zusammenbringen. Das ist eine Herzensangelegenheit von uns", so Dreiszker.