Wenn dem Fluss das Wasser fehlt

Ab Montag wird der Werkskanal wieder in die Neue Leitha umgelenkt: Zahllose Fische und andere Lebewesen verenden dabei.

Susanne Müller
Susanne Müller Erstellt am 29. September 2021 | 05:20

Kommenden Montag ist es wieder so weit: Am Leitha-Werkskanal wird eine Bachabkehr durchgeführt. Konkret bedeutet das, dass zwischen Seibersdorf und Bruckneudorf auf einer Länge von etwa 23 Flusskilometern der Werkskanal umgelenkt wird in die Neue Leitha.

Die Folge: Bei jeder Bachabkehr verenden zahllose Fische und andere Flussbewohner, wie Krebse. „Innerhalb von zwei bis drei Stunden fällt der Werkskanal trocken, während in der Neuen Leitha eine Flutwelle entsteht“, erklärt Franz Kiwek, Präsident der Österreichischen Fischereigesellschaft, die die Leitha in dem Bereich bis Wilfleinsdorf betreut und sich seit geraumer Zeit gegen die regelmäßigen Bachabkehren stark macht.

Boku: ökologischen Folgen „bestürzend“

Sie hat eine Studie bei der Universität für Bodenkultur in Auftrag gegeben, um die ökologischen Folgen einer Bachabkehr zu untersuchen. Das Ergebnis sei „bestürzend“ gewesen, so Lisa Meißl und Otto Moog von der Boku: Denn, während die Fische von der Gesellschaft großteils abgefischt und durch Umsetzen gerettet werden können, gehen bei einer Bachabkehr am Werkskanal 2,4 Tonnen Fischnährtiere zugrunde.

„Unser Ziel ist nicht, jemanden anzuschwärzen, sondern eine Sensibilisierung zu erreichen“, betont Fischereigesellschafts-Vorstandsmitglied Wolfgang Bauer. Die Bachabkehren würden derzeit in regelmäßigen Abständen, meist ein- bis zweimal jährlich, durchgeführt. Eigentlich mit dem Ziel, den Kraftwerksbetreibern die Möglichkeit zu geben, etwa Reparaturarbeiten durchzuführen.

Immer wieder komme es aber auch vor, dass Bachabkehren durchgeführt werden, bei denen kaum Reparaturmaßnahmen ergriffen würden. „Wir wollen Bachabkehren nur dann, wenn sie wirklich notwendig sind“, so Bauer, der auch hervorhebt, dass viele Maßnahmen auch ohne Bachabkehr durchgeführt werden könnten. Zumal auch beim Abfischen niemals alle Fische erwischt würden.

Unser Ziel ist nicht, jemanden anzuschwärzen, sondern eine Sensibilisierung zu erreichen.“
Wolfgang Bauer, Fischereigesellschaft

Bereits 1996 habe die Gesellschaft daher in einem ersten Brief an die Bezirkshauptmannschaft auf diese Problematik hingewiesen. Letztendlich würde man sich wünschen, dass die Bachabkehr an eine Wasserrechtsverhandlung geknüpft wird. Denn, derzeit obliegt es den Kraftwerksbetreibern, die für die Pflege der Leitha in ihrem Abschnitt zuständig sind, die Abkehren durchzuführen, wann sie es für notwendig erachten.

Dauer der Abkehr von einer Woche auf drei Tage reduziert

„Wir bemühen uns, das ökologische Potenzial der Leitha für unsere Kinder und Kindeskinder zu erhalten“, so Kiwek. Erste positive Schritte seien auch bereits erkennbar. So wurde die Dauer der Abkehr von einer Woche auf drei Tage reduziert. Auch eine Fischwanderhilfe wurde errichtet.

Das Ziel sei, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, und zu besprechen, was zu beheben ist, und wie diese Maßnahmen möglich sind, ohne dass der gute ökologische Zustand gefährdet wird. „Oft würde es schon helfen, wenn die Umgehungsgerinne der Kraftwerke instand gehalten würden. Dann müsste man nur 20 Meter absperren, nicht 23 Kilometer“, so Bauer. Das Ziel sei, dass die EU-Wasserraumrichtlinien tatsächlich greifen.

Rechtlich sind die Fischer damit derzeit jedoch auf verlorenem Posten. Bezirkshauptmann-Stellvertreter Dominik Lappel bestätigt auf NÖN-Anfrage, dass die Fischer mit der Behörde Kontakt aufgenommen haben und dass man mit der Thematik beschäftigt sei. Lappel weist aber auch darauf hin, dass die Kraftwerksbetreiber „gesetzlich dazu verpflichtet sind, ihren Stauraum freizuhalten und Erhaltungsmaßnahmen zu setzen.“ Gleichzeitig seien die Kraftwerksbetreiber nicht dazu verpflichtet, den Werkskanal fischdurchgängig zu halten.